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Sonntag, 12. Februar 2012
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Kino Eindrucksvoller deutscher Computertrickfilm: "Back to Gaya"

19.03.2004 ·  Es ist ein seltsames Gefühl, am Ende eines Zeichentrickfilms den Abspann zu betrachten und dort lauter deutsche Namen zu lesen. „Back to Gaya“ ist nahezu ausschließlich in Hannover hergestellt worden, der erste rein computeranimierte Trickfilm, den Deutschland hervorgebracht hat.

Von Andreas Platthaus
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Es ist ein seltsames Gefühl, am Ende eines Zeichentrickfilms den Abspann zu betrachten und dort lauter deutsche Namen zu lesen. Das war selbst bei so erfolgreichen Werken wie "Werner", "Käpt'n Blaubär", "Der kleine Eisbär" oder "Das kleine Arschloch" nicht der Fall, wo große Teile der Produktion vom Ausland, namentlich aus Asien, zugeliefert worden waren. Doch "Back to Gaya" ist nahezu ausschließlich in Hannover hergestellt worden, mit maximal siebzig Zeichnern - oder besser: Programmierern. Denn "Back to Gaya" ist der erste rein computeranimierte Trickfilm, den Deutschland hervorgebracht hat.

Noch seltsamer ist das Gefühl am Ende, einen guten Zeichentrickfilm gesehen zu haben. Denn das war das größte Manko der deutschen Animationsproduktionen der letzten Jahre: Sie waren meist einfallslos und mittelmäßig gezeichnet. Beides ist "Back to Gaya" nicht. Der Film hat indes ein Problem, das seine erfolgreichen deutschen Vorläufer nicht hatten: Er richtet sich konsequent an den internationalen Markt. Das ist bislang noch nie gutgegangen. Und wird es - die Prognose sei gewagt - auch hier nicht.

Dabei sind die Figuren von einer Skurrilität, die allemal wettbewerbsfähig ist. "Shrek" macht Schule; will heißen: Es gibt nicht länger die schlichte Gut-Böse-Antinomie, die den Trickfilm über Jahrzehnte geprägt hat, sondern die Charaktere werden komplexer, wechseln ihre Eigenschaften, werden natürlicher - was der einzig sinnvolle Weg ist, Natürlichkeit in einem Trickfilm, der seinen ästhetischen Reiz gerade aus der Künstlichkeit ziehen muß, zu steigern. Das hat der immens erfolgreiche computeranimierte "Shrek" vor drei Jahren vorgemacht, und seitdem machen es ihm alle nach. Früher hätte es in keinem Trickfilm der Welt (Achtung! Kinder im Publikum) eine Szene gegeben, die in einem verdreckten Toilettenraum spielt. "Back to Gaya" wagt es, und so forciert der Einfall auch wirkt, er hat seinen Reiz.

Gerade die Dekors von "Back to Gaya" sind meisterhaft geraten. So meisterhaft, daß man unwillkürlich genauer hinschaut und dann erkennt, daß die Figuren ihre Füße meist nicht im richtigen Winkel aufsetzen. Das ist ein erstaunlicher Fehler in einem offenbar sehr aufwendigen Graphikprogramm, und gleiches gilt für das mangelnde Gefühl an Körpergewicht. Es gehörte zu den wesentlichen Errungenschaften schon des frühen Trickfilms, daß die Zeichner erkannten, wie wichtig die Suggestion von Masse auf der Leinwand ist. Das wird vor allem am Anfang von "Back to Gaya" vernachlässigt. Offenbar glaubte man, Geräusche allein würden schon Gewicht erzeugen.

Aber der Film bereitet Vergnügen, weil hier gradlinig erzählt wird und überflüssige Mätzchen keinen Platz haben. Durch die technische Manipulation eines rachsüchtigen Wissenschaftlers, dessen Fernsehsendung durch die Trickfilmserie "Gaya" verdrängt worden ist, werden sechs Figuren der Serie in die wirkliche Welt geholt. Fortan spielen sich zwei Dramen ab: Die sechs, sich gegenseitig teilweise spinnefeind, suchen den Rückweg, und im Fernsehen wartet das Publikum verzweifelt auf deren Rückkehr. Denn seit dem Verschwinden des Sextetts beschränkt sich der Inhalt der einzelnen Folgen auf Wehklagen der Zurückgebliebenen: immer wieder dasselbe, reichlich eintönig. Niemand in Gaya jammert etwas phantasievoller.

Einiges ist bei Klassikern des Genres geliehen: der Kopfübersprung der schönen Heldin Alanta von einer Dachkante etwa beim japanischen Meisterwerk "Ghost of the Shell" oder das naive Selbstbewußtsein des Draufgängers Sino bei Buzz Lightyear aus "Toy Story", dem Auslöser all jener dreidimensional computeranimierten Filme, die derzeit das Genre umkrempeln. Oder der kleine bebrillte Buu, dessen Ideen hinter den Heldentaten des tumben Sino stehen und der sich im entscheidenden Moment durch eigene Tapferkeit zum Nationalhelden von Gaya qualifiziert - eine geradezu klassische Figur im Animationsgewerbe. Diese Ideen funktionieren auch als Zitate gut. Dagegen wurden eigene Geistesblitze verschenkt. Ob wohl der Mut gefehlt hat, den Großschurken von "Back to Gaya", Professor Icely, als Parodie auf Michel Foucault zu zeichnen, wie er sich einmal auf einem alten Werbeplakat für seine Wissenschaftsserie präsentiert? Der Mann ist zwar auch später völlig kahl, doch die charakteristische Brille und das schmale Lächeln fehlen.

"Back to Gaya" ist eine technisch eindrucksvolle Talentprobe seiner Regisseure und Produzenten Holger Trappe und Lenard F. Krawinkel. Und auch die Kombination bekannter Versatzstücke zu einer abenteuerlichen Handlung klappt mit zunehmender Dauer des Films immer besser - normalerweise läuft das umgekehrt. So gesehen ist der Film eine der erfreulichen Überraschungen seines Metiers - und allemal besser als alles, was aktuell noch an Trickfilmen im Kino ist.

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