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Kinovorschau Harleys, Headbanger und Humbug

17.04.2007 ·  John Travolta holpert auf dem Motorrad durch Amerika, und Hilary Swank hält Zeichen der Apokalypse für religiösen Humbug. Außerdem ab Donnerstag im Kino: Ein Ort, den man nur in Holstein und weltweit unter Heavy-Metal-Fans kennt.

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John Travolta holpert auf dem Motorrad durch Amerika, und Hilary Swank will religiöse Phänomene als Humbug entlarven. Außerdem ab Donnerstag im Kino: eine Koreanerin präsentiert deutsche harte Jungs in einem „Heimatfilm“ auf dem Heavy-Metal-Festival eines 1800-Seelen-Dorfes

Full Metal Village

Porträt, Deutschland 2006

Die 40-jährige Koreanerin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt und hier studiert hat, ist in einen Ort namens Wacken in der Nähe von Itzehoe aufgebrochen, den außer den 1800 Einwohnern und Heavy-Metal-Fans auf der ganzen Welt keiner kennt. Und sie hat für ihren Film „Full Metal Village“ den Max-Ophüls-Preis bekommen. Wenn man sich neunzig Minuten in diesem „Full Metal Village“ umgeschaut hat, den die Regisseurin einen „Heimatfilm“ nennt, kommt einem das Ganze fast vor wie ein Märchen: die sturen Holsteiner und die schwarzgekleideten Hartmetaller, die zur Blasmusik der einheimischen Kapelle mitschunkeln, bevor sie sich wilderer Ware zuwenden. Ein Märchen, das auch ein Lügenmärchen sein könnte, eine clevere Geschäftsidee.
(Siehe auch: Filmstart von Sung-Hyung Chos Dokumentation „Full Metal Village“)

Slumming

Komödie, Schweiz und Österreich 2006

Weil das Milieu, aus dem sie kommen, sie langweilt, gehen die beiden verwöhnten jungen Burschen (August Diehl, Michael Ostrowski) „Slumming“. Sie treiben sich in Wiener Kaschemmen herum und amüsieren sich auf Kosten der Kunden. Den volltrunkenen Penner (Paulus Manker), der düstere Gedichte schreibt, packen sie in den Kofferraum und setzen ihn in Tschechien wieder ab.

Und weil auch das sie nicht ausfüllt, fotografiert der eine heimlich unterm Tisch die Mädchen, mit denen er sich trifft, und mailt dem anderen die Bilder. Michael Glawoggers erster Spielfilm beginnt rasant, aber er kann das Tempo nicht halten. Der Penner muss zurück nach Wien, der Schnösel verliebt sich und wird verlassen, der Drive wird schwächer, und am Ende hat man leider den Eindruck, Glawogger habe nicht mehr recht gewusst, wie er das vielversprechende Szenario zu Ende bringen soll.
(Siehe auch: Filme von Chen Kaige, Terrence Malick und Michael Glawogger im Berlinale-Wettbewerb)

Sunshine

Science Fiction, Großbritannien 2007

„Trainspotting“-Regisseur Danny Boyle arbeitete drei Jahre nach „28 Days Later“ erneut mit Alex Garland zusammen und inszenierte dessen Drehbuch einer Science-Fiction-Vision. In 50 Jahren wird die Sonne beginnen abzusterben - und damit wäre sämtliches Leben ausgelöscht. Letzte Hoffnung ist eine achtköpfige Weltraumkommission, die eine Wiederbelebungsmaschine für die Sonne an Bord hat.

Vor vielen Jahren hatte es bereits ein ähnliches Projekt gegeben, deren Team erfolglos und verschollen geblieben war. Die neue Crew entdeckt auf ihrer Mission ihre einstigen Vorgänger und wagt daraufhin eine Kurskorrektur, doch dann macht der Navigator einen folgenschweren Fehler.

The Reaping

Horror, Vereinigte Staaten 2006

Als ihre Familie in Afrika bei einer Opferzeremonie ermordet wird, verliert die Missionarin Katherine (Hilary Swank) ihr inneres Gleichgewicht. Stephen Hopkins inszenierte die Geschichte einer Frau, deren Glaube durch einen Schock erschüttert wird und die sich danach zu einer weltberühmten Expertin entwickelt, die religiöse Phänomene als Humbug entlarvt.

Eine Kleinstadt in Louisiana zieht Katherine zu Rate, weil das Flusswasser aus Blut besteht und man sich von den zehn biblischen Plagen bedroht fühlt. Die ehemalige Missionarin gerät an die Grenzen der Logik. Sie scheitert mit ihren wissenschaftlichen Erklärungen und muss sich wieder ihrem Glauben öffnen, um die Gemeinde und ihr eigenes Leben zu retten.
(Siehe auch: Die Engagierte)

Shooter

Action, Vereinigte Staaten 2007

Antoine Fuqua hat eine Story um den ehemaligen Marines-Scharfschützen Bob alias Shooter (Mark Wahlberg) gedreht, der sich in die menschenleere Wildnis der Berge zurückgezogen hat. Dort spürt ihn ein pensionierter Colonel (Danny Glover) auf und versichert ihm, sein Land brauche ihn: Ein Attentat auf das Leben des Präsidenten stehe unmittelbar bevor, und Bobs Präzision sei gefragt.

Als er zustimmt, seinem Land ein letztes Mal zu dienen, ahnt er nicht, worauf er sich einlässt. Die angebliche Mission ist eine Falle, gestellt von einer Verschwörungsorganisation innerhalb der Regierung. Bob selbst stolpert hinein und muss erkennen, wer die wahren Attentäter sind.

Beijing Bubbles

Dokumentarfilm, China, Deutschland 2005

Der Dokumentarfilm von Susanne Messmer und George Lindt stellt dem deutschen Publikum die neue Pekinger Rockmusik vor: die mehr und mehr ins elektronische Fach abwandernde und dort zeitweise von Blixa Bargeld betreute Mädchenband „Hang on the Box“ ebenso wie die Grunge-Gruppe „T9“, deren Gründer mit den Obertonstimmen seiner mongolischen Ahnen experimentiert.

Die Regisseure zeigen Bilder einer charmant unaufgeräumten und unprätentiösen Szene, die mit ihrem abweichenden Verhalten (nicht arbeiten, Kleider im Second-Hand-Shop einkaufen) freilich weit davon entfernt ist, die Massen zu ergreifen. Gerade dies aber, dieser unbefangene, gewissermaßen antihistoristische, erkennbar nicht auf eine bestimmte Wirkung hin berechnete Impuls gibt dieser Pekinger Rockmusik eine Frische, wie sie durch keine noch so gute Distinktionsstrategie erzeugt werden könnte.

Born to be Wild - Saumäßig Unterwegs

Komödie, Vereinigte Staaten 2007

Die vier Freunde Woody (John Travolta), Doug (Tim Allen), Bobby (Martin Lawrence) und Dudley (William H. Macy) führen ein ruhiges, geregeltes Leben in ihrem stillen Vorort. Eigentlich verbringen sie zu viel Zeit vor dem Fernseher, und das muss anders werden. Zudem trägt jeder der vier Freunde ein Päckchen privater Sorgen auf den Schultern, und da käme ein kleines Abenteuer gerade recht.

Also beschließen sie, ihre Motorräder zu satteln und gemeinsam auf Reisen zu gehen - die Tatsache verdrängend, dass man seine Probleme nicht durch einen Ortswechsel löst. Mit dieser Realität werden sie dann jedoch konfrontiert, als sie unterwegs auf eine richtige Biker-Gang treffen.

Vier Fenster

Drama, Deutschland 2006

Einen Blick in das Milieu kleiner Leute wirft Christian Moris Müller mit seinem Diplomfilm „Vier Fenster“ (eine Koproduktion der Filmhochschulen Babelsberg und München). Die Protagonisten sind ein Berliner Polizist, seine erwachsene Tochter, die von ihm ein Kind erwartet, die Mutter, die nichts sehen will, und der Sohn, der, statt zur Schule zu gehen, durch die Schwulenszene tobt.

Die Tochter (Theresa Scholze) läßt ihrer Wut vor den Fahrgästen der U-Bahn freien Lauf, zu Hause aber begehrt sie mit keinem Wort auf. Sie wagt es nicht, eine Entscheidung zu treffen, und auch die anderen ziehen die geheuchelte Eintracht der Wahrheit vor. Das mag keine neue Botschaft sein, aber es bestürzt, sie so frisch wieder einmal vorgeführt zu sehen.

Der Liebeswunsch

Drama, Deutschland 2005

Regisseur Torsten C. Fischer hat seinen ersten Kinofilm nach der Romanvorlage des gleichnamigen Wellershoff-Bestsellers gedreht. Ärztin Marlene (Barbara Auer) lebt mit Jan (Ulrich Thomsen) zusammen, dem besten Freund ihres ehemaligen Mannes Leonhard (Tobias Moretti).

Das einstmals feste Freundschaftsgefüge scheint sich endlich wieder zu stabilisieren, als Leonhard die Studentin Anja (Jessica Schwarz) heiratet und Vater wird. Was sich hinter der Fassade des scheinbar geregelten bürgerlichen Ambientes verbirgt, kommt immer deutlicher zum Vorschein, je mehr Anja ihre Enttäuschung und Verzweiflung auf die Dauer nicht verstecken kann.

Dunia

Drama, Frankreich 2005

Nach Abschluss ihrer Literaturstudien im pulsierenden Kairo möchte Dunia Tänzerin werden, wie ihre Mutter es war. Gleichzeitig ist die junge Frau fasziniert von der islamischen Mystik, dem Sufismus, und seiner Poesie.

Als sie heiratet, geschieht dies mehr, weil ihr Verlobter Mamdouh ihr keine Ruhe lässt, nicht weil sie es wirklich will. Was Liebe und Zärtlichkeit bedeuten können, erfährt Dunia erst, als sie mit dem Schriftsteller Beshir das Vergnügen der Sinne kennenlernt und erlebt, wie eng dieses mit dem Vergnügen der Worte verknüpft ist.

Der Unbequeme - Der Dichter Günter Grass

Dokumentarfilm, Deutschland 2007

Literaturnobelpreisträger, Bildhauer und Grafiker Günter Grass galt nie als bequemer Zeitgenosse. Entlang seiner Aktivitäten führen die Regisseurinnen Nadja Frenz und Sigrun Matthiesen seine Biografie, seine Literatur und sein soziales Engagement zusammen und verknüpfen diese Bilder mit den ihm wichtigen Orten und Menschen.

Zeitliche Klammer ist dabei die Fertigstellung, Veröffentlichung und Diskussion der Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“, in der Grass erstmalig von seiner Mitgliedschaft bei der Waffen-SS erzählt.

Quelle: @bra mit Material der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, F.A.Z. und dpa
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