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Sonntag, 12. Februar 2012
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Kino Mit "Looney Tunes - Back in Action" will Joe Dante den Mythos der Warner-Cartoons neu begründen

05.12.2003 ·  Die Jagd hat den Trickfilmhelden von Warner Bros. nie Glück gebracht. Denn es war stets der Jäger, der den Kürzeren zog.

Von Andreas Platthaus
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Die Jagd hat den Trickfilmhelden von Warner Bros. nie Glück gebracht. Denn es war stets der Jäger, der den Kürzeren zog: Elmer Fudd etwa, der glatzköpfige Choleriker, Yosemite Sam, der langbärtige Cowboy, Willie E.Coyote, der notorische Verfolger des Road-Runner, Sylvester, der Erzfeind des Kanarienvogels Tweety - monoton scheiterten sie alle. Selbst Porky Pig, der erste große Star des Studios, sollte dasselbe Schicksal erleiden: 1937 ging er in dem Kurzfilm "Porky's Duck Hunt" auf Enten-, ein Jahr später in "Porky's Hare Hunt" auf Hasenjagd. Beide Opfertiere, ursprünglich nur für diese eine Nebenrolle gezeichnet, wurden beim Publikum so populär, daß sie Porky binnen Kurzem den Rang abliefen: Als Daffy Duck und Bugs Bunny wurden sie zu den Aushängeschildern der Warner-Trickfimreihe "Looney Tunes" in den vierziger und fünfziger Jahren.

Mit "Looney Tunes", 1930 ins Leben gerufen, wollte Warner der Konkurrenz von Disney etwas entgegensetzen. Schon der Name war ein unverhohlenes Plagiat der Disney-Trickfilmserie "Silly Symphonies", und wenig später kam bei Warner auch noch eine zweite Reihe, die "Merry Melodies", dazu. Hugh Harman und Rudy Ising, zwei Disney-Renegaten, produzierten die Filme, und das sah man ihnen an. Der erste Serienheld, ein kleiner Negerjunge namens Bosko, war eine Micky Maus ohne Ohren. Erst als Harman und Ising durch Produzenten ersetzt wurden, die einen eigenständigen Stil entwickeln wollten, begann die große Zeit der Warner-Cartoons. Das Studio gewann Tex Avery, Friz Freleng, Bob Clampett, Chuck Jones - ein Quartett, das Trickgeschichte zeichnen sollte. Mit Porky Pig fing es 1935 an, und Daffy und Bugs waren die Höhepunkte.

Zu Warners Leidwesen sind diese Figuren heute zwar legendär, aber kaum mehr präsent, während die Kollegen von Disney sich mit Micky, Donald und Co. noch immer goldene Nasen verdienen. Wo es mit den einzelnen Figuren nicht zu klappen scheint, soll nun der Mythos des einstigen Seriennamens helfen: "Looney Tunes - Back in Action" heißt ein Spielfilm, der sämtlichen Warner-Cartoonstars neue Auftritte beschert - und "sämtliche" muß man hier wörtlich nehmen, denn Regisseur Joe Dante nutzt selbst die Hintergründe, um immer noch neue Kurzauftritte unterzubringen. So tanzt in einer Restaurantszene am Nachbartisch der grandiose Frosch aus dem Kurzfilm "One Froggy Evening" von Chuck Jones noch einmal seine Glanznummer, und auf dem Filmstudiogelände, wo der Film seinen Anfang nimmt, tummeln sich diverse weitere One-Hit-Wonder der Zeichentrickgeschichte. Wo haben wir das schon einmal gesehen? Vor fünfzehn Jahren, in "Falsches Spiel mit Roger Rabbit".

Damals, auf dem Höhepunkt der Krise des Animationsgewerbes, hatten sich die ewigen Konkurrenten Warner und Disney zusammengerauft und Steven Spielberg erlaubt, für dessen Produktion "Roger Rabbit" die Figuren beider Studios zu verwenden. Heraus kam nicht bloß ein All-Star-Ensemble, sondern ein technisch meisterhafter Hybrid zwischen Real- und Trickfilm, der der Branche tatsächlich einen gewaltigen Schub verschaffte. Während Disney indes in den Folgejahren von einem Erfolg zum nächsten eilte, verpaßte Warner den Moment; erst 1996 brachten sie "Space Jam" heraus, und bezeichnenderweise war das ein simpler technischer Klon von "Roger Rabbit". Wieder wurden Trickfiguren mit Schauspielern zusammengebracht - und mit Michael Jordan, dem Superstar des Basketball. Gemeinsam retteten er, Bugs Bunny, Daffy Duck und die anderen Warner-Stars die Welt vor bösen Außerirdischen.

"Space Jam" war zwar nicht kreativ, brachte aber Geld in die Kassen. Also lag es nahe, den Versuch zu wiederholen. Nun, sieben Jahre später, soll das Ganze noch eine Nummer größer werden. Parallel zum Film veröffentlicht Warner eine erste DVD-Kassette mit klassischen "Looney Tunes"-Filmen, und diesmal setzt man auf echte Filmstars: Brendan Fraser, Steve Martin, Jenna Elfman und Timothy Dalton, Heather Locklear und Joan Cusack geben sich als Partner der Trickfiguren her. Leider hat man bei Warner vergessen, auch einen fähigen Drehbuchautor zu engagieren, so daß "Looney Tunes -Back in Action" zur zweifellos banalsten Geschichte dieses Filmjahrs geworden ist. Und da auch die Tricktechnik trotz allen 3D-Effekten nicht das Niveau des Veteranen "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" erreicht, darf man von einem Desaster sprechen.

Augenzwinkern im Publikum, das scheint das einzige Ziel der Produzenten gewesen sein. Bei einem Meeting im Filmstudio wirft Bugs Bunny rasch ein paar flapsige Bemerkungen zu ein paar Anwesenden hin, die er als Bob, Chuck und Mel anspricht. Wieviele Zuschauer werden aber wissen, daß damit Clampett, Jones und Mel Blanc (seines Zeichens für mehrere Jahrzehnte Synchronsprecher aller wichtigen Warner-Figuren, ein Genie in seinem Metier) gemeint sind? Und wer wird das konfuse Gemisch aus "Indiana Jones" und "Krieg der Sterne" goutieren, das die Handlung um die Jagd nach einem Edelstein ausmacht, mit dessen Hilfe ein vom bis zur Unkenntlichkeit verkleideten Steve Martin gespielter verrückter Konzernchef die Welt beherrschen will - indem er alle Lebewesen in Affen verwandelt?

Daß sich ein Trickfilmvirtuose wie Eric Goldberg für die Animationsszenen hergegeben hat, grenzt an Denkmalsschändung. Und gleiches muß man für jeden Auftritt der wunderbaren Warner-Figuren in diesem Film sagen. Aber man hätte es sich schon nach einer Minute denken können. Denn "Looney Tunes - Back in Action" beginnt mit einer Jagdszene.

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