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Kinovorschau Der berühmte Riesengorilla ist zurück

13.12.2005 ·  King Kong erstürmt abermals New York, Sarah Jessica Parker blitzt als Schwiegertochter in spe ab. Außerdem von Donnerstag an im Kino: die schöne Scarlett Johansson und Elijah Wood mit „Frodo“-Blick.

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King Kong erklimmt abermals das Empire State Building, Sarah Jessica Parker blitzt als Schwiegertochter in spe ab. Außerdem von Donnerstag an im Kino: die schöne Scarlett Johansson und Elijah Wood mit „Frodo“-Blick.

King Kong

Abenteuer, Neuseeland / Vereinigte Staaten 2005.

Es fängt ganz klein an in Peter Jacksons „King Kong“. Niedliche weiße Affen hüpfen durchs Bild, als wäre es ein Tierfilm fürs Schulfernsehen, dann steht da ein Nashorn verloren in der Gegend herum, und man fragt sich, wo zur Hölle die Farbe geblieben ist. Ein fahles Licht liegt über New York, dessen Skyline am Horizont erscheint, es sind die Jahre der Depression, und auch die Zootiere im Central Park sehen sehr verhungert aus. Erfolgsregisseur Jackson, der mit Filmen wie dem „Herrn der Ringe“ regelmäßig für Besucherrekorde in den Kinos sorgt, hat seinen „King Kong“ im Jahr 1933, dem Premierenjahr des Ur-Kongs angesiedelt. Somit ist sein Kong mehr digitale Wiedererweckung statt Modernisierung.

Kong wird die weiße Frau (Naomi Watts) geopfert, statt eines T-Rex bekommt es Kong mit dreien zu tun, eine ganze Brontosaurierherde donnert durchs Bild, und statt eines einsamen Urvogels stürzt ein Geschwader riesiger Fledermäuse auf Kong herab. Jenseits der physischen Bedrohlichkeit lauert nichts Dunkles oder Unaussprechliches mehr, da ist kein Sog, der übers Sentimentale hinausgeht. Die weiße Frau führt dem Affen einfach ihre Vaudeville-Nummern vor, und er grunzt mäßig amüsiert.

Leider hat Jackson außer seinem grundsympathischen Motiv und den im Vergleich zu 1933 fabelhaften technischen Mitteln auch nach 187 Minuten keinen weiteren Grund geliefert, warum diese Geschichte noch mal erzählt werden muß. Der Film handelt von nichts als sich selbst. Er erzählt nicht einfach nur die Geschichte vom Filmemacher (Jack Black), der aufbricht, getrieben von der Sucht nach dem ungesehenen Bild, der monströsen Sensation. Er hat dieser Geschichte, die ja bis auf kleine Abweichungen die alte ist, nichts hinzugefügt - und ihr genau dadurch etwas genommen. Sie hat keinen Subtext mehr. Die bloße Textur und die Technologie sind an seine Stelle getreten.

Alles ist erleuchtet

Drama, Vereinigte Staaten 2005.

Der exzentrische amerikanische Hobby-Archäologe Jonathan (Elijah Wood), der manisch familiären Abfall, angefangen von Fotos bis hin zu falschen Zähnen sammelt und penibel in Plastiktütchen hortet, reist kurzentschlossen in die Ukraine, Heimat seiner Ahnen, um das Rätsel seiner Familie zu lösen. Zwei skurrile Reiseführer, die sich auf die Nachforschungen amerikanischer Juden spezialisiert haben, nehmen ihn in Empfang. Als Chauffeur fungiert ein übel gelaunter Großvater und offensichtlich in der Wolle gefärbter Antisemit, als Übersetzer sein Enkel Alex, der sein Englisch am MTV-Slang geschult hat und amerikanische Rapper nachäfft.

Regisseur Liev Schreiber, liefert mit der Verfilmung des verzweigten, als literarische Sensation gerühmten gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer sein Debüt ab. Selten ist die Durchdringung der familiären Psyche, ja ganzer Kulturen, durch die Schrecken der Vergangenheit so humorvoll und zugleich packend dargelegt worden. Und wenn die drei sich an die unaussprechlichen Greuel des Holocaust herantasten, beweist Schreiber neben einem Gespür für absurden Humor eine in Hollywood-Dramen außergewöhnliche Feinfühligkeit, die manche Längen wettmacht.

Die Familie Stone - Verloben verboten!

Komödie, Vereinigte Staaten 2005.

Regisseur und Drehbuchautor Thomas Bezucha bringt pünktlich zu Weihnachten die Geschichte von Everett, der seinen Eltern - die strenge Mutter Sybil (Diane Keaton), unheilbar von Krebs befallen, und Vater Kelly ein sympathischer College-Professor in den Sechzigern - seine verrückte Freundin Meredith vorstellen möchte. Meredith wird von „Sex in the City“-Serienstar Sarah Jessica Parker dargestellt und will so gar nicht in die amerikanische Musterfamilie hineinpassen.

Everetts vier Geschwister samt Familien treffen zur Weihnachtsfeier bei den Eltern ein. Auch der jüngste Sohn, der schwul und gehörlos ist und einen schwarzen Freund mitgebracht hat, sorgt für Konflikte im Hause Stone. Als Meredith, die mit ihrem affektierten Manhattan-Getue der erzliberalen Familie auf die Nerven geht auch noch einen Krach mit ihrem Freund anzettelt, rückt jegliche weihnachtliche Harmonie in die Ferne. Doch mit Überraschungsgast Julie (Claire Danes), der ebenso attraktiven wie patenten Schwester von Meredith, naht Rettung.

Good Woman - Ein Sommer in Amalfi

Drama, Vereinigte Staaten / Italien / Spanien 2004.

Meg (Scarlett Johansson) und Robert Windermere (Mark Umbers) feiern ihr junges Eheglück inmitten der High Society an der italienischen Amalfiküste im Jahr 1930. Auch die verrufene Amerikanerin Mrs. Erlynne (Helen Hunt) ist vor Ort und will sich mit allen Mitteln in die feine Gesellschaft drängen. Dabei stiftet sie überall Unruhe. So läßt ein geheimes Treffen mit Robert wilde Gerüchte über ein außereheliches Abenteuer aufblühen. Die Beziehung der Windermeres wird auf eine ernsthafte Probe gestellt.

Das romantische Liebesdrama „Good Woman“ basiert auf Oscar Wildes Klassiker „Lady Windermeres Fächer“ von 1892. Regisseur Mike Barker orientierte sich allerdings nur lose an der literarischen Vorlage. Zeit und Ort wurden in seiner Geschichte kurzerhand verlegt. Daß die Handlung dieser zeitlosen Geschichte über die Liebe jetzt nicht mehr im ausgehenden 19. Jahrhundert, sondern in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts spielt, ist dabei nicht immer ganz schlüssig.

Mongolian Ping Pong

Drama, China 2005.

In der Steppe der Mongolei findet der zehnjährige Bilike (Hurzbileg) eines Tages einen Tischtennisball. Er hält ihn für eine mystische Perle und spinnt allerlei kleine Geschichten um sein geheimnisvolles Fundobjekt. Erst langsam kommt Bilike dem Rätsel um die kleine weiße Kugel auf die Spur. Er macht sich mit seinen beiden
Freunden auf den Weg bis nach Peking, um den Nationalball Chinas an seinen Bestimmungsort zurückzubringen.

Regisseur Ning Hao zeigt faszinierende Aufnahmen der weiten Landschaft der mongolischen Steppe und beleuchtet mit erzählerischer Intensität das Verhältnis zwischen Tradition und Moderne. Bereits auf der Berlinale sorgte die ungewöhnliche Geschichte von Bilike für Begeisterung.

Erik(a)

Dokumentarfilm, Österreich 2005.

Geboren mit undeutlich ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen, die Hoden waren nach innen gewachsen, wird sie von der Hebamme als Mädchen bestimmt. Auch als sie älter wird bekommt Erika Schinegger keine Menstruation, keine weiblichen Brüste und entwickelt kein Interesse an Jungs, im Gegensatz zu ihren Freundinnen. Sie konzentriert sich ganz auf den Sport. Mit 18 Jahren wird die Kärntnerin in Chile Weltmeisterin im Abfahrtslauf - zwei Jahre später bringt ein medizinischer Test zu Tage, daß sie eigentlich ein Mann ist. Erika entscheidet sich für einen Eingriff und beginnt mit zwanzig Jahren ein neues Leben als Erik.

Produzent und Regisseur Kurt Mayer rollt in seinem Film ein faszinierendes Kapitel österreichischer Sportgeschichte auf, denn nach der Operation fährt Erik wieder Skirennen. Weniger souverän als er selbst reagiert der Österreichische Skiverband, der ihn bald darauf aus dem Team ausschließt. Heute führt Erik Schinegger eine Skischule und spricht offen über sein Schicksal. Für den inzwischen verheirateten Familienvater war der Film eine Möglichkeit, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Auch mit seiner Mutter habe er nie zuvor so intim über seine Geschichte gesprochen wie bei den Dreharbeiten, sagt er - in 35 Jahren nicht.

Quelle: @aper mit Material aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von AP und der dpa
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