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Kino P.J.Hogan leiht "Peter Pan" in seinem Film nicht nur Flügel

31.03.2004 ·  Peter Pan ist der Junge, der nicht erwachsen werden will, und deshalb ist er für die Generation der Wunderkinder um Steven Spielberg zum Schutzheiligen ihres Kinos geworden. Beim australischen Regisseur P.J. Hogan ist Peter Pan nun ein Narziß, der nicht über seinen Schatten springen kann.

Von Michael Althen
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Peter Pan ist der Junge, der nicht erwachsen werden will, und deshalb ist er für die Generation der Wunderkinder um Steven Spielberg zum Schutzheiligen ihres Kinos geworden. Wo für Truffaut das Filmemachen noch die Verheißung barg, mit schönen Frauen schöne Dinge zu machen, da ging es fortan darum, mit teuren Spielzeugen erfolgreiche Filme zu machen. Spielbergs Peter Pan war konsequenterweise ein Erwachsener, der in der Midlife-crisis erkennt, daß er seine kindliche Unschuld zurückgewinnen muß - als hätten Männer in dieser Phase keine anderen Sorgen. Nichts gegen Zeichentrick, aber letztlich war "Hook" kaum lebensnäher als Disneys Version von Peter Pan.

Es gibt also auf den ersten Blick wenig, was eine Neuverfilmung rechtfertigen würde, vor allem nicht schon wieder im Gewand eines Kinderfilms. Tatsächlich gelingt es dem australischen Regisseur P.J.Hogan, der schon in "Muriel's Wedding" und "My Best Friend's Wedding" ziemlich beflügelt inszenierte, den Spieß umzudrehen. Seine Verfilmung handelt nicht von der Beschwörung der Unschuld, sondern eher von der Verlockungen, die sie bedrohen. Hogans "Peter Pan" ist eine durch und durch pubertäre Phantasie, deren Titelheld (Jeremy Sumpter) zwar den Luftikus gibt, deren Gravitationszentrum aber das Mädchen Wendy (Rachel Hurd-Wood) ist, das in dieser Geschichte zur Frau reift. Der Film geht natürlich nicht so weit, die Details auszumalen, aber seine Untertöne geschlechtlicher Verwirrung sind für einen Kinderfilm fast schon ein starkes Stück.

Wenn also Peter Pan Wendy das Fliegen beibringt, dann soll damit nicht wie sonst üblich die Zauberkraft der Träume beschworen werden, sondern eher jener Spruch versinnbildlicht werden, wonach die Liebe Flügel verleiht. Entsprechend ist auch die Eifersucht der Fee Tinkerbell viel handfester motiviert, weil es um mehr geht als nur einen kindlichen Spielgefährten. Hogan hat sie mit Ludivine Sagnier besetzt, und wer "Swimming Pool" noch im Kopf hat, kann sich vorstellen, daß ihre Flatterhaftigkeit hier durchaus eine erotische Komponente hat. Sie ist mindestens ein so schillerndes Wesen wie Kylie Minogue als Grüne Fee in "Moulin Rouge", und wenn ihr Leben zu erlöschen und alles Funkeln aus ihr zu entweichen droht, schwingt sich der Film zu einer gewaltigen musikalischen Nummer auf, in der wie beim Finale einer Travestieshow alle im Chor singen: "I do believe in fairies!"

Hogans klügste Entscheidung war es ohnehin, sich an J.M. Barries Bühnenstück zu halten, das ja durchaus für ein erwachsenes Publikum gedacht ist. So sind zum Beispiel die Rollen von Wendys Vater und dem Piraten Hook wie in der Theatertradition mit demselben Schauspieler (Jason Isaacs) besetzt, was der ganzen Erzählung von vornherein eine pikante Note verleiht. Denn so wird der schwächliche Vater in der Phantasie zum Bösewicht, der das Objekt der erwachenden Begierden vernichten und Wendy den Krokodilen zum Fraß vorwerfen will. Andererseits ist es genau dieser verborgene düstere Charakterzug des Vaters, der Wendy als Erklärung dafür dient, was eine schöne Frau wie ihre Mutter (Olivia Williams) an einem Langweiler wie ihrem Vater findet. Daß hier ein Mädchen zur Frau heranreift und sich auf einmal Gedanken über die Beziehung ihrer Eltern macht, ist schon ein deutlich anderer Akzent, als von diesem Stoff zu erwarten war.

So ist es kein Wunder, daß auch Peter Pan etwas vielschichtiger gezeigt wird, als sich das Spielberg träumen ließ. Bei Hogan ist der hübsche Junge ein Narziß, der nicht über seinen Schatten springen kann. Seine Bindungsunfähigkeit bringt Wendy dazu, sich von ihren Phantasien freizumachen und erwachsen zu werden. Am Ende ist es wie im wirklichen Leben: Die Jungs flüchten aus Angst vorm Erwachsenwerden ins Kinderland, während die Mädchen ihr Leben entschlossen in die Hand nehmen. So hat Hogan ein Kaleidoskop pubertärer Ängste und Begierden entworfen, in dem er alle Register zieht, wenn es darum geht, dieses Nimmerland in den flirrendsten Farben erstrahlen zu lassen - es wirkt, als habe er den Stoff in einer großen Discokugel gespiegelt.

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