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Kino : Wenders Gets the Blues: „The Soul of a Man“

  • Aktualisiert am

Chris Thomas King in „The Soul of a Man” Bild: dpa

Wim Wenders mußte nicht lange überredet werden, bei Martin Scorseses siebenteiliger Blues-Dokumentation mitzumachen. Wenders' Film „The Soul of a Man“ ist eine Hommage an drei legendäre Musiker.

          Aller guten Dinge sind drei - und alle beginnen mit B: erst "Buena Vista Social Club", dann "BAP" und nun der Blues. Es war schon zu hören, Wim Wenders versuche krampfhaft, das Erfolgsrezept des "Buena Vista Social Club" zu wiederholen, der ihm beinahe einen Oscar eingebracht hätte. Wer aber Wenders' Filme kennt, weiß, daß Musik von jeher ihr Treibstoff war - und daß seine Leidenschaft schon deshalb echt ist, weil seine ersten Kurzfilme bereits von der Verschränkung von Kino und Musik handelten. Einer hieß "3 amerikanische LPs"; "Alabama: 2000 Light Years" war eine Verbeugung vor den Stones, John Coltrane und Jimi Hendrix; und schon der Titel einer seiner bemerkenswerten Filmkritiken zeigt, wie Wenders' Sympathien verteilt waren: "Die 10. LP von den Kinks - der 51. Film von Hitchcock - die 4. LP von den Creedence Clearwater Revival ..."

          So mußte Wenders nicht lange überredet werden, als Martin Scorsese ihn fragte, ob er an seiner siebenteiligen Blues-Dokumentation mitmachen mochte, bei der Regisseure wie Clint Eastwood, Mike Figgis oder Richard Pearce ebenfalls ihren persönlichen Blick auf den Blues dokumentieren. Mittlerweile ist das Projekt fertiggestellt, und Wenders' Beitrag "The Soul of a Man" ist schon deshalb der stilistisch eigenwilligste, weil er nachinszenieren mußte, wovon es kein historisches Material gibt. Wenn also Blind Willie Johnson und Skip James im Depressions-Süden ihre legendären Aufnahmen einspielen, dann stellt Wenders diese Momente im Stil der Zeit nach, indem er einerseits mit Handkurbelkamera, Lochblenden und Zwischentiteln arbeitet und sie andererseits mit Digitaltechnik synchronisiert.

          Für J. B. Lenoir, den Dritten im Bunde der Blues-Größen, konnte er auf ein schwedisches Ehepaar zurückgreifen, das in den Sechzigern Aufnahmen mit dem Mann gemacht hatte, die durch ihren aufrichtigen Enthusiasmus bewegen. Der Musiker und seine beiden Fans, das ist einer jener dokumentarischen Glücksfälle, welche die Magie des Kameraauges fast noch mehr beschwören als die liebevollen Rekonstruktionen von Wenders selbst. Fließende Übergänge zwischen den Zeiten schafft er, indem er die Originale dann von Leuten wie Lucinda Williams, Cassandra Wilson, Lou Reed, Nick Cave, Bonnie Raitt, T-Bone Burnett oder Los Lobos interpretieren läßt. So kann man sagen: Nicht nur Schultze Gets the Blues.

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