18.07.2006 · Isabelle Huppert überzeugt in Chabrols „Geheime Staatsaffären“ als heißkalte Ermittlungsrichterin. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Wie Bully das Schloßgespenst „Hui Buh“ und ein Tangokurs einen französischen Gerichtsvollzieher wieder lebendig macht.
Isabelle Huppert überzeugt in Chabrols „Geheime Staatsaffären“ als heißkalte Ermittlungsrichterin. Außerdem von Donnerstag an im Kino zu sehen: Wie Bully das Schloßgespenst „Hui Buh“ zu neuem Leben erweckt und ein Tangokurs einen französischen Gerichtsvollzieher wieder lebendig macht.
Geheime Staatsaffären
Drama, Frankreich / Deutschland 2006.
Das strahlende Zentrum von Chabrols auf der Berlinale präsentierten Film „Geheime Staatsaffären“ ist Isabelle Huppert als Jeanne Charmant-Killman, die Ermittlungsrichterin, die mit einem Lächeln auf den Lippen tödliche Stöße gegen korrupte alte Männer führt. Sie ist die aufreizende Ruhe selbst, wenn sie ihre roten Handschuhe ablegt, verbietet mit verbindlichem Lächeln den Vorgeladenen das Rauchen und verwehrt ihnen die Hafterleichterung. Die leichte Erregung, mit der sie ihre eigene Macht fühlt, kann sie kaum verbergen. Man muß gar nichts über die Schmiergeldaffäre um den Mineralölkonzern Elf Aquitaine wissen, um die bösartig-amüsante Parabel zu sehen, in der angesehene Männer meisterhaft betrügen, um die eigene Macht zu vergrößern. Auch die tapfere Ermittlungsrichterin selbst muß lernen, was machttrunken heißt. Ihr Mann ist kein Opfer ihrer Karriere, wenn er Selbstmord begeht, er ist Jeanne einfach nicht gewachsen. Nicht ein einziges Mal fällt Charmant-Killman aus der Rolle, selbst nachdem man die Bremsen ihres Autos manipuliert und ihr Büro durchwühlt hat, bleibt sie gefaßt. Regisseur Claude Chabrol („L'enfer“, „Die Blume des Bösen“) ist mit 76 Jahren gar nicht müde, garstig oder gallig, sondern bester Laune, weil sein Sarkasmus selten ein so ideales Objekt gefunden hat. So heißt es im Vorspann: „Jegliche Ähnlichkeit mit bekannten Persönlichkeiten wäre, wie man sagt, unbeabsichtigt“.
Hui Buh, das Schloßgespenst
Komödie, Deutschland 2006.
Der deutsche Komiker Michael „Bully“ Herbig („(T)Raumschiff Surprise“) leiht dem Schloßgespenst „Hui Buh“ Stimme und Gesicht. Flink, frech und zu seinem Leidwesen überhaupt nicht gruselig treibt der tolpatschige Trickfilmgeist auf Schloß Burgeck im fiktiven Königreich Luxenstein sein Unwesen inmitten echter Menschen, dargestellt von Heike Makatsch, Christoph Maria Herbst und Rick Kavanian.
Auch Hans Clarin ist zu sehen, in seiner letzten Kinorolle, bevor er im August 2005 starb. Viele werden sich an die Hörspiele aus den 70er Jahren erinnern, in denen Clarin Hui Buh mit seiner Stimme auf wunderbare Weise zum Leben erweckte. Der moderne Hui Buh ist schneller, turbulenter und actionreicher als die Hörspiele, die mehr als 20 Millionen Mal verkauft wurden. Regie führte beim zehn Millionen teuren Filmprojekt Sebastian Niemann.
Man muß mich nicht lieben
Drama, Frankreich 2005.
Der argentinische Tango ist ein Mix aus Leidenschaft und Melancholie. In „Man muß mich nicht lieben“ von Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Brizé, findet der 50-jährige Gerichtsvollzieher Jean-Claude (Patrick Chesnais) durch einen Tanzkurs wieder neuen Sinn im Leben. Geschieden und frustriert, trifft er im Tangokurs auf die attraktive junge Berufsberaterin Francoise (Anne Consigny), und verliebt sich prompt.
Francoise verschweigt Jean-Claude jedoch ihre Verlobung mit dem Lehrer Thierry, als sich zwischen ihnen eine zarte Romanze entwickelt. Die Verunsicherung stürzt die beiden Liebenden in ein Dilemma der Gefühle. Bis zum Ende wird nicht aufgedeckt, ob das Verhältnis von Jean-Claude und Francoise andauern wird. Die Musik von Christoph H. Müller und Eduardo Makaroff untermalt indes die intensiven Blickkontakte und Gesten der beiden Protagonisten beim leidenschaftlichen Tanz.
Battle In Heaven
Drama, Mexiko / Belgien / Frankreich / Deutschland 2004.
Marcos (Marcos Hernández) arbeitet für einen General, seine Frau (Bertha Ruiz) hat auch einen Job - eigentlich haben sie keinen Grund zur Klage. Dennoch entführen sie das Baby einer Nachbarin, um zu mehr Geld zu kommen. Als das Baby stirbt, ist das Ehepaar mit der unerwarteten Situation vollkommen überfordert. In seinem Gefühlschaos vertraut sich Marcos Ana (Anapola Mushkadiz) an, der Tochter seines Chefs.
Ana, gelangweilt von ihrem Leben als Tochter aus gutem Hause, arbeitet nachts als Prostituierte in einem sehr exklusiven Bordell. Zwischen Marcos und Ana entwickelt sich eine seltsame Beziehung, geprägt von Vertrauen und sexueller Obsession. Der mexikanische Regisseur Carlos Reygadas sorgte bei den Filmfestspielen in Cannes mit „Battle in Heaven“ besonders wegen der naturalistischen Darstellung von Sex für Aufsehen.
Vinzent
Drama, Deutschland 2004.
Regisseur Ayassi ist eigentlich Produzent von Musikvideos und Werbespots. In seinem Film „Vinzent“ ist ein geheimnisvolles Mietshaus der Schwerpunkt stilistischer Spielereien.
Vinzent (Detlef Bothe) sucht seine Freundin, für die er Unterschriften gegen Tierversuche sammelt. Dabei kommt er in ein unheimliches Mietshaus, durch dessen Treppenhaus und Keller er irrt. Vinzent begegnet mehreren Hausbewohnern in albtraumähnlichen Situationen, so Lena (Anna Thalbach), der Geliebten des Vermieters, Frau Ludwig (Karin Baal) und ihren Kindern.