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Kinovorschau Ein Kuß mit verheerenden Folgen

15.08.2006 ·  Lindsay Lohan wird das Glück entführt - andere entführen den Chef der Telekom. Superman kann Krypton nicht mehr finden, und ein Junge aus der oberbayerischen Provinz bemüht sich um Unsterblichkeit. Die Kinostarts.

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Lindsay Lohan wird das Glück entführt - andere entführen den Chef der Telekom. Superman kann Krypton nicht mehr finden und ein Junge aus der oberbayerischen Provinz bemüht sich um Unsterblichkeit. Die Kinostarts.

Superman Returns

Action/Comic-Verfilmung, Vereinigte Staaten 2006

Fünf Jahre ist es her, daß Superman (Brandon Routh) die Erde vor Gangstern und verheerenden Katastrophen schützte. Denn in der Zwischenzeit war der „Mann von morgen“ alias Clark Kent im All unterwegs und fahndete dort nach Spuren seiner Vergangenheit. Aber von seinem Heimatplaneten Krypton fehlt jede Spur. Als er endlich nach Metropolis zurückkehrt, muß er erkennen, daß sich einiges verändert hat: Clarks große Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) hat einen Sohn und ist mit dem Neffen seines cholerischen Chefredakteurs verlobt. Zu allem Überfluß ist auch noch Supermans Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) aus dem Gefängnis entlassen worden und strebt mit Hilfe einer Handvoll außerirdischer Kristalle die Weltherrschaft an. Für den Stählernen der Beginn eines halsbrecherischen Rettungsmarathons.

Der Hals der Giraffe

Drama, Frankreich/Belgien 2003

Die kleine Mathilde (Louisa Pili) lebt mit ihrer Mutter (Sandrine Bonnaire) in Paris. Der Alltag der Alleinerziehenden ist für die Tochter oft unbequem - Mathilde läuft weg. Sie flüchtet ins Altersheim zum Großvater (Claude Rich), der ihr Geschichten von Madeleine (Monique Méliand) erzählt. Madeleine ist Mathildes Großmutter, die vor 30 Jahren von ihrem Mann verjagt wurde, weil sie eine Affäre hatte. Mathilde und ihr Opa beschließen, Madeleine zu suchen, die in Spanien leben soll. An der Grenze werden sie von Mathildes Mutter eingeholt, die sich nun ihrer Vergangenheit stellt und mit ihrer Tochter ein neues Leben in einem kleinen spanischen Dorf beginnen möchte. Und Madeleine wird natürlich auch noch von Mann, Tochter und Enkelin gefunden. Leider fällt die Begegnung aber ganz anders als erwartet aus.

Die Quereinsteigerinnen

Komödie, Deutschland 2005

Der Film spielt irgendwo in Holstein. Die Idee ist der reine Irrsinn. Zwei junge Frauen (Nina Proll und Claudia Basrawi) entführen den Chef der Telekom und verlangen die Wiederaufstellung der gelben Telefonzellen. „Da ist nichts, was auf mich den Eindruck von Professionalität macht“, sagt der Entführte, der schneller vom Stockholm-Syndrom befallen wird, als es das Psychologielehrbuch erlaubt, und wie Regisseur Knepperges ihn spielt, das ist ein besonderer Fall von vorsätzlichem Laienspiel: Er ist sich seiner schauspielerischen Grenzen viel zu bewußt, um unfreiwillig komisch zu wirken.

Das ist überhaupt der besondere Dreh des Films: daß er mit einer enormen Versiertheit die Unprofessionalität feiert, daß er aus seinem Geldmangel ein Alleinstellungsmerkmal macht und daß Schauspielerinnen wie Nina Proll dabei sichtbar Spaß am Amateurstatus haben. Man ertappt sich, wie man immer wieder leise in sich hineinkichert, und begreift, daß es gar nicht so leicht ist, die Balance zwischen unfreiwilliger Komik und den Komödienkonventionen zu halten. Und wo andere Filme sich beflissen um Retro-Chic mühen, da nehmen „Die Quereinsteigerinnen“ einfach ein Ferienhaus und ein paar alte Schallplatten, die Kostümbildnerin besorgt ein paar passende Kleider aus den Siebzigern, und Claudia Basrawi improvisiert einen Monolog über Uruguay, wo man angeblich alte Autos repariert, um sie vierzig Jahre lang fahren zu können, und ansonsten friedlich im Café sitzt. Das ist der Stand der Utopie, und das ist auch die Haltung des Films: Er produziert ein Surrogat, und dieses Surrogat hat Substanz.

Emmas Glück

Drama, Deutschland 2006

Ranschmeißerisch wie ein Hochglanzbewerbungsschreiben, so beginnt dieser Film: Er läßt Emma, die Bäuerin, erst mit einem Schwein schmusen und ihm dann den sanften Tod bereiten, um diese kleine Pastorale parallel zu montieren mit Max, dem Autoverkäufer, bei der Computertomographie; und kurz bevor der Pankreaskrebs diagnostiziert wird, quellen die Gedärme aus dem Schweinebauch. Doch das Imponiergehabe, mit dem man sich für TV-Filme und höhere Fördersummen qualifiziert, zerbröselt unter der Wucht einer traurig-komisch-kratzbürstigen Liebesgeschichte, die den moribunden Max und die sture Emma zusammenbringt - ein wenig märchenhaft wirkt das und doch sehr erdverbunden, ein wenig überkonstruiert und doch berührend, weil die Schauspieler es tragen.

Was das deutsche Kino an Jürgen Vogel hat, ist ja längst bekannt, nicht erst seit „Der freie Wille“, was es an Jördis Triebel hat, die bisher überwiegend am Theater gespielt hat, ist ein Versprechen: Die 28jährige ist nicht konventionell hübsch, sie wirkt mit ihrem etwas rundlichen Gesicht und ihren intensiven graugrünen Augen zugleich sehr resolut und verletzlich, sie kann burschikos sein und hat eine Präsenz, die mühelos mit Vogels Loser-Charme mithält. Sie ist das größte Glück von „Emmas Glück“.

Neil Young: Heart of Gold

Dokumentarfilm, Vereinigte Staaten 2006

Wer schon beim Namen Neil Young und nicht erst bei der Musik zusammenzuckt, für den ist dieser Film eine No-go-Area und der kann gleich zum nächsten Absatz springen. Für alle anderen: Jonathan Demmes „Neil Young: Heart of Gold“ ist ein sehr konventioneller Konzertfilm, weit entfernt von „Stop Making Sense“, und er ist in der Sorgfalt und Zurückhaltung, mit der er Neil Young und befreundete Musiker an zwei Abenden im Ryman Auditorium von Nashville begleitet, eine wunderbare Hommage. Daß „Prairie Wind“ nicht das größte Album von Neil Young ist, daran kann auch der Bewunderer Jonathan Demme natürlich nichts ändern.

Trip - Remix your Experience

Experimentalfilm, Deutschland 2005

Wir leben in einem Zeitalter ständig schrumpfender Aufmerksamkeitsspannen. Wir sprechen in Halbsätzen, senden einander Wortfetzen-SMS, und das Privatfernsehen serviert uns die Nachrichten als rasch vorbeiflitzende Infoclips. Frank Otto, Mitgründer des Musiksenders Viva, in erster Linie aber Musiker und Künstler, bekämpft diese Häppchenfütterung des Hirns nicht. Mit seinem Team bebildert und vertont er sie. „Trip“ zeigt vier parallel laufende, fast wortfreie Filme: zuckende Bilderfluten, Gemälde, Naturaufnahmen, Reise-Impressionen, ein bißchen Sex und Gewalt, reichlich visuelle Spielereien.

Wer früher stirbt, ist länger tot

Komödie, Deutschland 2006

Als der elfjährige Sebastian Schneider (Markus Krojer) , der mit seinem Vater (Fritz Karl) und seinem älteren Bruder (Franz Xaver Brückner) in einem oberbayerischen Dorf aufwächst, eines Tages erfährt, daß seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist, fühlt er sich nicht nur schuldig, sondern entwickelt auch eine tiefe Angst vor dem Tod. Von nun an quälen ihn jede Nacht Albträume, in denen er vor dem Jüngsten Gericht steht und zu endlosen Qualen im Fegefeuer verurteilt wird. Er macht sich an die mühevolle Aufgabe der Wiedergutmachung all seiner Sünden, muß aber feststellen, daß diese sich bei seinen kompromißlosen Bemühungen immer weiter anhäufen. Schließlich sieht er nur noch einen Ausweg: Er muß unsterblich werden! Nachdem sich einige vermeintlich unfehlbare Wege zur Unsterblichkeit als Sackgassen erweisen, erkennt Sebastian, daß er sein verzweifeltes Ziel einzig als Rockstar - im Gitarrenspiel - erreichen kann. Doch sein Vater verbietet ihm die Musik, so daß Sebastian sich zu einem Umweg gezwungen sieht, der gleichzeitig seine schwerste Sünde wiedergutmachen könnte: Er muß eine neue Frau für seinen Vater finden.

Zum Glück geküßt

Komödie, Vereinigte Staaten 2006

Ashley (Lindsay Lohan) ist ein wahres Glückskind: Von einem Glücksfall zum nächsten stolpernd, könnte ihr Leben in New York gar nicht besser aussehen. Doch das ändert sich schlagartig auf einem Maskenball, wo Ashley einen unbekannten Mann küßt. Es ist Jake (Chris Pine), der vom Pech verfolgt wird. Durch den Kuß tauschen die beiden Glück und Pech - und Ashleys Leben nimmt eine katastrophale Wendung. Sie muß unbedingt den unbekannten Mann wiederfinden.

Für immer und dich - Ein Abend zur Erinnerung an Rio Reiser

Dokumentarfilm, Deutschland 2006

Auch zehn Jahre nach dem Tod von Rio Reiser ist die Faszination, die von ihm ausgeht, ungebrochen. Aktuelle Buchveröffentlichungen, Bühnenprogramme, Cover-Versionen und Filme bewahren die Erinnerung an den charismatischen Sänger der „Ton Scheine Scherben“ und wagen einen neuen Blick auf seine Persönlichkeit und sein Werk. Diese filmische Hommage, zusammengestellt vom ehemaligen Manager der Scherben, Elser Maxwell, zeigt unter anderem Ausschnitte aus Lesungen von Hollow Skai (zusammen mit Marius del Mestre) und Kai Sichtermann (die nicht ganz unumstrittene Biographien von Rio und der Band geschrieben haben) und altes Super-8-Filmmaterial von Egon Bunne, das den Alltag der Scherben-Kommune in Fresenhagen zeigt.

The Pianotuner of Earthquakes

Fantasy, Deutschland, Großbritannien/Frankreich 2005

Am Vorabend ihrer Hochzeit wird die Opernsängerin Malvina (Amira Casar) auf mysteriöse Weise von Dr. Emmanuel Droz (Gottfried John), der sie besessen liebt, getötet. Droz ist ein „Gehirndoktor“ und Erfinder, der das Geheimnis der Wiederbelebung entschlüsselt hat. Er entführt den leblosen Körper, noch bevor irgend jemand, etwa ihr Verlobter Adolfo Blin (Cesar Sarachu), reagieren kann. Auf seinem abgeschiedenen Anwesen, der Villa Azucena, erweckt Droz Malvina wieder zum Leben, nur um sie in einem Zustand der entrückten Leblosigkeit zu halten. Nacht für Nacht studiert er mit ihr eine von ihm erfundene Oper ein. Droz hat eine kunstvoll-ausgeklügelte Kulisse entworfen und beabsichtigt auf dem Höhepunkt einer einmaligen Sondervorstellung sein eigenes Leben - als Held - in das ihre einzusetzen. Auf diese Weise wird er, so seine Hypothese, zum einen mit Malvina in einer ewigen Umarmung der Liebenden vereint und kann sich zum anderen an der Welt der Oper, die bisher seine Tonschöpfungen abgelehnt hat, rächen.

Der unbekannte Soldat

Dokumentarfilm, Deutschland 2006

Die zwischen 1999 und 2004 in mehreren Städten Deutschlands gezeigte Wehrmachtsausstellung war ein Tabubruch. Bis dahin hatte die deutsche Öffentlichkeit das Bild der „sauberen Wehrmacht“ gepflegt. Und nun wurde sie plötzlich mit Fotos von Soldaten beim Mord an Zivilisten konfrontiert. Die NPD marschierte vor der Wehrmachtsausstellung auf, und selbst konservative Politiker waren empört. Gehören die „Verbrechen der Wehrmacht“ tatsächlich zum „Familienalbum der Deutschen“? Michael Verhoeven nimmt die Ausstellung über den Vernichtungskrieg im Osten (1941-1944) und vor allem die heftigen Reaktionen darauf als Ausgangspunkt für seinen aufwühlenden Dokumentarfilm. Er verfolgt die Spuren der Wehmacht bis in die Ukraine und nach Weißrußland. Anhand von zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen und Historikern in Deutschland, den Vereinigten Staaten und an den Orten des Geschehens, illustriert Verhoeven den wohl schrecklichsten Teil der Geschichte der deutschen Wehrmacht.

Quelle: @niko mit Material von F.A.Z. und dpa
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