03.10.2006 · Keanu Reeves verarztet in „Thumbsucker“ einen daumenlutschenden Teenager. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Die ganze Nostalgie des Fußball-WM-Sommers 2006, Scarlett Johanssons Eifersucht und Katja Riemanns Persönlichkeitsspaltung.
Keanu Reeves verarztet in „Thumbsucker“ einen daumenlutschenden Teenager. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Die ganze Nostalgie des Fußball-WM-Sommers 2006, Scarlett Johanssons Eifersucht und Katja Riemanns Persönlichkeitsspaltung.
Thumbsucker
Komödie, Vereinigte Staaten 2004.
Bisher widmete sich Mike Mills Werbefilmen und Musikvideos. In seinem Regiedebüt erzählt er die Geschichte des 17 Jahre alten Justin Cobb (für diese Rolle mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet: Lou Taylor Pucci). Justin hat nette Eltern und einen jüngeren Bruder, ist unauffällig in der Schule, und daß er noch nie ein Mädchen geküßt hat, scheint beinahe sein größtes Problem. Doch wenn immer er sich unsicher fühlt, zieht er sich in sein Zimmer oder auf Schultoilette zurück und steckt den Daumen in den Mund. Weil diese Angewohnheit zu Überbiß führt, ist Justin öfter bei seinem esoterisch angehauchten Zahnarzt („Matrix“-Protagonist Keanu Reeves). Als ein anderer Arzt bei Justin ein Aufmerksamkeitsdefizit diagnostiziert und ihm das kokainähnliche Medikament Ritalin verschreibt, verursacht das eine extreme Persönlichkeitsveränderung. Als seine Mutter ist Tilda Swinton („Broken Flowers“), sein Vater Vincent D'Onofrio („Full Metal Jacket“) und als sein Lehrer Vince Vaughn („Trennung mit Hindernissen“) zu sehen.
Deutschland. Ein Sommermärchen
Dokumentarfilm, Deutschland 2006.
Lahm hockt reglos auf der Massageliege, Ballack versteckt sein Gesicht hinter einem Handtuch, Lehmann starrt bleich ins Nichts, Bierhoff, der neben ihm sitzt und dessen Lippen schon zucken, wagt nicht, ihn anzusprechen. Das war der 4. Juli, kurz vor Mitternacht, und es ist der Auftakt von „Deutschland. Ein Sommermärchen“, ein Film der die vier WM-Wochen wieder ins Gedächtnis ruft und das Fanmeilengefühl noch einmal aufleben läßt.
Regisseur Sönke Wortmann Wortmann („Das Wunder von Bern“) hatte uneingeschränkten Zugang zur deutschen Nationalmannschaft, er durfte drehen, wo den Fernsehkameras die Türen vor der Nase zugeschlagen werden; er durfte erforschen, was das Geheimnis von Jürgen Klinsmann war, mit dem er jenseits des Managerfortbildungsvokabulars ein Team formte, und er zeigt, daß dieses Geheimnis ein Geheimnis bleibt.
The Black Dahlia
Thriller, Vereinigte Staaten 2006.
Der bestialische, bis heute unaufgeklärte Mord aus dem Jahr 1947 an der Schauspielerin Betty Ann Short (Mia Kirshner) mit dem Spitznamen „schwarze Dahlie“ beschäftigt die Polizisten und Ex-Boxer Bucky (Josh Hartnett) und Lee (Aaron Eckhart).
Lee stürzt sich so vehement in die Ermittlungen, daß seine Beziehung zu Kay (Scarlett Johansson) darunter leidet. Bucky dagegen verliebt sich ausgerechnet in die mysteriöse Madeleine (Oscar-Preisträgerin Hilary Swank), die eine Freundin der Ermordeten ist. Regisseur Brian De Palma verfilmte den Roman von James Ellroy, der auf wahren Tatsachen beruht.
Ich bin die Andere
Drama, Deutschland 2006.
Geprägt vom schlechten Verhältnis zu ihrem Vater (Thomas Mann-Darsteller Armin Müller-Stahl), einem tyrannischen Winzer, bewegt sich die Protagonistin (gespielt von Katja Riemann) wahlweise als seriöse Anwältin Carolin oder als sexhungrige Draufgängerin Carlotta durchs Leben. Anstatt zu einem Therapeuten zu gehen, zieht sie sich mit dem Charme eines schlecht verkleideten Transvestiten eine Perücke über und frönt ihrem Doppelleben.
Der gutaussehende junge Ingenieur Robert (August Diehl) ist fasziniert von ihren kontrastierenden Persönlichkeiten und lernt die Hintergründe von Carolins dunklen Geheimnissen kennen, die bis nach Marokko führen. Regisseurin Margarethe von Trotta („Rosenstraße“) verfilmte die Romanvorlage des vor zwei Jahren verstorbenen Peter Märthesheimer, einem langjährigen Mitarbeiter Rainer Werner Fassbinders.
Glück in kleinen Dosen
Drama, Vereinigte Staaten 2005.
Die kalifornische Bilderbuchvorstadt Hillside funktioniert nur, solange genügend Psychopharmaka in Umlauf sind. Als sich sein bester Freund Troy, der die Kleinstadt mit Drogen versorgt hat, umbringt, erwacht Dean („Billy Elliot“-Darsteller Jamie Bell) aus seinem Dämmerzustand. Er wird von einer Bande erpreßt, Drogen zu beschaffen - sonst wollen sie seinen kleinen Bruder entführen.
Die Bande entführt schließlich den falschen Jungen, doch die Mutter merkt nichts davon, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Arie Posin nimmt in seinem Regiedebüt die dauerlächelnde Scheinwelt unter die Lupe und läßt Ralph Fiennes als halluzinierendem Bürgermeister und Glenn Close als Mutter des Selbstmörders, die auf der Trauerfeier ein Gericht mit Drogen versetzt, übereinander herfallen.
Wholetrain
Drama, Deutschland / Polen 2006.
Die Farbe aus der Sprühdose bestimmt das Leben von David (Mike Adler) und seinen drei Freunden. Mit Herzblut zeichnen und feilen sie tagelang an ihren Skizzen, bevor sie bei Dunkelheit die streng bewachten Züge mit ihren schrill-bunten Motiven markieren. Für die visuelle Vorherrschaft ihrer „Keep Steel Burning“-Crew auf den Zügen der Stadt vernachlässigen die Protagonisten Familie, Schule und Arbeit und müssen es immer wieder mit den Sonderfahndern der Polizei aufnehmen.
Florian Gaags preisgekröntes Spielfilmdebüt, mit weitgehend jungen Debütanten besetzt, fängt den rauhen Alltag einer Graffiti-Crew zwischen Straßenunterführungen und S-Bahn Gleisen ein. Bekannte internationale Sprayer wie Won oder Neon gestalteten für die Dreharbeiten die Züge in und um Warschau, nachdem jahrelange Verhandlungen in Deutschland und anderen europäischen Städten scheiterten.
Step Up
Drama, Vereinigte Staaten 2006.
Tyler Gage (Channing Tatum, „She's the Man“) kommt mit dem Gesetz in Konflikt und muß 200 Stunden Sozialarbeit ableisten. Ausgerechnet an der renommierten Ballett-Schule zwischen Studenten soll er seine Pflichten abarbeiten. Dabei lernt Tyler den Star der Schule, Nora (Jenna Dewan), kennen.
Nora sucht gerade verzweifelt nach einem neuen Tanzpartner und findet ausgerechnet im Breakdancer Tyler einen adäquaten Ersatz. Mit jedem Tanzschritt verlieben sich die beiden noch mehr ineinander. Star-Choreografin Anne Flechter („Die Eisprinzessin“) gibt mit „Step up“ ihr Regiedebüt.
Kiriku und die wilden Tiere
Zeichentrick, Frankreich 2005.
Der kleine Kiriku und seine Abenteuer stehen im Mittelpunkt der Erzählungen eines alten Mannes, der in einer Höhle in Afrika sitzt. Einmal muß Kiriku gegen ein Ungeheuer kämpfen, das die Menschen in seinem Dorf bedroht. Ein anderes Mal zerbricht sich der Junge den Kopf darüber, wie man die Landwirtschaft mit Wasser versorgen kann, und bereist Dschungel und Wüste.
Die größte Herausforderung kommt auf ihn zu, als er ein Gegenmittel finden muß, weil alle Frauen in seinem Dorf etwas Giftiges getrunken haben. Regisseur und Drehbuchautor Michel Ocelot erzählt Geschichten über das Leben in Afrika.
Lapislazuli - Im Auge des Bären
Kinderfilm, Österreich / Deutschland / Luxemburg 2006.
Mitten in der Bergwildnis der Alpen schlägt ein glühender Meteorit in einen Gletscher ein und erweckt einen im Eis eingefrorenen Neandertalerjungen zu neuem Leben. Bataa (Clarence John Ryan) begegnet Sophie (Julia Krombach), die von einer Ferienhütte in den Bergen ausgerissen ist.
Anfangs durch Sprache und Zeit getrennt, entdecken die beiden Kinder schnell Gemeinsamkeiten und fliehen vor den Wissenschaftlern, die Bataa einfangen wollen. In ihrem Versteck färbt sich Bataa nach einem geheimnisvollen Ritus die Haare mit Lapislazuli blau. Es geht gut, bis Bataa krank wird und nicht nur Sophie ratlos ist.
Der tierisch verrückte Bauernhof
Zeichentrick, Vereinigte Staaten 2006.
Auf dem verrückten Bauernhof treibt Jungbulle Otis hinter den Rücken der Menschen manch waghalsigen Scherz. Sein Vater Ben, Oberhaupt der Kuhherde, sieht das Treiben seines Nachkömmlings nicht gern. Otis will nicht hören, daß das Leben nicht nur aus Vergnügen besteht, und alle Ermahnungen stoßen auf taube Ohren.
Erst nachdem der Hühnerstall von Kojoten überfallen wurde und Papa Ben gestorben ist, kommt Otis zur Überlegung, ob er so weitermachen will oder bereit ist, auch einmal für sich und die anderen Verantwortung zu übernehmen.