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Kinostart: „The Last Stand“ Für Recht und Gebrechlichkeit

Abendprügel: Arnold Schwarzenegger haut in „The Last Stand“ dem modernen Kino seine Rente um die Ohren.

© dapd Vergrößern Was soll das heißen, mein Idol Eastwood redet mit leeren Stühlen? Wieso haut er sie nicht kaputt? Arnold Schwarzenegger in „The Last Stand“

Widerstand gegen verkehrs- und waffentechnisch zu jeder Untat gerüstete Asoziale ist Gemeinschaftsarbeit. Man braucht ein Team. Arnold Schwarzenegger - Sheriff Ray Owens - hat ein besonders trauriges am Bein: Einer ist zu dumm zum Schießen, ein anderer zu feig zum Kämpfen, der Nächste zu undiszipliniert zum Gehorchen und ein weiterer zu bekloppt zum Planen. Der einzige leidlich zuverlässige Mann in der Truppe ist eine Frau.

Dietmar Dath Folgen:  

Der Sheriff selbst sitzt nur deshalb als Friedenswahrer in Sommerton, einer von viereinhalb unglaubwürdigen Häusern inklusive Seniorenkneipe umstellten Kreuzung in der Wüste nahe der mexikanischen Grenze, weil ihm das Geballer in Los Angeles irgendwann zu laut wurde. Das Rückgrat sinkt, Wirbel für Wirbel, in sich zusammen, die Muskeln hat das Leben weichgekocht, das Herz schwitzt Essig, vom Leib umzingelt, und wenn er ein Mordopfer nach Spuren absucht, braucht er dafür neuerdings eine Lesebrille.

Dem Irrsinn Einhalt gebieten

Wie ein Pfadfinder, der einem Greis über die Straße hilft, ob der will oder nicht, führt der südkoreanische Regisseur Jee-woon Kim seinen von abgeschabten Ecken und Gelenk-Rost eher geschmückten als befleckten Star durch einen kompetent rhythmisierten, geschmeidig bewegten Beleg für die inzwischen nicht mehr neue Vermutung, dass das Erzamerikanische sich von Fremden und Zugereisten derzeit allerorten mit Leichtigkeit in postindustrielle Weltfolklore konvertieren lässt. Melancholische Türken machen längst bessere Western als die Coen-Brüder (Nuri Bilge Ceylan), monomanische Dänen bessere Weltuntergangspsychodramen als Abel Ferrara (Lars von Trier), und wenn ein Regisseur aus Südkorea den aufgepumpten Alten aus Österreich zum überhitzten jungen Kartellboss aus Mittelamerika sagen lässt: „You make us immigrants look bad!“, ist damit ein Verteilungskampf auf den Punkt gebracht, vor dem sich die letzten Kulturprotektionisten auf dem dezentrierten EntertainmentWeltmarkt gern gruseln.

Anders als Schwarzeneggers ewiger Widerpart Sylvester Stallone, der sich schon 1997 von James Mangold in „Copland“ in die Ohnmacht des physisch nicht Konkurrenzfähigen stoßen ließ, um sich mit einer der besten schauspielerischen Leistungen seiner Karriere wieder herauszuarbeiten, will Schwarzenegger in „The Last Stand“ nicht beweisen, dass er noch mithalten kann. Im Gegenteil geht es hier darum, dass bestimmte Spielarten der Konkurrenz, der wechselseitigen Überbietung, des maskulinen Weitpinkelns nicht nur „a young man’s game“, sondern moralisch von Übel sind. Die Welt braucht einen Bremser, jemanden, der „Stop“ sagt und dem entfesselten - die republikanischen Parteifreunde des ehemaligen Gouverneurs von Kalifornien würden, immer noch mit feuchten Augen, sagen: deregulierten - Irrsinn Einhalt gebietet.

Superhelden-Kino als Bedrohung

Jee-woon Kim erzählt eine Metastory, in der nicht nur zwei Männer, sondern auch zwei Sorten Kino miteinander ringen. Das kann dieser Filmemacher, weil sein Inszenierungsstil, wie er mit beeindruckenden Handübungen in den Sparten Horror (“A Tale of Two Sisters“, 2009) und Science-Fiction (“Doomsday Book“, 2012) bewiesen hat, die Formen diverser Genres jederzeit selbst als inhaltliche Elemente von Erzählstrukturen deuten kann, ohne je in zitatplappernde Schlaumeierei abzugleiten. So steht Schwarzenegger in „The Last Stand“ immer auch für die Sorte Film, die ihn berühmt gemacht hat, sein Feind aber, der Drogendealer, der einem von Forest Whitaker gespielten FBI-Obama mit etwas davonrast, das Auto heißt, aber schneller ist als jeder Hubschrauber, steht für eine andere, neue Art Film - nämlich für all das, wovon Schwarzenegger, Stallone, Bruce Willis sich bis vor kurzem abgehängt glauben mussten: für Superhelden (der Killerwagen wird als „Batmobile“ apostrophiert), Fantasy-Feuerwerke, Morphing-Orgien.

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Veröffentlicht: 30.01.2013, 16:50 Uhr

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