09.01.2004 · Die Schutzheiligen des Kinos sind die Trickbetrüger, wie Robert Mitchums bevorzugte Anekdote festgehalten hat. Das Kino sei nämlich auf dem Jahrmarkt geboren worden, um die Aufmerksamkeit der Leute zu fesseln, hinter deren Rücken die Taschendiebe leichtes Spiel haben sollten.
Von Michael AlthenWer Robert Mitchum mit allzu hochtrabenden Interpretationen seiner Arbeit auf die Nerven ging, wurde stets mit der gleichen Anekdote abgefertigt: Das Kino sei auf dem Jahrmarkt geboren worden, wo es wie alle Attraktionen vor allem dazu gedient habe, die Aufmerksamkeit der Leute zu fesseln, damit hinter ihrem Rücken die Taschendiebe leichteres Spiel hätten. So gesehen, sind die Trickbetrüger die Schutzheiligen des Kinos - schon weil sich die Regisseure ihnen in ihrem Geschick verwandt fühlen.
Nichts ist, was es scheint, in dieser Welt. Der Tod birgt nur selten einen Stachel, dafür sind die Frauen um so tödlicher, denn ihre Liebe ist immer eine Lüge. Weil aber die Trickbetrüger, deren Treiben im englischen Ausdruck con artist in den Rang einer Kunst erhoben wird, emotional auf Pump leben, kommt irgendwann der Moment, wo sie zur Kasse gebeten werden. So fängt auch James Foleys Film "Confidence" mit dem Satz "Ich bin also tot" an, woraufhin man den Helden in seinem Blut liegen sieht. Daß nur die Toten ihre Geschichte erzählen können, ist ein Motiv aus dem Film noir, dem Foley einst schon in "After Dark, My Sweet" seine Reverenz erwiesen hat. Auch hier gibt er sich so noir, wie es das Material zuläßt, und das wirkt auch eine Zeitlang ganz schick, bis sich herausstellt, daß sein Stoff zu fadenscheinig ist, um wirklich scharfe Schatten zu werfen.
Eine Trickbetrügerbande kommt an einen Koffer mit einer halben Million, die unglücklicherweise einem Gangster gehört, der deshalb ein Mitglied der Bande umbringen läßt. Von weiteren Strafaktionen will er nur absehen, wenn sich die Bande verpflichtet, einen Deal durchzuziehen, der das Zehnfache bringen soll. Leider gibt es noch zwei Polizisten, die ihren Teil abhaben möchten, und einen Agenten, der die Sache auffliegen lassen will. Die Gewißheit, daß der Coup schiefgeht, entstammt dem Film noir, die Ahnung, daß es doch gelingen könnte, dem Con Film, wenn man das Trickbetrügergenre mal so nennen darf.
Es ist immer vergnüglich, den Tricks und Finten so eines Plots zu folgen und sich nach Strich und Faden übers Ohr hauen zu lassen. Wer dabei seinen Augen traut, ist selber schuld. Am raffiniertesten ist das einst David Mamet in "House of Games" gelungen, dessen "Glengarry Glen Ross" Foley auch schon verfilmt hat, dessen Geschick, die Schraube immer noch ein Stück weiter zu drehen, er aber nicht besitzt.
Sein Hauptproblem ist ohnehin die Besetzung der Hauptrolle. Sein Held Edward Burns, dessen Karriere als Regisseur von Filmen wie "Brothers McMullen" und "She's the One" vor allem dazu diente, sich selbst in Szene zu setzen, schafft es spielend, selbst Ben Affleck an Ausdruckslosigkeit zu unterbieten. Er soll arrogant sein wie Richard Gere in "American Gigolo", smart wie George Clooney in "Ocean's Eleven" und so verführerisch wie die beiden zusammen - aber natürlich ist er nichts von alledem. Sein Blick bleibt stets in eine unbestimmte Ferne gerichtet, und seine Mimik wirkt ähnlich ungenau. Einen Typen wie ihn hätte Mitchum als Aperitif verputzt. Man nimmt Burns alles mögliche ab, nur nicht, daß er in dieser Halbwelt seinen Mann steht, denn dafür ist er weder hart noch glatt genug.
James Foley scheint das gespürt zu haben. Deshalb hat er Leuten wie Dustin Hoffman und Andy Garcia viel Raum gelassen, sich um so ausdrucksvoller auszutoben. Aber gerade der Kontrast zu Burns tut den beiden nicht gut, weil ihr Spiel nun nur noch outriert wirkt. Zwischen diesen Fronten geht auch Rachel Weisz verloren, der man anzusehen glaubt, wieviel Überwindung sie die Zuneigung zu Burns' Figur kostet. Daß ausgerechnet er uns weismachen will, alles sei eine Sache des Stils, ist ein Witz. Schon deshalb widerfährt dem Film das peinlichste Schicksal der Taschendiebe: mit den Fingern in der Tasche des Opfers erwischt zu werden.