Home
http://www.faz.net/-gs6-npfz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kino Lizenz zur Schönen: Die Bond-Girls

 ·  Sie heißen Elektra King, Honey Rider oder Pussy Galore, sind rätselhaft und schön - und stets todgeweiht: die Frauen neben 007. Ihr jüngster Neuzugang heißt Vesper Lynd alias Eva Green. Eine Bond-Girl-Hommage in Wort und Bild.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Vesper Lynd? Keine Ahnung. Eva Green? Ebenso. Es sei denn, man ist Kinoliebhaber und hat das mäßig erfolgreiche Historiendrama „Königreich des Himmels“ gesehen, in dem Miss Green eine Hauptrolle spielte. Ansonsten ist sie nur französischen Theaterenthusiasten bekannt, die sie in „Jalousie en trois fax“ auf einer Pariser Bühne erlebt haben.

Alles wird anders mit diesem Satz: Eva Green alias Vesper Lynd ist das neue Bondgirl. Sofort steigt vor dem geistigen Auge eine perfekt geformte Schönheit auf, deren wiegender Gang darüber hinwegtäuscht, daß die unbeschreiblich weibliche Ausstrahlung einen stählernen Kern verbirgt, dem die „Lizenz zum Töten“ ebenso gebührt wie jenem James, dessen Nachname als Etikett der Schönen dient.

Weizenblond oder ebenholzfarben

Eva Green ist dunkelhaarig, wozu ihre blauen Augen reizvoll kontrastieren. Doch das spielt eine untergeordnete Rolle. Denn ein Bondgirl kann, wie Ursula Andress oder Britt Ekland, auch weizenblond, groß und vollbusig sein, kann, wie Karin Dor, als klassische Schönheit blauschwarz schimmernde Haare zu faszinierend blauvioletten Augen bieten, kann sogar, wie Diana Rigg, eher knabenhaft gebaut sein und ein Katzengesicht vorweisen oder, wie Grace Jones, dem Agenten 007 als ebenholzfarbene Venus die Sinne verwirren.

Lizenz zur Schönen: Die Bond-Girls

Gemeinsam sind ihnen allen nur drei Eigenschaften: Sie tragen meistens bedeutungsschwangere oder gern auch anzügliche Filmnamen wie Elektra King, May Day, Lisl von Schlaf oder Honey Rider, Pussy Galore, Miss Goodthigs. Sie sind immer, was die Produzenten des neuesten Bondfilms über Eva Green sagen, „die Vereinigung von Rätselhaftigkeit und Schönheit“ - und sie sind allzeit todgeweiht. Ave James, morituri te salutant: Morituri lautet der eigentliche Deckname sämtlicher Bondgespielinnen. Es braucht nicht einmal handgestrickte Psychologie, um sie damit als klassische Ausgeburten nicht minder klassischer Männerphantasien zu erkennen.

Sie büßen die Gefühle mit dem Tod

Im Grunde sind Ian Fleming und alle Drehbuchautoren Brüder Heinrich von Kleists, der in seinem schauerlichsten Drama die Amazone Penthesilea den begehrten Achilleus vor Liebe fressen läßt. Nur ist bei Bond der Spieß umgedreht: Hier büßen die Girls die Gefühle, die sie im Geheimagenten Ihrer Majestät auslösen, mit dem Tod. Den bisher gräßlichsten starb Shirley Eaton als Jill Masterson, die am Goldlack erstickte, mit dem man ihren nackten Körper überzog.

Für Bondgirls brachte der Kontakt mit 007 nicht nur den Rollentod, sondern oft auch den der Karriere. Kaum eine Schauspielerin, ausgenommen Diana Rigg und Sophie Marceau und Halle Berry, konnte die Ruhmeshöhe halten, auf die sie als Bondgirl katapultiert worden war. Eva Green könnte den Teufelskreis durchbrechen. Sie dreht momentan mit Daniel Craig, dem neuen James Bond, den Fantasyfilm „His Dark Materials“. Das könnte sie darüber hinwegtrösten, daß nach der Premiere von „Casino Royal“ niemand vom Bondgirl schwärmte, dafür aber Keisha, Mitglied der „Sugababes“, beim Anblick von Daniel Craig gleich einer Penthesilea verkündete: „Ich habe Lust auf ihn.“

Quelle: F.A.Z., 17.11.2006, Nr. 268 / Seite 44
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1949, Redakteur im Feuilleton.

Jüngste Beiträge

150 Jahre Seit’ an Seit’

Von Nils Minkmar

Die spröde, Camus düsteren „Mythos des Sisyphos“ verehrende Partei ist irgendwie Kult geworden: Die SPD feiert sich. Und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel ist dabei ganz in ihrem Element. Mehr 9 5