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Kinovorschau Heldinnen und arme Würstchen

09.01.2007 ·  Helen Mirren ist „Die Queen“, die englische Monarchin Elizabeth II. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Helge Schneider als depressiver Hitler, Kurt Cobains letzte Tage, die grausame Rache einer Koreanerin und Rolf Dieter Brinkmanns Tonbänder.

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Helen Mirren ist „Die Queen“, die englische Monarchin Elizabeth II. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Helge Schneider als depressiver Hitler, Kurt Cobains letzte Tage, die grausame Rache einer Koreanerin und Rolf Dieter Brinkmanns Tonbänder.

Die Queen

Historienfilm, Großbritannien 2006.

Als am 1. September 1997 die englische Prinzessin Diana bei einem Autounfall in Paris umkommt, bricht in England eine beispiellose kollektive Trauer aus. Erst nach einigen Tagen und im Angesicht einer ernsthaften Krise kehrt die Königin Elizabeth II. (Helen Mirren) von ihrer Sommerresidenz zurück nach London und zeigt sich öffentlich mit ihrer Familie bei Dianas Beerdigung. Der britische Regisseur Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“) setzt mit seiner Geschichte ein paar Monate vor Dianas Tod ein, mit dem erdrutschartigen Sieg Tony Blairs (Michael Sheen) und seiner Labour-Partei im Mai 1997. Er wird in der großen Diana-Krise sein Möglichstes tun, um zwischen seiner Souveränin und ihrem Volk zu vermitteln. Elizabeth II. wird dargestellt als eine bis zum äußersten pflichtbewusste, dabei mütterliche und humorvolle Person, die seit mehr als fünfzig Jahren unablässig ihr Bestes für ihr Land tut.

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Komödie, Deutschland 2006.

Regisseur Dani Levy („Alles auf Zucker!“) versucht in „Mein Führer“ das Hysterische, Lächerliche und Armselige der Figur Adolf Hitler aus der Perspektive eines Juden zu zeigen. Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe, „Das Leben der Anderen“), der als Schauspiellehrer einst Hitler die Grundlagen der Selbstinszenierung beigebracht hat, wird von Joseph Goebbels (Sylvester Groth) aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen in die Reichskanzlei geholt.

Er soll Hitler (Helge Schneider) aus der Depression herausholen und für eine enorm wichtige Rede vorbereiten, die in wenigen Tagen gehalten werden muss. Es ist Winter 1944 und dem Führer geht es gar nicht gut. Er ist traurig, schläft schlecht, fühlt sich müde und antriebslos und vom Rest der Welt abgeschottet durch seine Chargen, Speer (Stefan Kurt), Goebbels und Himmler (Ulrich Noethen).

Last Days

Musikfilm, Vereinigte Staaten 2005.

Der amerikanische Regisseur Gus Van Sant („Good Will Hunting“) zeigt seine freie Interpretation der letzten Tage im Leben des heroinsüchtigen Kurt Cobain. Kaum ein Rockstar der 90er Jahre hat eine gesamte Generation junger Menschen so geprägt wie der Leadsänger der Grunge-Band Nirvana. Im April 1994 nahm er sich das Leben, und bis heute ist er eine nahezu sagenumwobene Ikone.

Der introvertierte Rockmusiker Blake (Michael Pitt) flüchtet aus dem Drogenentzug zu seinen Bandkollegen, mit denen er in einem entlegenen Haus lebt. Doch sie leben in ihrer eigenen gedanklichen Welt und nehmen Blakes desolaten psychischen Zustand nicht wahr. Gemeinsam mit dem Manager versuchen sie, ihn noch einmal zu einer einträglichen Tournee zu überreden. Doch Blake hat andere Pläne.

Lady Vengeance

Drama, Südkorea 2005.

„Lady Vengeance“ vom südkoreanischen Regisseur Park Chan-wook ist die Geschichte eines weiblichen Racheengels und der dritte Film seiner Rache-Triologie, nach „Sympathy for Mr. Vengeance“(2002) und „Oldboy“(2003). Die schöne Lee Geum-ja (Lee Yeong-ae) wird nach 13 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Als 19jährige hatte sie gestanden, einen kleinen Jungen entführt und erstickt zu haben.

In der Haftanstalt galt sie als reuige und hilfsbereite Büßerin, doch nach ihrer Freilassung entpuppt sich Geum-ja als Racheengel, der in all den Jahren sorgfältig eine blutige Vergeltung geplant hat. Geum-ja hat ihren einstigen Kindergartenlehrer, Mr. Baek (Choi Min-sik), im Visier, der sie vor 13 Jahren zum verhängnisvollen Geständnis gezwungen hat.

Brinkmanns Zorn

Drama, Deutschland 2006.

In den sechziger Jahren war der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann (Eckhard Rhode) eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Literaturszene. Der mit 35 Jahren bei einem Autounfall verstorbene Autor schrieb Geschichte, als er in einem Fernsehinterview seinen Gesprächspartner Marcel Reich-Ranicki übel beschimpfte.

Nach Brinkmanns Rückzug aus der Literatur-Szene hielt er mit einem Tonbandgerät seine Umwelt fest. Der Regisseur Harald Bergmann inszenierte eine Montage aus Super-8-Aufnahmen, Wort-Bild-Collagen und Original-Tonaufnahmen des Autors. Die experimentelle Mischung aus Originalmaterial und Spielfilmteilen zeigt nicht nur das Schaffen, sondern auch den Familienalltag von Rolf Dieter Brinkmann.

Der Fluch der Betsy Bell

Thriller, Vereinigte Staaten 2004.

John Bell (Donald Sutherland) lebt mit seiner Frau Lucy (Sissy Spacek) und Tochter Betsy („Das Parfüm“-Hauptdarstellerin Rachel Hurd-Wood) ein ruhiges Leben in Red River Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Familie wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als es anfängt im Haus zu spuken. Es entwickelt sich ein wahrer Spukterror, in dessen Mittelpunkt Tochter Betsy steht.

Als der Poltergeist Betsy sogar angreift, offenbart er, dass er seine Aktionen so lange weiter treiben wird, bis es einen Toten gibt. Familie Bell ahnt, dass es einen Zusammenhang mit einem Streit gibt, den sie um ihr Land mit einer Frau ausfechten, die als Hexe verschrien ist. Regisseur Courtney Solomon liefert nach „Dungeons & Dragons“ (2000) seinem zweiten Gruselfilm.

Anplagghed

Komödie, Italien 2006.

„Anplagghed“ ist eigentlich ein Theaterstück. Die Schauspieler Aldo Baglio, Giacomo Poretti und Giovanni Storti tourten damit 2006 durch ganz Italien. Regisseur Rinaldo Gaspari hat „Anplagghed“ in High Definition und Dolby Digital auch für die Leinwand aufgezeichnet.

Drei unbeholfene Astronauten und ein kleiner übereifriger Roboter landen mit ihrer „Enterprise“ auf einem unbekannten Planeten, der von Aliens bewohnt wird. Mit der Unterstützung von Silvana Fallisi verkörpert das Trio ungeschickte Gangster, unfähige Dealer und streitsüchtige Nachbarn, ein skurriles Alltagsszenario in großen Städten.

Barrage

Drama, Frankreich 2005.

Der Regisseur Raphaël Jacoulot erzählt in seinem Spielfilmdebüt mit beeindruckender Schärfe die tragische Geschichte einer obsessiven Mutter, die vor nichts zurückschreckt, um ihren Sohn nicht zu verlieren. Sabine (Nade Dieu) lebt allein mit ihrem Sohn Thomas (Hadrien Bouvier). Sie ist dreißig Jahre alt und er fünfzehn.

Die Mutter beschließt, gemeinsam mit ihrem Sohn in ein abgelegenes Haus in der Nähe eines Staudammes zu ziehen. Dass der jugendliche Thomas immer weniger Zeit mit ihr verbringt und immer öfter fortbleibt, macht Sabine sehr zu schaffen. Die enge Mutter-Kind-Beziehung verändert sich, was für die krankhaft klammernde Mutter besonders schmerzhaft ist.

Atos dos Homens

Dokumentarfilm, Brasilien / Deutschland 2006.

In der Nähe von Rio, in Baixada Fluminense, wurde im März 2005 ein Massaker verübt, bei dem 29 Menschen von Todesschwadronen getötet wurden. Die inzwischen gefassten Mörder sind Polizisten, die zu sogenannten Vernichtungskommandos gehören und in Erpressungen, Entführungen, Drogenhandel und in Tötungsdelikte verwickelt sind.

Der Regisseur Kiko Goifman hat darüber einen Film gedreht, der in vier Teile gegliedert ist. Das Massaker selbst, den Alltag der Bewohner von Baixada Fluminense nach dem Geschehen, ein Interview mit einem professionellen Mörder des Killerkommandos der Gegend und der Versuch der Betroffenen, das Erlebte zu verarbeiten.

Quelle: @aper mit Material der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, AP und dpa
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