09.02.2005 · Die bittere Trennungsaffäre mit Woody Allen hat etwas vergessen lassen, wie gut und vor allem wandlungsfähig Mia Farrow in den gemeinsamen Filmen war. An diesem Mittwoch wird die Schauspielerin sechzig.
Mia, das ist eigentlich nur die Kurzform von Maria de Lourdes. Kein Wunder, schließlich war Mia Farrows Vater, der Regisseur John Farrow, zwar ein Haudegen, aber auch ein guter Katholik, und ihre Mutter, die Schauspielerin Maureen O'Sullivan, Irin.
Gemeinsam hatten sie sieben Kinder, und Mia macht ihrem gnadenvollen Namen alle Ehre, indem sie nach letzten Schätzungen vierzehn - mehrheitlich adoptierte - Kinder großzieht. Ihr Lebenswandel war allerdings nicht immer so christlich. Nachdem sie in der Kindheit Polio hatte und an einer Eisernen Lunge hing, stieg sie über den Broadway, die Fernsehserie „Peyton Place“ und die Heirat mit Frank Sinatra zum Star auf, der sein Image als wildes Blumenkind kultivierte. Ihr deutlich älterer Gatte stand auf Martini, sie hielt es mehr mit Marihuana, und das waren offenbar nicht die einzigen Unverträglichkeiten dieser Ehe, die keine zwei Jahre währte.
Hysterie und Enthobenheit
Wenn man Aufnahmen von den Dreharbeiten zu „Rosemarys Baby“ sieht, dann hat man den Eindruck, daß Mia Farrow um den Ausdruck von Hysterie und Enthobenheit nicht erst ringen mußte. Aber letztlich spielt das auch gar keine Rolle, weil sie gerade deshalb sensationell war und das Kino eben davon lebt, daß jemand das richtige Gesicht zur richtigen Zeit hat und damit etwas zum Ausdruck bringt, was anders nicht zu haben ist - zum Beispiel eine gewisse Verspanntheit, die entsteht, wenn jemand auf Teufel komm raus entspannt sein will, oder jene Abwesenheit des Blicks, wenn man allzu intensiv in sich hineinhorcht, um keine Gefühlsregung ungelebt zu lassen.
Die Schauspielerin Mia Farrow wird sechzig
Das war damals neu und aufregend und sexy. Was bei Polanski den Ängsten Präsenz verlieh, das ließ Farrow in „The Great Gatsby“ an der Seite von Robert Redford etwas zu ätherisch wirken. Zu jener Zeit war sie mit André Previn verheiratet, mit dem sie drei Kinder hatte und drei weitere adoptierte, was ihre Schauspielkarriere naturgemäß in den Hintergrund treten ließ.
Die achtziger Jahre standen dann ganz im Zeichen von Woody Allen, und die bittere Trennungsaffäre der beiden läßt etwas vergessen, wie gut und vor allem wandlungsfähig Mia Farrow in den zehn gemeinsamen Filmen war. Sie war beides, das traumverlorene Zigarettenmädchen aus „The Purple Rose of Cairo“ und die handfeste Gangsterbraut aus „Broadway Danny Rose“. Ihr schönster Satz lautet: „Mittlerweile habe ich es begriffen. Im Leben geht es um Niederlagen, darum, mit ihnen so gut wie möglich umzugehen und die Zeit dazwischen zu genießen.“ Das klingt wie ein guter Vorsatz zu einem runden Geburtstag.