04.01.2007 · DVD hin, illegaler Download her: Mit dem Untergang von Hollywood ist es wieder nichts geworden. 2006 wurde für die Studios zum viertbesten Kinojahr überhaupt - und auch der deutsche Film schlug sich wacker.
Als das Fernsehen in die Welt kam, wurde das Kino zum ersten Mal totgesagt. Als die Videotheken aus dem Boden schossen, schien sein Ableben bloß eine Frage der Zeit. Dann kam die DVD, der illegale Download, die Pixel-Piraterie, und von diesem Schlag, meinte man, würde sich die Filmindustrie nicht mehr erholen.
Doch es scheint wieder nichts zu werden mit dem Untergang von Hollywood. Fünf Prozent mehr als 2005 haben die amerikanischen Filmtheater im vergangenen Jahr eingenommen, mit einem Gesamtumsatz von gut 9,4 Milliarden Dollar ist 2006 das viertbeste Kinojahr überhaupt. Diese wundersame Erholung hat nichts mit Hexerei, dafür umso mehr mit Piraten zu tun: 423 Millionen spielte der zweite Teil von „Fluch der Karibik“ (siehe: Video-Filmkritik: „Fluch der Karibik 2“) im Sommer ein, ohne diese Summe wären die Studios beim Vorjahresergebnis gelandet. Es gibt also weder Grund zum Jubeln noch zum Jammern, sondern nur die beruhigende Nachricht, dass die Talfahrt der Filmindustrie vorerst gestoppt ist.
Auch in Deutschland steht das Kino wieder besser da, vor allem dank Tykwers „Parfum“ (siehe: Video-Filmkritik: „Das Parfum“), Donnersmarcks „Leben der anderen“ (siehe: Kinokritik: „Das Leben der anderen“) und Rosenmüllers „Wer früher stirbt, ist länger tot“ - ein todsicheres Eichinger-Projekt und zwei Überraschungserfolge, mit denen am Anfang des Jahres niemand gerechnet hatte. So lebt die Branche weiter von ihren Ausreißern (zu denen auch „Borat“ (siehe: Das unmoralische Lachen: Sacha Baron Cohens „Borat“) und „Little Miss Sunshine“ (siehe: Video-Filmkritik: „Little Miss Sunshine“) gehören) und ihren wenigen superteuren Hits. Nur im Mittelbau der Genres, bei den ganz normalen Abenteuern des Sehens, bröckelt die Substanz - „The Departed“ (siehe: Kino: Martin Scorseses „The Departed - Unter Feinden“) war letztes Jahr die rühmliche Ausnahme.
Und die DVD? Vielleicht geht es mit ihr tatsächlich wie mit Video: Der Markt saugt sich voll, ohne seine Quelle auszutrocknen. Die Verwertungskette ist einfach noch ein Stück länger und enger geworden, sie lässt nur noch durch, was industriell passend gemacht ist. Den Studios kann das nur recht sein.