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Im Kino: „Eclipse“ : Sklaven, ihr sollt ewig leben!

Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) in einer Szene des Films „Eclipse - Biss zum Abendrot” Bild: dpa

Im dritten Teil der „Twilight“-Verfilmungen zeigt sich, wovor wir uns wirklich fürchten müssen - den Vampirinnen und ihren gefügigen Männern. Auch hier ist ein junger Mann einer Vampirin ausgeliefert, nicht umgekehrt ein Mädchen einem Vampir.

          Der junge Soldat mit dem kantigen Gesicht reitet ans Flussufer, wo er in der Abendsonne auf die Zivilbevölkerung in Gestalt von drei jungen Frauen trifft. Wer sich jetzt vor wem fürchten muss, scheint klar. Doch Furcht ist das Letzte, was in den Zügen der Frauen steht. Sie verabreden kurz, dass sich Maria um den Mann kümmern wird. Sie nähert sich ihm, verheißungsvoll lächelnd. Dann beißt sie zu. Und aus dem Südstaatenoffizier Jasper Whitlock wird ein Maria vollkommen höriger Vampir.

          Was es mit dem Erzählkosmos der Stephenie Meyer auf sich hat, zeigt sich im Grunde erst in „Eclipse“, dem dritten Teil ihrer „Twilight“-Romanserie um die schöne Bella und ihren noch schöneren Vampir Edward, der sie trotz aller Bitten nicht zu seinesgleichen beißen mag. Andere haben da weniger Hemmungen - „Eclipse“ watet geradezu in Blut, weil im Kern der Handlung die rachedürstende Vampirin Victoria steht, die Bella an den Schwanenhals will und die, weil sich Edwards Clan schützend vor das Mädchen stellt, dafür eine ganze Armee von Untoten erschafft. Die dafür natürlich ihr erstes Leben lassen müssen.

          Blumenwiesenromanze hier, schmachtende Großaufnahme dort

          Für einen traditionellen Vampirfilm ist ein solches Buch keine schlechte Ausgangslage, nur dass die Edward-und-Bella-Filme niemals klassische Vampirfilme sein wollten, sondern den Akzent eher aufs Weichgespülte legten. Derlei kommt - Blumenwiesenromanze hier, schmachtende Großaufnahme des jungen Paares dort - auch im dritten Teil nicht zu kurz, trotzdem wird man das Herz dieses Films in den Splatterszenen suchen, in den rasanten Verfolgungsszenen, bei denen Menschen naturgemäß nicht den Hauch einer Chance gegenüber den pfeilschnellen Vampiren haben.

          Kristen Stewart und Robert Pattinson auf der Premierenfeier zum Film „Eclipse - Biss zum Abendrot”
          Kristen Stewart und Robert Pattinson auf der Premierenfeier zum Film „Eclipse - Biss zum Abendrot” : Bild: APN

          Vor allem aber zeigt schon die allererste Szene, wie es um das viel diskutierte „Twilight“-Geschlechterverhältnis in diesem Teil der Saga steht: Auch hier ist ein junger Mann einer Vampirin ausgeliefert, nicht umgekehrt ein Mädchen einem Vampir, auch hier wird in Gestalt des jungen Riley ein Sklave erschaffen, der bis zuletzt nicht einsehen will, wie er von einer älteren Frau manipuliert wird. Und während den gesamten Film über Männer nur zubeißen, weil sie Durst haben oder weil man es ihnen einredet, beißen die gewalttätigen Frauen dieses Films nicht aus Instinkt, sondern nach reiflicher Überlegung zu: Um sich Gefolgsleute zu schaffen wie Maria und Victoria oder um sich zu rächen und diese Rache auszukosten wie Rosalie aus Edwards Clan. Oder sie lassen morden, wie die Obervampirin Jane, um Ordnung zu schaffen in der Untotenwelt. Natürlich bedient sie sich dazu wiederum eines Mannes.

          Nicht besser und nicht schlechter als die Vorgänger

          Filmisch ist das in „Eclipse“ nicht besser und nicht schlechter umgesetzt als in den beiden Vorgängern. Der Regisseur David Slade hält sich ans Buch, weil er es sich sonst mit Meyers Anhängern verderben würde. Er lässt seine Darsteller - allen voran Kristin Stewart als gern die Vorderzähne bleckende Bella, Robert Pattinson als bleicher Edward und Taylor Lautner als Bella verehrender Werwolf Jacob - ausdauernd finster schauen, und wenn dann doch mal einer lächelt, ist das meist ein tapferer Reflex auf nahendes Unheil. Denn diese jungen Gesichter, so das Credo des Films, haben viel Unerfreuliches gesehen, und selbst altersgerechte Schwüre wie Jacobs „Ich werde um dich kämpfen, solange dein Herz schlägt“ ernten sarkastische Kommentare: „Dann musst du wenigstens nicht sehr lang kämpfen“, sagt Bella, die sich auf ihre anstehende Verwandlung in eine Untote vorbereitet. Auch sie, die über die sanftesten Augen aller Figuren dieses Films verfügt, lässt den umgebenden Männern, ob Werwolf oder Vampir, nicht den Hauch einer Chance auf Dominanz.

          Dass Meyers Vampirauffassung den Eltern pubertierender Mädchen keinen Anlass zur Sorge bietet, wurde bereits festgestellt. Für die Eltern halbwüchsiger Söhne sieht die Sache allerdings anders aus.

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