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Kino Palmen des Paten?

 ·  Sieben Filme wurden beim Festival in Cannes ausgezeichnet. Vier davon produziert oder verleiht dieselbe Firma. Einige Journalisten vermuten einen Interessenkonflikt des Jurypräsidenten Nanni Moretti.

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Kaum holt man die Italiener ins Boot, wird man die schlimmen Unterstellungen nicht mehr los. Ist es im Film wie im Fußball und selbst im Vatikan? Verrat, Verdacht und ein bisschen Mafia, Intrigen und Manipulationen?

Vor all dem schien das Festival von Cannes im Voraus gefeit zu sein, als es Nanni Moretti zum Präsidenten der Jury bestellte. Aber nicht deswegen war man auf ihn gekommen. Sondern weil Moretti als Filmemacher über jeden Zweifel erhaben ist, „Politik wichtiger nimmt als Sex“, wie eine Zeitung schrieb, und sich in seiner Heimat als Gegenspieler zum Cavaliere, der endlich abgesattelt hat, profilierte. Mit „Habemus Papam“ über die Sinnkrise eines Unfehlbaren hatte er auch ein Fresko des Zeitgeists gedreht, der auf der Suche nach seiner Erneuerung ist.

Vier Filme aus dem gleichen Stall

Es war nicht seine Verantwortung, dass nur Männer eingeladen wurden, „die ihre Spulen zeigen und Frauen ihre Kurven“, wie es in einem Protest der Feministinnen hieß. Nicht einmal sie halten Moretti für einen südländischen Macho. Geschweige denn für einen sizilianischen Mafioso. Als Präsident der Palmen war Nanni Moretti eine Idealbesetzung.

Erst am Ende brach das Gewitter aus, noch während der Preisverleihung: auf Twitter, live aus dem Saal. Gegen Michael Haneke hatte keiner etwas einzuwenden. Sechs weitere Filme wurden ausgezeichnet - und vier von ihnen kommen aus der Produktion und/oder dem Verleih der Firma „Le Pacte“. Wie „Habemus Papam“.

Gerüchte im Bistro Twitter

„Slate“ griff die Vorwürfe auf. Dann sprach der Rundfunk von einem „Interessenkonflikt“. Der erste Artikel dazu erschien zwei Tage später auf „lemonde.fr“. „Libération“ zog und „Slate“ doppelte nach. Und am Wochenende sechs Spalten im „Figaro“. Festival-Sprecher Thierry Frémaux nennt das Ganze „eine Eselei“: Wie denn soll Moretti die anderen acht Juroren manipuliert haben? „Was mich nervt an dieser Geschichte: Drei Gäste der globalen Stammkneipe streuen ein Gerücht, aus dem eine Depesche der AFP wird.“

Im Bistro Twitter verkehrt im übrigen auch Frémaux. Er versuchte, die Vorwürfe mit dem Hinweis (auch auf Namen) zu entschärfen, dass entsprechende Vorfälle alltäglich seien. Zur Ehrenrettung seines Festivals war er sogar bereit, die künstlerische Qualität des Jahrgangs 2012 in Frage zu stellen. Eine andere Wahl habe es mangels Auswahl gar nicht gegeben: Kein Verdacht auf Korruption eines Paten - Morettis Palmen waren eine Verlegenheitslösung.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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