02.08.2005 · Ob in Küche, Werkstatt oder Klonlabor, ob mit Bai Ling, Lindsay Lohan oder Scarlett Johansson: Das Versprechen der Filmstarts dieser Woche ist die Verjüngung. Außerdem im Kino: Filme von den Straßen Bagdads und Los Angeles'.
Ob in der Küche, der Werkstatt oder dem Klonlabor, ob mit Bai Ling, Lindsay Lohan oder Scarlett Johansson: Das Versprechen der frischen Filme dieser Woche ist die Verjüngung. Außerdem ab Donnerstag im Kino: ein spanisches Ehedrama, ein Film aus den Straßen Bagdads und denen von Los Angeles.
Dumplings - Delikate Versuchung
Drama, Hongkong 2004
Mei (Bai Ling) kocht spezielle Teigwaren, deren Genuß unverhoffte neue Jugendlichkeit verleiht. Qing, eine alternde Schauspielerin, die mit ihrem reichen Mann kinderlos lebt, läßt sich auf diese Kur ein. Erst allmählich wird ihr (und dem Publikum) klar, daß die wichtigste Ingredienz der „Dumplings“ abgetriebene menschliche Föten sind. Vor sieben Jahren hat Fruit Chan mit „The Longest Summer“ den vielleicht besten Film über die Rückgabe Hongkongs an China gemacht. Danach ließ er seine Vorliebe für das Bizarre und Abseitige in „Hollywood Hongkong“ oder „Public Toilet“ immer deutlicher werden. Mit „Dumplings“ erreicht diese Tendenz ihren Höhepunkt. Aber auch diese Geschichte hat eine materielle Basis, die ein Indiz für die gegenwärtigen Verhältnisse in China ist: Mei bezieht ihre „Zutaten“ aus einem Krankenhaus auf der anderen Seite der Grenze zu Hongkong - aus Shenzhen, das bei Fruit Chan zur Perversion einer Sonderwirtschaftszone wird.
Herbie Fully Loaded
Abenteuerkomödie, Vereinigte Staaten 2005
In diesen Krisenzeiten wird sich der Autobauer VW nach den Erfolgen der alten Tage zurücksehnen, und die Filmproduktionsfirma Disney hat das ganz große Erfolgsmodell des Autobauers wiederentdeckt. Und versucht mit „Herbie Fully Loaded“ an einen Erfolg der alten Tage anzuknüpfen.
36 Jahre ist es her, daß der tolle Käfer mit menschlichen Zügen und technischen Tricks zum ersten Mal auf der Leinwand auftauchte, etliche Fortsetzungsabenteuer in den 70er und 80er Jahren folgten. Jetzt rettet Lindsay Lohan das arme Auto vor der Schrottpresse und rüstet es mit Hilfe eines tüchtigen Mechanikerkumpels zum Rennwagen auf. Das Ziel der Tochter eines großen Rennfahrers ist nicht nur der Start, sondern gleich der Sieg beim legendären Nascar-Autorennen. Mit Lindsay Lohan, Michael Keaton, Matt Dillon u.a.
Die Insel
Science-Fiction-Thriller, Vereinigte Staaten 2005
Regisseur Michael Bay war schockiert vom schlechten Amerika-Start seines Zukunftsfilms „Die Insel“, in dem Ewan McGregor und Scarlett Johansson zwei Klone spielen, die im Jahr 2019 aus der künstlichen Welt ausbrechen, in der sie als lebende Ersatzteillager gehalten werden. Dabei gehört ausgerechnet „Die Insel“ - anders etwa als „Pearl Harbor“ - zu den Bay-Filmen, die man ansehen kann, ohne sich nachher maßlos über die Zeitverschwendung zu ärgern.
Zwar muß sich auch in der „Insel“ wieder vieles sinnlos überschlagen und explodieren; bis dahin ist der Film aber eine interessante Mischung aus Huxley, „Matrix“ und dem, was „Gattaca“ geworden wäre, wenn Regisseur Andrew Niccol, Ethan Hawke und Uma Thurman vor acht Jahren keine Zeit gehabt hätten.
Johannes XXIII. - Für eine Welt in Frieden
Drama, Italien/Deutschland 2004
Bob Hoskins hat bereits zahlreiche historische Persönlichkeiten verkörpert, darunter die Diktatoren Mussolini und Stalin sowie FBI- Chef Edgar Hoover. Als Papst Johannes XXIII. (1881-1963) muß Hoskins allerdings keine charakterliche Bandbreite von gut bis böse zeigen - diesmal reicht das Gute. Hoskins spielt einen durch und durch gütigen Mann Gottes, den weder Machtkämpfe in der Kurie noch die politisch-sozialen Umbrüche des 20. Jahrhunderts in seinem Glauben und Optimismus erschüttern können.
Regisseur Ricky Tognazzi, Sohn des Komödienmachers Ugo Tognazzi („Ein Käfig voller Narren“), zeigt heimelige Bilder in Erdfarben, etwa um die bäuerliche Kindheit des späteren Papstes zu schildern. Dazu gibt es pathetische Äußerungen aus Kindermund: „Ich will Priester werden, alles andere ist unwichtig.“ Dazu gibt es religiös-kitschige Filmmusik von Ennio Morricone. „Johannes XXIII. - Für eine Welt des Friedens“ ist ein cineastisches Heiligenbildchen.
L.A. Crash
Drama, Vereinigte Staaten 2004
Los Angeles rühmt sich nach außen hin gern, daß in ihr Angehörige aus 150 Nationen zusammen leben. Seit Watts 1967 und den Unruhen von 1992 gilt sie als eine Gefahrenzone, in der sich Rassenkonflikte besonders gewaltsam entladen können. Ein junger Polizist erschießt einen schwarzen Jugendlichen, nachdem er zuvor zweimal aufbegehrt hat gegen die rassistischen Attitüden seiner Kollegen. Ein persischer Ladenbesitzer hält einen hispanischen Schlosser wegen dessen Haarschnitt, Kleidung und Tätowierungen für ein Gangmitglied, und als dann seine Existenz durch einen Einbruch ruiniert wird, greift er zur Selbstjustiz.
„L.A. Crash“ ist ein Reigen aus lauter solchen Kippfiguren. Der Film beginnt mit einem Auffahrunfall und einem Leichenfund. Er rollt das Schicksal von einem Dutzend Menschen auf, um aus deren verschiedenen Perspektiven am Ende ein komplettes Bild der Anfangssituation zusammenzusetzen.
Regisseur Paul Haggis, dessen Drehbuch zu Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ dieses Jahr für den Oscar nominiert war, hat nicht viel Geld gebraucht, aber selbst die knapp sieben Millionen Dollar für „L.A. Crash“ waren schwer genug aufzutreiben. Normalerweise reicht dieser Betrag nicht einmal, um einen einzigen Star zu gewinnen. Haggis hat gleich eine Handvoll verpflichtet: Sandra Bullock, Don Cheadle, Brendan Fraser, Matt Dillon, Thandie Newton. Sie haben auf ihre übliche Gage verzichtet, und der Film hat in Amerika mehr als fünfzig Millionen Dollar eingespielt, was Haggis selbst kaum fassen konnte und was beweist, daß Schauspieler wie Zuschauer solche Filme wollen.
Öffne meine Augen
Drama, Spanien 2003
Der Film der spanischen Regisseurin Iciar Bollain beginnt dort, wo andere Filme zum Thema Gewalt in der Ehe oft enden: Mit der Flucht. Mitten in der Nacht packt Pilar (Laia Marull) hektisch ihre Sachen und flieht zusammen mit ihrem Sohn Juan (Nicolás Fernández Luna). Sie findet Zuflucht bei ihrer Schwester Ana (Rosa Maria Sadár). Die aber kann Pilar nur helfen, sich äußerlich von Antonio (Luis Toscar) zu lösen. Ihre innere Bindung an den schlagenden Ehemann - eine Beziehung aus Abhängigkeit und Gewalt - kann und will sie nicht verstehen.
In der Welt um sie herum scheint es für Pilar niemanden zu geben, der sie versteht. Da versucht Antonio einen Neuanfang: Er schickt ihr Blumen und beginnt eine Therapie. Heimlich fangen sie an, sich zu treffen. Zum Entsetzen Anas ziehen die beiden schließlich wieder zusammen. Antonio versucht zu lernen, seine Wut in den Griff zu bekommen. Während Pilar sich mit wachsender Begeisterung in die Arbeit stürzt, fühlt sich Antonio aber zunehmend schwach, klein und ausgeliefert. Pilars neue Selbständigkeit verstärkt zudem sein Gefühl der Unzulänglichkeit. Als sie die Chance bekommt, sich mit zwei Kolleginnen als Museums- und Fremdenführerin selbstständig zu machen, spitzt sich die Situation endgültig zu.
Underexposure
Drama, Irak/Deutschland 2005
Hassan ist ein irakischer Filmemacher. Nach dem amerikanischen Angriff auf den Irak beschließt er, das Leben der Menschen, seiner Freunde und seiner Nachbarschaft im zerstörten Bagdad zu dokumentieren. In Oday Rasheeds Film „Underexposure“, einer Mischung aus dokumentarischen und fiktionalen Elementen, führt Hassan den Zuschauer durch Ruinen, Nebenstraßen und Wohnungen in Bagdad, zeigt ihnen die Stadt nach dem Krieg - und das Leben einiger Menschen, die sich alle auf ihre eigene Art und Weise mit der neuen Situation arrangieren.
Unmittelbar nach dem Krieg unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen gedreht, erzählt der Film vom Freiheitswillen eines Volkes und stellt zugleich einen Wendepunkt in der Geschichte des irakischen Kinos dar: Es ist einer der ersten irakischen Spielfilme nach dem Krieg und die erste irakisch-deutsche Koproduktion, die es je gab.
Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien
Drama, Argentinien 2004
Carlos Sorín hatte mit „Historias mínimas“ einen der überraschendsten Erfolge des lateinamerikanischen Films erzielt. Sein neues Werk, so hundeverliebt wie das frühere, kommt an dessen formale Eleganz nicht ganz heran, aber es sorgt für einen angenehmen Windhauch: Der arbeitslose Juan bekommt die reinrassige Dogge Bombón geschenkt. Als er mit seinem neuen Freund bei Hundeschauen Erfolge feiert, bieten sich ihm bisher ungeahnte finanzielle Perspektiven. Hund und Herrchen ziehen gemeinsam durch Patagonien, wo sie allerlei skurrilen, aber sympathischen Gestalten begegnen.