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Kinovorschau Eichhörnchenhirndiskurse und Zuckerwattefrisuren

31.10.2006 ·  Sacha Baron Cohen überschreitet als kasachischer Reporter „Borat“ die Grenzen des guten Geschmacks. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Kirsten Dunst als Marie Antoinette, Sigourney Weaver als Autistin und Alexandra Maria Lara als Dolmetscherin.

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Sacha Baron Cohen überschreitet als kasachischer Reporter „Borat“ die Grenzen des guten Geschmacks. Kirsten Dunst ist als Marie Antoinette zu sehen, Sigourney Weaver als Autistin und Alexandra Maria Lara als Dolmetscherin. Außerdem erreichen die filmischen Vorboten des Weihnachtsfest von Donnerstag an das Kino. Und zahlreiche Dokumentarfilme: Über Fußballfans und Jazzmusiker, Holocaust-Überlebende in polnischen Wäldern, chinesische Arbeiter angesichts der Globalisierung, Türken in Istanbul und der Schweiz, Indios im Kampf gegen übermächtige Stromkonzerne, alte Damen, die dem Lebensherbst Farbe abgewinnen, junge Leute mit ihren alters- und ortsspezifischen Themen im Schwarzwald und in Köln - und Schauspieler, die in Hollywood groß rauskommen wollen.

Borat

Komödie, Vereinigte Staaten 2006.

Borat Sagdiyev (der britische Comedy-Star Sacha Baron Cohen, bekannt aus „Ali G. in da House“) hat Kasachstan und dem Dorf Kuzcek zu nie gekannter Hipness verholfen. „Borat“ ist eine Amerikareise und ein unendliches Hin- und Herhüpfen zwischen Rassen, Klassen und Geschmacksgrenzen. Die Gesprächpartner des enthusiastischen Reporters sind ahnungslos und geplättet von der guten Laune des vermeintlich vom kasachischen Innenministerium entsandten Journalisten, der sich erkundigt, warum Frauen überhaupt studieren dürfen, wo doch ihr Gehirn dem eines Eichhörnchens gleiche. Borat ist die politische Unkorrektheit in Person, er ist rassistisch, antisemitisch, sexistisch, schwulenfeindlich und posaunt die „Traditionen“ seiner Heimat laut hinaus: Korruption, Waffenschieberei und Prostitution. Larry Charles („Masked and Anonymus“) hat Regie geführt, und Pamela Anderson, die Borat zu Heiratszwecken in Malibu aufsucht, spielt sich selbst. (Siehe auch: Premiere des „Borat“-Films: Guten Abend, Herren und Huren.)

Marie Antoinette

Historienfilm, Vereinigte Staaten 2006.

Regisseurin Sophia Coppola („Lost in Translation“), widmete ihren dritten Spielfilm der historischen Figur Marie Antoinette, der jungen Österreicherin, die mit 14 Jahren zur Königin Frankreichs wurde und mit Pomp, Pop und Pastell eine frische Brise durchs späte 18. Jahrhundert wehen läßt. Kirsten Dunst („Spiderman“) spielt Marie Antoinette genußsüchtig und ahnungslos.

Friseure, Juweliere und Schuhmacher marschieren auf. Champagner und rosafarbene Törtchen werden den „24 Hour Party People“gereicht, die unaufhaltsam flirten, spielen und die Nächte durchfeiern. Coppola drehte den Kostümfilm an Originalschauplätzen in Versailles. Asia Argento spielt Madame Dubarry, Judy Davis („Liebe mit Hindernissen“) ist als Komtesse vom Noailles, Sängerin Marianne Faithfull als Maria-Theresia und Jason Schwartzman („Per Anhalter durch die Galaxis“) als König Louis XVI. zu sehen.

Snow Cake

Drama, Großbritannien / Kanada 2005.

Der britische Regisseur Marc Evans („Resurrection Man“) hat mit diesem Film in diesem Jahr die Berlinale eröffnet. Mit hochkarätiger Besetzung inszeniert er die Tragödie, die ihren Titel der metaphernreichen Schneelandschaft verdankt. Alex (Alan Rickman, zuletzt in „Das Parfüm“ zu sehen) nimmt die junge Anhalterin Vivienne (Emily Hampshire) mit.

Bei einem Autounfall kommt Vivienne ums Leben. Alex überbringt die Todesnachricht ihrer Mutter Linda („Alien“-Darstellerin Sigourney Weaver) persönlich und wird mit einer Autistin konfrontiert, die nicht in der Lage ist, ihre Gefühle mitzuteilen. Er entschließt sich, bei Linda zu bleiben, doch verliebt sich in ihre Nachbarin Maggie (Carrie-Ann Moss, bekannt aus „Matrix“).

Offset

Drama, Deutschland 2005.

In der filmischen Parabel „Offset“ von Regisseur Didi Danquart („Viehjud Levy“) spielt Alexandra Maria Lara („Der Untergang“) die rumänische Sekretärin Brindusa. Sie verliebt sich in den deutschen Ingenieur Stephan (Felix Klare), der eine neue Offsetmaschine bei ihrem Chef, dem Drucker Iorga (Razvan Vasilescu) installieren soll.

Brindusa dolmetscht zwischen den beiden Männern. Die Barrieren zwischen Ost und West scheinen schwer überwindbar und die Liebe leicht zerstörbar durch Mißverständnisse, Ängste und den Widerstand von Seiten der Familien.

Das Haus der schlafenden Schönen

Drama, Deutschland 2006.

„Die schlafenden Schönen“, der Roman des japanischen Literaturnobelpreisträgers Kawabata, hat Vadim Glowna fasziniert. Er übernahm nicht nur die Regie, sondern ist auch Produzent, Autor und Hauptdarsteller der Literaturverfilmung.

Egmont (Vadim Glowna) besucht auf Empfehlung eines Freundes (Oscar-Preisträger Maximilian Schell) ein Berliner Etablissement, wo der Gast unter Aufsicht der Chefin (Angela Winkler) die Nacht bei schlafenden jungen Mädchen verbringen kann. Die nackten Schönheiten dürfen von den Herren jedoch nur angesehen werden, jede Berührung ist verboten.

Wicker Man

Horror, Vereinigte Staaten 2006.

Der kalifornische Streifenpolizist Edward (Oscar-Preisträger Nicolas Cage, zuletzt in „World Trade Center“ zu sehen) ist traumatisiert von einem Autounfall, bei dem Mutter und Kind verbrannten. Dadurch ist er arbeitsunfähig und erklärt sich bereit, seiner alten Freundin Willow (Kate Beahan), die auf einer Insel in einer abgeschotteten Glaubensgemeinschaft lebt, auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tocher zu helfen.

Die Suche nach dem Mädchen gestaltet sich schwerer als erwartet, denn die Dorfbewohner unter der Fuchtel von Schwester Summersisle (Ellen Burstyn) hüllen sich in Schweigen. Der Regisseur Neil LaBute („Nurse Betty“) verwebt die Ebenen von Realität, Ängsten und Fantasien zu einem gruseligen Horrorstück.

Santa Clause 3 - Eine frostige Bescherung

Komödie, Vereinigte Staaten 2006.

Kurz vor Weihnachten hat Santa Clause (Tim Allen, der bereits für die vorangegangenen „Santa Clause“-Filme vor der Kamera stand) in seiner Heimat am Nordpol alle Hände voll zu tun. Doch sein Assistent Jack Frost (Martin Short), der eishaarige Mann mit dem kalten Lächeln, hat keine Lust mehr, im Weihnachtsgeschehen die zweite Geige zu spielen.

Regisseur Michael Lembeck, der bereits „Santa Clause 2“ drehte, läßt im dritten Teil Jack Frost mit bösen Zaubertricks und Intrigen an der Vorherrschaft von Santa Clause rütteln.

Morgen, Findus, wird's was geben

Zeichentrick, Schweden / Deutschland / Dänemark 2005.

Kurz vor Weihnachten belauscht Findus ein Gespräch über den Weihnachtsmann. Von diesem geheimnisvollen Wesen hat der neugierige Kater noch nie etwas gehört, und er fragt Pettersson über ihn aus. Der Erfinder Pettersson verspricht leichtsinnig, daß der Weihnachtsmann in diesem Jahr ganz bestimmt zu Findus kommen und Geschenke bringen wird.

Jorgen Lerdam und Anders Sørensen bringen mit „Morgen, Findus, wird's was geben“ den dritten Familienfilm über den sprechenden Kater Findus und sein schrulliges Herrchen Pettersson, die auf den Kinderbüchern von Sven Nordqvist beruhen, in die Kinos.

Behind the Couch - Casting in Hollywood

Dokumentarfilm, Deutschland 2005.

70 Stunden Filmmaterial drehte der deutsche Regisseur Veit Helmer („Tuvalu“), aus denen er dann 70 Minuten zusammenschnitt. Es ist die Geschichte über die wahren Bosse in Hollywood: Casting-Direktoren. Ohne sie hat kein aufstrebendes Talent eine Chance auf Rollen, egal ob in Produktionen großer Studios oder kleiner Firmen.

5.000 Bewerbungen müssen für jede Rolle gesichtet werden, denn unzählige Jungschauspieler klappern die Casting-Agenturen ab und hinterlassen Fotos und Lebensläufe. Helmer dokumentiert den Besetzungsprozeß vom ersten Gespräch mit Regisseur und Produzent über das lange Auswahlverfahren bis hin zur ersten Klappe.

Abschalten! - Apaga y vamonos

Dokumentarfilm, Spanien 2005.

Mit dem Bau des weltweit drittgrößten Staudammprojekts, dem Ralco in Chile, war die indigene Kultur der Mapuche-Pehueche dem Untergang geweiht. Als 1997 der spanische Energiekonzern Endesa den gesamten Strom vom chilenischen Staat erwarb, bootete er durch Intrigen und staatliche Komplizenschaft die einstigen Anwohner aus. Staatspräsident Eduardo Frei war mit einer Firma persönlich an Endesa beteiligt und sorgte für die Kriminalisierung und Inhaftierung von Mapuche-Anführern. Die Regie führte in „Abschalten!“ Manel Mayol.

Gisela

Drama, Deutschland 2005.

Regisseurin Isabelle Stever erzählt in „Gisela“ die Geschichte einer komplizierten Dreiecksbeziehung. Die verheiratete junge Frau Gisela (Anne Weinknecht) lebt im sozialen Wohnungsbau. Um sie buhlen die beiden Herumtreiber Paul (Carlo Ljubek) und Georg (Stefan Rudolf). Als Gisela Paul zu ihrem Liebhaber macht, kommt das destruktive Potential von Georg zum Vorschein. Die Geschichte beruht auf einer Romanvorlage von Anke Stelling und Roby Dannenberg.

China Blue

Dokumentarfilm, Vereinigte Staaten 2005.

Micha X. Peled steht in „China Blue“ für Regie und Kamera. Er dokumentiert, wie die Öffnung des Landes für den Welthandel in China einen neuen Typus von Unternehmern auf den Plan gerufen hat. Die Textilfirma Lifeng des ehemaligen Polizeichefs Mr. Lam stellt Jeans für den westlichen Markt her. Millionen von Chinesen gelangen in wuchernde Phantomstädte wie das in Südchina gelegene Shax, wo sie sich in Firmen wie Lifeng fernab ihrer Familie für einen Hungerlohn verdingen.

Coffee Beans for a Life

Dokumentarfilm, Deutschland 2005.

Regisseurin Helga Hirsch erzählt die Geschichte von Norman Salsitz, der 1920 im südpolnischen Kolbuszowa geboren wurde. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen im Jahr 1939 mußte er wie die meisten Juden ins Ghetto ziehen, wo er bis 1942 lebte. Dann flüchtete er mit 125 anderen in die Wälder, wo sie sommers wie winters von der SS und polnischen Bauern aus der Umgebung gejagt wurden. Sein Überleben verdankt er ein paar Kaffeebohnen, mit denen er sich freikaufen konnte.

Cân-bâz

Dokumentarfilm, Deutschland / Türkei 2005.

Die junge türkische Regisseurin Özay Sahin hat die Musikgruppe Siya Siyabend im Istanbuler Stadtteil Beyoglu begleitet. Im Mittelpunkt steht der 16jährige Straßenjunge Hasan mit seiner Suche nach Freiheit und dem starken Gefühl von Nicht-Identität und Nicht-Zugehörigkeit.

Herb, mein Herbst

Dokumentarfilm, Schweiz 2004.

Die Regisseurin Marie Jeanne Urecht zeigt drei Damen, die zusammen 240 Jahre alt sind. Rose, 81, sorgfältig geschminkt und gewagt gekleidet, besorgt die Maniküre ihrer Kundinnen und Freundinnen. Nadine, 82, eine energische Dame russischer Herkunft, organisiert private Konzerte. Jüngste im Bunde ist Jacqueline, die 77 Jahre alte Schriftstellerin und Poetin. Alle drei sind von überbordender Energie und besitzen eine unglaubliche Freiheit. Trotz Wehwehs, schwarzen Gedanken und Alltagsproblemen haben sie beschlossen, ihren Lebensherbst zum Frühling zu machen.

Irgendwo dazwischen

Dokumentarfilm, Deutschland 2005.

„Irgendwo dazwischen“ ist das Regiedebüt von Silva von Gerlach. Es dokumentiert den schwierigen Lebensabschnitt der drei 17jährigen Freunde Maxi, Dule und Heiko, die fernab der Großstadt im Schwarzwald aufwachsen. Zwischen Jugendlichsein und Erwachsenwerden haben alle drei verschiedene Wege, zu sich selbst zu finden.

Zwischen den Welten

Dokumentarfilm, Schweiz 2006.

Yusuf Yeşilöz ist der Regisseur von „Zwischen den Welten“. Er erzählt die Lebensgeschichte von Güli Dogan, die mit neun Jahren aus einem kurdischen Dorf in der Türkei in die Schweiz immigrierte, und zeigt die heute 35jährige Frau an ihrem Arbeitsplatz im Winterthurer Einwohnermeldeamt, im Alltag mit ihrer Familie, ihren Schweizer Freunden und zu Besuchen bei älteren, stark in der Tradition ihrer Heimat verhafteten Landsleuten.

Play Your Own Thing - Eine Geschichte des europäischen Jazz

Dokumentation, Deutschland 2006.

Nach „Blue Note“und „Jazz Seen“ hat der Autor, Produzent und Regisseur Julian Benedikt mit „Play Your Own Thing - Eine Geschichte des Jazz in Europa“ eine weitere Filmdokumentation über Jazz veröffentlicht. Das Werk ist eine umfassende Zusammenstellung von eindrucksvollen Live-Jazz-Originalaufnahmen aus mehr als 50 Jahren und aktuellen Interviews mit vielen großen europäischen Jazzmusikern.

Warum halb vier?

Dokumentarfilm, Deutschland 2006.

Die Dokumentation „Warum halb vier?“ ist Lars Papes Regiedebüt. Sie geht der Frage nach, warum der Fußball jeden Samstag Zigtausende in die Stadien und Millionen vor den Fernseher lockt. Fans und „Experten“ aus vielen Bereichen werden befragt: Aktive und passive Profis, Funktionäre oder Manager, aber auch Zuschauer erzählen ihre ganz persönliche Fußball-Geschichte. Zu ihnen zählen Prominente, etwa der Schauspieler Joachim Kròl, ebenso wie der durchschnittliche Schlachtenbummler Manni.

Wir leben im 21. Jahrhundert

Dokumentarfilm, Deutschland 2004.

Regisseurin Claudia Indenhock zeigt den schwierigen Alltag dreier Jugendlicher. Pascal, Jasmin und Patrick leben in Köln, sind noch keine 20 und holen den Hauptschulabschluß nach. Gleichzeitig versuchen sie über ein Praktikum einen Einstieg in eine Niedriglohnstelle zu schaffen, was sich als nicht allzu einfach erweist.

Quelle: @aper mit Material aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von AP und der dpa
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