17.08.2006 · Der große Langweiler unter den großen Comic-Helden ist zurück. Aber im Streifen „Superman Returns“ glänzt, wie gehabt, vor allem das Böse.
Von Verena LuekenVon all den Superhelden unserer und vergangener Zeiten ist Superman der älteste und leider auch der langweiligste. Er kommt aus dem All, ist Herrschersohn, hat aber nichts Alienhaftes oder Herrschersohnmäßiges an sich - außer seinen Superkräften natürlich, doch die haben die anderen, Spider-Man, Daredevil und so weiter, die als normale Menschen geboren wurden, auch. Superman ist ein wohlvertrauter Fremder auf dieser Welt, die er ein ums andere Mal vor bösen Männern, Natur- oder menschengemachten Katastrophen errettet, wobei er alle Gesetze der bürgerlichen Verfassung wie der Schwerkraft und Wahrscheinlichkeit bricht. Aber bei alldem bleibt er immer so manierlich, daß niemand daran Anstoß nimmt. Clark Kent, seine Alltagsgestalt, dieser tumbeste der Tumben, ist keine Verkleidung, sondern Supermans wahres Ich. Eigenschaftslos, leidenschaftslos, spießig, kein Held fürs Kino. Wenn er nicht fliegen könnte.
Früher, zu Zeiten der ersten drei „Superman“-Filme (1978 bis 1983), reichte das fast schon aus. „Wenn wir ins Kino gehen, um ,Superman' zu sehen“, so schrieb die verehrte Pauline Kael 1983, „wissen wir, daß wir das Vergnügen haben werden, einen Mann fliegen zu sehen, was auch immer sonst geschehen mag.“ So einfach ist das Vergnügen dreiundzwanzig Jahre und viele tausend Filme später nicht mehr zu haben. Wir haben Männer unzählige Male fliegen gesehen, und wir wissen, wie sie's machen. Bryan Singer, der Regisseur von „Superman Returns“, weiß, daß wir erregendere Stimulanzen brauchen. Und so beginnt er seinen Film damit, uns selbst fliegen zu lassen, den ganzen langen Vorspann hindurch, ohne Orientierung durch die Galaxien - ein Versprechen, das der Film nicht hält. Nicht halten kann, bei dem Helden.
Ein Idyll des einfachen Lebens
Fünf Jahre hatte Superman die Erde hinter sich gelassen, um seinen Heimatplaneten zu suchen, der dann doch restlos verglüht war. Reisen dienen im Kino gemeinhin der Veränderung, doch dieser Superman ist in fünf Jahren und trotz des enttäuschenden Ausgangs seiner Suche genau derselbe geblieben. Inzwischen ist auch sein Gegenspieler Lex Luthor aus dem Gefängnis entlassen worden, sein Schwarm Lois Lane hat zwar für ihren Artikel „Warum die Welt Superman nicht braucht“ einen Pulitzer-Preis bekommen, hat einen Verlobten und einen Sohn, sich ansonsten aber nicht vom Fleck gerührt, und so sind sie alle wieder versammelt für neue Abenteuer. Brandon Routh, der neue „Superman“-Darsteller, wird seiner Rolle gerecht, wie auch Kate Bosworth als Lois. Einzig Kevin Spacey, der den bösen Lex Luthor gibt, verströmt ein wenig Glamour. Nur die Bösen haben Stil, das war bei „Superman“ schon immer so.
Bryan Singer hat einige schöne Ideen, mit denen er uns die Zeit vertreibt. Etwa die Zeitenmischung zwischen Stadt und Land. Die Farm, auf der Superman aufgewachsen ist, mit der großen Scheune, dem Windrad und dem alten Pick-up am Zaun, ist ein Idyll des einfachen Lebens, als sei die Zeit des ersten „Superman“-Comics von 1938 wieder angebrochen. Metropolis wiederum ist eine Stadt von heute, einschließlich Rauchverbot an allen öffentlichen Plätzen. Daß Superman inzwischen auch als Posterboy für eine Nichtraucher-Kampagne taugen würde, zeigt vielleicht am deutlichsten, wie weit es mit dem alten Herrn gekommen ist.