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Kino Projektionen: Die Filmfestspiele Venedig 2005

31.08.2005 ·  Casanova, der es liebte, wenn es hoch herging, hätte gewiß seine Freude: An diesem Mittwoch abend beginnen die Filmfestspiele von Venedig. Aufregung gab es schon vor der Eröffnung.

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Die Filmfestspiele in Venedig - feierliche Eröffnung an diesem Mittwoch - hatten noch gar nicht begonnen, aber die üblichen Intrigen und Streitereien waren bereits in vollem Gang.

Es begann mit Casanova, aber daß der Venedig immer Ärger macht, ist seit seiner Flucht aus den Bleikammern hinlänglich bekannt. Nun ist es der aufwendige Historienfilm über Jugend und Ausbildung des Verführers, den Lasse Hallström im letzten Winter in der Stadt gedreht hat - die erste große Hollywood-Produktion seit dreißig Jahren, die rein in Italien zustande kam.

Ein „No“ von Disney

Als Entgegenkommen für die Gastfreundschaft in ihrer schönen Stadt, für die zahlreichen Bootsblockaden, Umbauten und nicht zuletzt für die zweitausend Statisten hatten die Venezianer sich auf die kostenlose Erstaufführung des Casanova-Films auf dem Campo San Polo gefreut. Dort genießen sie auf Aluminiumtribünen seit vielen Jahren sommerliches Freiluftkino, das sicherlich mit spektakulären Gondel-, Kutschen- und Degenbildern aus der eigenen Stadt besonders großartig gewirkt hätte.

Allein, das Wunschdenken scheiterte an einem kühlen „No“ aus Disneys Firmenzentrale; man fürchte Raubkopien und unerwünschte Vorab-Berichterstattung. Entrüstet verweigerte Bürgermeister Cacciari den Amerikanern nach diesem „unerzogenen Akt“ den bereits genehmigten Dogenpalast für die Premierenfeier, und so bleibt es bei der üblichen Premiere des Films am Lido ohne großen Pomp.

„Höflinge und Lakaien“

Weniger Spektakel machte da schon die Beschwerde von Tinto Brass, dem Altmeister des italienischen Soft-Pornos, weil sein letzter Streifen mit dem vielversprechenden Titel „Monamour“ nicht ins Programm der Filmfestspiele aufgenommen wurde. Brass, als waschechter Venezianer um ein Heimspiel gebracht, beschimpfte prompt Festivalchef Marco Müller als „Höfling und Lakaien“: „Solche Progressiven sind eben meist noch reaktionärer als die erklärten Konservativen.“ Brass, der gleichfalls entlang der Gassen und Kanäle seiner Vaterstadt gedreht hatte, brach wie üblich eine Lanze für die Ästhetik des erotischen Kinos - aber auch in diesem Fall blieb eine Projektion unerfüllt.

Bleibt noch zu erwähnen, daß bei diesem Festival noch einmal erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gelten, daß Ausweiskontrolle an der Tagesordnung sein wird, daß große Taschen oder gar Rucksäcke in den Kinos tabu sind. Das mag an der in Italien besonders erhöhten Terrorgefahr liegen oder auch an den vierhundert Globalisierungsgegnern, die bereits seit Tagen am Strand eine „Pirateninsel“ ausgebaut haben. Sie kündigen an, als Protest gegen den gigantischen Deichbau des Mose-Projekts nicht nur dessen Baustellen in der Lagune, sondern auch diverse Filmpremieren auf dem Lido stören zu wollen. Casanova, der es ja liebte, wenn es hoch herging, hätte an diesen Festspielen seine Vorfreude gehabt.

Bei den 62. Filmfestspielen in Venedig, (31. August bis 10. September) konkurrieren 19 Werke um den Goldenen Löwen:

- „La seconda notte di nozze“ von Pupi Avati (Italien)
- „O Fatalista“ von Joao Botelho (Portugal/Frankreich)
- „Vers le sud“ von Laurent Cantet (Frankreich/Kanada)
- „Gabrielle“ von Patrice Chéreau (Frankreich/Italien)
- „Goodnight and Good Luck“ von George Clooney (Vereinigte Staaten)
- „La bestia nel cuore“ von Cristina Comencini (Italien)
- „I giorno dell'abbandono“ von Roberto Faenza (Italien)
- „Mary“ von Abel Ferrara (Italien/Vereinigte Staaten)
- „Les Amants réguliers“ von Philippe Garrel (Frankreich/Italien)
- „Garpastum“ von Aleksey German Jr. (Rußland)
- „The Brothers Grimm“ von Terry Gilliam (Großbritannien)
- „Changhen ge“ von Stanley Kwan (China/Hongkong)
- „Brokeback Mountain“ von Ang Lee (Kanada)
- „Proof“ von Johan Madden (Großbritannien/Vereinigte Staaten)
- „The Constant Gardener“ von Fernando Meirelles (Großbritannien/Kenia/Deutschland)
- „Espelho magico“ von Manoel de Oliveira (Portugal)
- „Chin-jeol-han Geum-ja-ssi“ (Sympathy for Lady Vengeance) von Park Chan-wook (Korea)
- „Romance and Cigarettes“ von John Turturro (Vereinigte Staaten)
- „Persona non grata“ von Krzysztof Zanussi (Polen/Rußland/Italien)

Quelle: dsch. / F.A.Z., 31.08.2005, Nr. 202 / Seite 33
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