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Kino Kino als Fortsetzung der Kinowerbung

02.05.2003 ·  Hollywood im 21. Jahrhundert: Jeder Film wirbt für die eigene Fortsetzung, die dann nicht hält, was der Trailer verspricht, weil sie zu beschäftigt ist, den nächsten Teil zu bewerben. Jetzt ist „X-Men 2“ angelaufen.

Von Michael Althen
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Auf bewährte Rezepte hat das Kino von Anfang an gesetzt. Denn, was einmal erfolgreich war, würde es hoffentlich auch ein weiteres Mal sein. So drehte Hollywood eine Fortsetzung nach der anderen, aber mehr als zwei bis drei pro Jahr waren es nie. In diesem Sommer kommen nun sage und schreibe fünfundzwanzig sogenannte Sequels (und auch Prequels) in die Kinos. Und weil die Originalstoffe allmählich rar werden, müssen nun auch Filme fortgeschrieben werden, die sich eigentlich schon beim ersten Mal erschöpft haben.

Nach "X-Men" wäre eigentlich kaum jemand auf die Idee gekommen, er wolle nun aber wissen, wie es weitergeht. Auf der DVD behauptet Regisseur Bryan Singer jedoch allen Ernstes, der erste Teil sei im Grunde nur ein Trailer für den zweiten gewesen. Das ist Hollywood im 21. Jahrhundert: Jeder Film wirbt nur noch für die eigene Fortsetzung, die dann auch wieder nicht hält, was der Trailer verspricht, weil sie zu beschäftigt damit ist, den nächsten Teil zu bewerben.

8000 Film-Klone

Da darf man sich dann nicht wundern, wenn man die Trailer zu "Matrix Reloaded" und "Terminator 3", die vor "X-Men 2" gezeigt werden, für die besseren Filme hält - oder den Film für den schlechteren Trailer. Das Ereignis ist dann auch gar nicht mehr der Film selbst, sondern seine Omnipräsenz. Der Film starte in dieser Woche nicht nur mit 8000 Kopien in den USA, sondern gleichzeitig auch noch in 92 anderen Ländern.

Diese Rekordzahlen wurden realisiert, weil in zwei Wochen das Matrix-Sequel in die Kinos kommt, an dem kein Weg vorbeiführt. Bis dahin, so heißt es von Studioseite, müsse man aus den Kinos wieder draußen sein. Film ist in diesen Zeiten eine verderbliche Ware - Haltbarkeit zwei Wochen.

Übernatürliche Unfähigkeiten

In den USA heißt der Film einfach nur "X2", was insofern ein passenderer Titel ist, weil es ohnehin nur noch um Platzhalter geht. Das x steht dann vielleicht nur noch für die Summe, die der Film am ersten Wochenende einspielt. Um jedoch dem Regisseur, der immerhin mal "Usual Suspects" gedreht hat, die Ehre zu tun, sollte man hinzufügen, daß es um Mutanten aus dem Reich der Marvel Comics geht, die über unterschiedliche übernatürliche Fähigkeiten verfügen.

Wie bei ihrem Kollegen "Spiderman" sind diese Mutationen Ausdruck jenes pubertären Gefühls, sich dem eigenen Körper und der Gesellschaft zu entfremden. Bryan Singer interessiert daran sozusagen die Minderheitenproblematik, weil die Mutanten sich der geplanten Ausrottung durch die Menschheit erwehren müssen. Vor lauter Implikationen und Ambitionen weiß der Film aber kaum je, wo ihm der Kopf steht. Und selbst Schauspieler wie Ian McKellen, Patrick Stewart, Hugh Jackman, Halle Berry, Famke Janssen, Anna Paquin, Rebecca Romijn-Stamos oder Brian Cox können daran nichts ändern. Am Ende ist es doch eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.

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