30.10.2003 · Ben Affleck und Jennifer Lopez, für „Gigli“ gemeinsam verpflichtet, verliebten sich auf der Stelle und sind seitdem ein öffentliches Paar, mit Schlagzeilen in sämtlichen Klatschkolumnen der Welt. Als der Film schließlich ins amerikanische Kino kam, war das Publikum so mit Ben-und-Jen-Geschichten übersättigt, daß es „Gigli“ total verschmähte. Und jetzt bei uns?
Von Verena LuekenBoy meets girl, auf welchem Weg auch immer - das schien in jenen goldenen Zeiten des Studiosystems, als Frank Capra die Geschichte von einer entlaufenen Millionärstochter und einem Boulevardreporter, der ihr auf den Fersen ist, in eine der hinreißendsten romantischen Komödien des Kinos verwandelte, als Plotskelett auszureichen. Alles weitere würde sich finden. Doch was hätte Capra mit der Geschichte eines Kleingangsters in zu großen Sakkos machen können, der einen behinderten Jugendlichen entführen und mit einer lesbischen, Yoga treibenden Gangsterkollegin auf ihn aufpassen soll, wobei sich deren sexuelle Orientierung (im Sinne von boy meets girl: glücklicherweise) als durchaus flexibel erweist?
Sich verweigern, möchte man rufen. Doch das wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen, denn zu Capras Zeiten wäre eine so offensichtlich zukunftslose Ausgangsidee kaum ans Ohr eines Produzenten gedrungen. Martin Brest aber hat diesen Stoff nicht nur freiwillig verfilmt - er hat ihn auch erfunden und "Gigli" genannt. Weil die amerikanischen Kritiker und die paar Zuschauer, die der Film in Übersee fand, sich mit der Aussprache des Titels schwertaten, hat der Verleih in Deutschland ein erklärendes "Liebe mit Risiko" daruntergesetzt.
Ein kleiner Gangster entführt also im Auftrag eines etwas größeren Gangsters den geistig behinderten Bruder eines Staatsanwalts, um diesen zu erpressen, ihrer beider Boß in New York nicht unter Anklage zu stellen. Das ist wenig behende gedacht - und vom New Yorker Boß nicht autorisiert -, doch steht viel auf dem Spiel, und so wird dem Kleinganoven die lesbische Mafiosa zur Seite gestellt, die nicht nur Yoga kann, sondern auch Anleitungen zum buddhistischen Leben liest und meist nabelfrei durch Los Angeles läuft. Brests Entscheidung, die Rolle des Kleingangsters mit Ben Affleck, die der Mafiosa mit Jennifer Lopez zu besetzen, woraufhin sich die beiden sofort verliebten und seitdem ein öffentliches Paar sind, brachte den Film früh in die Schlagzeilen und das Paar in sämtliche Klatschkolumnen rund um die Welt. Als "Gigli" schließlich in die amerikanischen Kinos kam, war das Land von Ben-und-Jen-Geschichten derart übersättigt, daß die Zuschauer den Film verschmähten und die Kritiker auf ihn eindroschen wie auf keinen mehr seit Paul Verhoevens "Showgirls" (F.A.Z. vom 26. September 1995). Ganz so schlecht ist "Gigli" nicht. Aber fast.
Die erste Viertelstunde des Film verbringt Ben Affleck damit, seinen Mitspielern die richtige Aussprache des Titels, der auch sein Rollenname ist, einzubleuen. "Reimt sich auf really", behauptet er und beweist damit, daß er der Pflege seines italienischen Erbes nicht viele Stunden seines Lebens geschenkt hat. Im folgenden geschieht in Variationen immer dasselbe. Affleck deutet im breitschultrigen Lederjackett, mit grimmigem Gesicht und drohenden Kinnmanövern an, daß er sehr gefährlich ist, womit er irrt. Manchmal kommt ein anderer Gangster vorbei, und es gibt eine Schlägerei. Der behinderte Junge treibt allen möglichen Unfug und hört sich am Telefon an, wie eine Wetterfee ununterbrochen über Hochs, Tiefs und Hurricans spricht. Jennifer Lopez hingegen spricht nicht viel, macht ihre Yogaübungen und liest, wenn auch langsam. Immerhin war sie klug genug, ein Buch mitzubringen in diesen Film, was jedem Zuschauer dringend empfohlen sei.