Home
http://www.faz.net/-gs6-sgcf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kinovorschau Frauen mit Babies, gebrochenen Herzen und Fußballträumen

27.06.2006 ·  Ihr Baby Lucy zwingt die achtzehnjährige Maggy erwachsen zu werden. Außerdem von Donnerstag an im Kino zu sehen: Schöne Französinnen überwinden ihr Trauma, und iranische Mädchen schmuggeln sich ins Fußballstadion.

Artikel Bilder (12) Lesermeinungen (0)

Ihr Baby Lucy zwingt die achtzehnjährige Berlinerin Maggy erwachsen zu werden, und Eva zwingt ihre Schwangerschaft, über das Leben nachzudenken. Außerdem von Donnerstag an im Kino zu sehen: Schöne Französinnen überwinden ihr Trauma, und iranische Mädchen schmuggeln sich ins Fußballstadion.

Lucy

Drama, Deutschland 2006.

„Lucy“ ist nach „Klassenfahrt“ der zweite Spielfilm von Regisseur Henner Winckler. Er erzählt von der Phase des Übergangs von unbeschwerter Jugend zum Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt steht die 18jährige Maggy. Lucy ist ihr Baby, dem Vater gibt sie im ersten Bild eine Tüte mit seinen Sachen zurück. Maggy lebt im Niemandsland zwischen Teenagersehnsucht und Mutterpflicht. Die zwanzigjährige Kim Schnitzer spielt Maggy, ein Mädchen im prekären Zwischenzustand auf der Suche nach einem festen Ort im Leben. Das Zusammenziehen mit ihrem neuen Freund Gordon geht schief. Mit einer Wohnung, einem Waschmaschinenkauf und einem Konflikt mit der Mutter zeigt „Lucy“ zwischen Friedrichshain und Alexanderplatz außerdem ein kleines Stück Berlin.

Wie in der Hölle

Drama, Frankreich 2005.

„Wie in der Hölle“ vom oscarausgezeichneten bosnischen Regisseur Danis Tanovics („No Man's Land“), erzählt die Geschichte von drei Schwestern. Emmanuelle Béart, Marie Gillain und Karin Viard sind Sophie, Céline und Anne tragen jede auf ihre Weise schwer an einer tiefen familiären Erschütterung in Jugend und Kindheit. Die älteste Schwester Sophie lebt mit ihrem Mann Pierre und zwei Kindern in Paris. Ihr Mann betrügt sie mit einer anderen Frau, die Ehe ist nicht mehr zu retten.

Auch die jüngste Schwester Anne hat kein Glück in der Liebe. Céline kümmert sich aufopfernd um die an den Rollstuhl gefesselte Mutter (Carole Bouquet), die in einem Altersheim untergebracht ist. Männer haben in Célines Leben bislang offenbar nur eine Nebenrolle gespielt, aber ein Fremder interessiert sich auffallend für sie. Er wird das düstere Geheimnis lüften, das die Mutter wie die drei Schwestern immer noch in seinem Bann hält.

Offside

Komödie, Iran 2006.

Iran ist bei der Fußball-WM zwar bereits ausgeschieden, doch jetzt kommt ein Film zum iranischen Fußball in die Kinos, der auf der Berlinale einen Silbernen Bären gewann. Der Regisseur Jafar Panahi erzählt in „Offside“ von sechs jungen Mädchen, die sich als Jungs verkleidet ins Stadion einschmuggeln wollen und erwischt werden. Sie wollen das WM-Qualifikationsspiel Iran gegen Bahrain sehen, doch Frauen ist im Iran der Zutritt zu Sportveranstaltungen mit männlichen Athleten verboten.

Die Mädchen werden von Sicherheitskontrollen festgehalten. Als eine von ihnen auf die Toilette muß, nötigt sie der bewachende Soldat, sich ein Poster des Bayern-Spielers Ali Karimi, aus dem er zuvor sorgfältig die Augen entfernt hat, vors Gesicht zu halten. Als am Ende Iran gewinnt und ein Verkehrschaos in der Stadt ausbricht, können die jungen Frauen straflos in der feiernden Menge untertauchen.

Leben in mir

Drama, Polen / Deutschland 2004.

Die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska erzählt in ihrem zweiten Spielfilm die Geschichte von Eva (Malgosia Bela), die sich mit unterbezahlten Jobs über Wasser hält und ungewollt schwanger wird. Ihre private Situation wird auch durch ihre Eltern erschwert: Die Mutter (Teresa Budzisz-Krzyzanowska) lebt zusehends in ihrer eigenen Welt, und der Vater (Marek Walczewski) verliert langsam den Verstand.

Von keiner Seite kann Eva Unterstützung erwarten, also entschließt sie abzutreiben. Auf dem Weg zum Abtreibungsarzt stiehlt ein Junkie ihr das Geld, und in der Praxis erfährt sie auch noch, daß ihr Baby sie hören kann. Eva ändert ihre Entscheidung und beginnt ihrem Kind Geschichten zu erzählen.

Rang De Basanti

Drama, Indien 2006.

„Die Farbe des Patriotismus“ heißt der Filmtitel von Regisseur Rakeysh Omprakash Mehra sinnbildlich übersetzt. Die junge Londoner Journalistin Sue (Alice Patten) reist nach Delhi, um einen Film über die frühe indische Unabhängigkeitsbewegung zu drehen. Sie begegnet vier Freunden, darunter auch dem charismatischen DJ, die die Rollen der legendären Revolutionäre übernehmen sollen. Doch die jungen Studenten, ganz Söhne des modernen Indiens, unterstützen ihr Projekt nur widerwillig, da sie sich mit den altmodischen Charakteren einfach nicht identifizieren können.

Als Idealtypen einer Generation, die mehr von Konsum als von ideellen Werten bestimmt wird, kennen sie die Vorstellung, das eigene Leben für seine Ideale zu geben, lediglich aus staubigen Lehrbüchern. Nicht nur im Alphabet steht für sie Party vor Patriotismus. Erst ein tragischer Zwischenfall läßt sie aus ihrer politischen Gleichgültigkeit erwachen und eine radikale Wendung erleben.

Schiffe aus Wassermelonen

Drama, Türkei 2004.

In einem endlos scheinenden Sommer im anatolischen Dorf Tepecek in den 60er Jahren träumen sich die beiden halbwüchsigen Freunde Recep und Mehmet in eine andere Welt. Ihre leidenschaftliche Begeisterung gilt dem Kino, durch das sie immer wieder für kurze Augenblicke ihrem Alltag als Melonenverkäufer und lustlosem Friseurlehrling entfliehen können.

In ihrem Wunsch, einmal ein großer Regisseur zu sein, bauen sie sich mit einfachsten Mitteln eine Filmkamera zusammen, nur gelingt es ihnen einfach nicht, das Bild in der richtigen Geschwindigkeit zum Laufen zu bringen. Regisseur und Drehbuchautor Ahmet Uluçay erzählt in seinem Spielfilmdebüt eine Geschichte von Freundschaft und erster Liebe, die auf seinen eigenen Kindheitserinnerungen basiert.

Brotherhood

Kriegsfilm, Südkorea 2004.

Der südkoreanische Regisseur Je-gyu Kang inszenierte mit diesem Kriegsdrama den teuersten Film, der in seiner Heimat je gedreht wurde. Beim Asia-Pacific Film-Festival erhielt er dafür die Preise für den besten Film und die besten Regie. Jin-Tae (Jang Dong-kun), Schuhputzer, möchte nach dem Tod seines Vaters unbedingt die Kosten für das Studium seines jüngeren Bruders Jin-Seok (Won Bin) aufbringen.

Jin-Tae geht sogar soweit, sich für den Krieg zu melden, um dort an einem besonders gefährlichen Einsatz teilzunehmen. Dafür erhofft er sich eine Tapferkeitsmedaille, die seinem kleinen Bruder den Militärdienst erspart. Doch die Brüder beginnen sich zu entfremden, stellvertretend für die verfeindeten Bruderstaaten Nord- und Südkorea.

Die Chaoscamper

Komödie, Vereinigte Staaten 2006.

Regisseur Barry Sonnenfeld („Addams Family“) inszeniert mit „Die Chaoscamper“ einen Campingkatastrophenurlaub. Familie Munro betritt nur zähneknirschend das panzerähnliche Ungetüm, das Vater Bob (Robin Williams) gemietet hat, um in einem gemeinsamen Urlaub die Familienbande wieder zu stärken. Für seine Ehefrau und die zwei motzigen Gören ist ein Wohnmobil vollkommen indiskutabel, sie bevorzugen Hawaii-Strandurlaub.

Ob beim Ausparken aus der Hofeinfahrt, beim Leeren der Chemietoilette oder beim Überqueren von Steilpässen in Colorado - bei Vater Bob geht immer alles schief. Als sich auch noch der mustergültige Campingclan der Gornickes an die Fersen der Familie hängt, sind die Munros kollektiv nervlich völlig am Ende.

Dabei sein ist alles

Komödie, Vereinigte Staaten 2005.

Steve (Johnny Knocksville, bekannt aus der MTV Stuntsendung „Jackass“) ist im Beruf ein Versager, sitzt auf einem Schuldenberg und weiß, wie er davon runterkommen soll. Um Geld als Sport-As zu verdienen, greift er eine Idee seines Freundes Gary (Brian Cox) auf und tut, als ob er geistig behindert wäre; damit will er sich die Teilnahme an den Special Olympics erschleichen.

Anfangs fällt Steve die Rolle des geistig Unterbelichteten nicht schwer, doch dann hat er Kontakt mit tatsächlich Betroffenen, und von denen bekommt er einige wichtige Lektionen auf den Weg. Regisseur Barry W. Blaustein läßt ihn dann die Liebe in Gestalt von Olympics-Helferin Lynn (Katherine Heigl) begegnen und ihn zum Besseren besinnen.

Hard Candy

Drama, Vereinigte Staaten 2004.

Regisseur David Slade erzählt von der selbstbewußten Hayley (Ellen Page), die 14 Jahre alt ist, jedoch weitaus älter wirkt. Im Internet macht sie die Bekanntschaft des Modefotografen Jeff (Patrick Wilson), der trotz seiner Attraktivität keine feste Freundin hat. Beim ersten Treffen in einem Café setzt Hayley alles daran, gleich mit Jeff in dessen Wohnung zu gehen.

Sie macht ihm sexuelle Avancen, und er erhofft sich eine heiße Nacht. Doch dann wird ihm schwarz vor Augen - die kleine Lolita hat ihm ein Betäubungsmittel in den Drink gemischt. Als Jeff wieder aufwacht, ist er gefesselt. Hayley will keinen Sex mit Jeff, sie will Antworten auf Fragen, in denen es um das Verschwinden ihrer Freundin geht.

Mein verschärftes Wochenende

Komödie, Kanada 2005.

In der Teenie-Komödie von Regisseur Pat Holden geht es um zwei unterschiedliche Brüder. Ed (Brendan Fehr) ist pflichtbewußt, liebenswürdig und gerade vom Pech verfolgt: Seine Verlobte hat ihn betrogen und verlassen, und im Job steht er stark unter Druck.

Eds jüngerer Bruder Cooper (Chris Klein) ist dagegen ein sorglos lebender Playboy, der seinen gebeutelten Bruder zum Trost an den Vergnügungen seines Lebens teilnehmen lassen will.

Brasileirinho

Dokumentarfilm, Finnland / Brasilien / Schweiz 2005.

Ab Sonntag, den 2. Juli ist der Dokumentarfilm des finnischen Regisseurs Mika Kaurismäki zu sehen. In „Brasileirinho“ geht es um den Choro, die erste urbane original brasilianische Musik, die sich im Laufe der vergangenen hundertdreißig Jahre zu einer faszinierenden Form moderner tropischer Klänge entwickelt hat. Im späten neunzehnten Jahrhundert begannen brasilianische Musiker in Rio de Janeiro, europäische Melodien mit afro-brasilianischen Rhythmen und der melancholischen Interpretation der Musik der brasilianischen Indios zu vermischen und schufen so den Choro.

Der Choro spielt eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der kulturellen Identität Brasiliens. Er blieb bis in die zwanziger Jahre ein populärer Musikstil, aus dem sich der Samba und später der Bossa Nova entwickelte. Einige Titel, wie ‘Tico-tico no fubá‘ und ‘Brasileirinho‘, sind weltbekannt. Nach der Entdeckung von Tango, Salsa, Samba und Flamenco ist der Choro die letzte authentische Latino-Musik, die ihrer internationalen Verbreitung noch harrt. Den roten Faden des Films bildet die Combo „Trio Madeira Brasil“, die aus drei herausragenden brasilianischen Choro-Musikern besteht: Marcello Gonçalves, Zé Paulo Becker und Rolando do Bandolim.

Quelle: @aper mit Material aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von AP und der dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr