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Kino Späte Rache

02.10.2006 ·  Der amerikanische Science-fiction-Autor Philip K. Dick ist einer der verläßlichsten Lieferanten verwirrender Kinostoffe: „Blade Runner“, „Minority Report“ und viele mehr. Jetzt wird sein Leben zwischen Genie und Wahnsinn verfilmt. Die Fans heulen auf.

Von Dietmar Dath
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Der amerikanische Science-fiction-Autor Philip K. Dick (1928 bis 1982) ist unter allen Großen des Genres der verläßlichste Lieferant für verwirrende Kinostoffe. Ridley Scott hat 1982 mit „Blade Runner“ eine Dick-Erzählung zu einem der schönsten phantastischen Filme aller Zeiten veredelt; Paul Verhoeven richtete eine Dicksche Vorlage 1990 als „Total Recall“ mit amüsanten Ergebnissen gezielt zugrunde; Spielbergs „Minority Report“ von 2002 schleift den armen Tom Cruise durch Dicks Albträume wie der Wolf das getötete Reh durch die Hecke; und zur Zeit erfreut Richard Linklater die Welt mit seiner seltsamen filmischen Lesart des Dick-Romans „A Scanner Darkly“.

Daß das Kino Dick so gerne mag, liegt wohl daran, daß dieser tragisch hochbegabte Mann infolge übermäßigen Verzehrs neurochemischer Ungleichgewichtserzeuger in Pillenform während der produktivsten Jahre seines Lebens vollkommen verrückt war - so konnte er die Wahrheit über die Vereinigten Staaten, die Moderne und vieles andere mehr auf eine mitreißend überdrehte Weise artikulieren, die ihm unterm Schutz der Narrenfreiheit niemand übelnahm.

Das dröhnende Lachen des Irren

Was Dick gedichtet hat, bleibt hinter dem, was er erleiden mußte, an schierem Horror allerdings sehr weit zurück, wie Tagebuchnotizen deutlich machen. So konnte nicht ausbleiben, was nun geschieht: Hollywood wirft sich nach dem Abgreifen seiner Kunst nun auch auf Dicks Leben und Leiden.

Gleich zwei Verfilmungen seines Lebens sind angekündigt, „Panasonic“ und „The Owl in Daylight“, und schon streiten sich Nachlaßverwalter, Fans und Forscher bis aufs Messer; Vorschußflüche gehen hin und her; Verschwörungen werden vermutet; von viel Geld ist die Rede. Der Wahnsinn der kulturindustriellen Mediensphäre, der seinen privaten Irrsinn spiegelte und verstärkte, hat Dick, sagen alte Freunde, neben anderem Unglück mit zugrunde gerichtet. Daß sein unheimliches Fortleben jetzt Streit, Hysterie und Nervenkrieg in ebendieser Sphäre auslöst, ist ein tröstlicher Hinweis darauf, daß nicht die Zweitverwerter und Bearbeiter siegen, sondern der schöpferische Irre zuletzt lacht; dröhnend und mit vollem Recht.

Quelle: F.A.Z., 02.10.2006, Nr. 229 / Seite 35
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