13.08.2004 · Man muß ja fast schon froh sein, daß dieser Film nicht auch noch gelungen ist. Sonst müßte man sich wieder mal fragen, wie es ein kleines Land wie Dänemark schafft, auch jenseits von Dogma unentwegt Filme zu produzieren, die dem hiesigen Kino vormachen, wie lebendig und unverkrampft man heute noch erzählen kann.
Von Michael AlthenMan muß ja fast schon froh sein, daß dieser Film nicht auch noch gelungen ist. Sonst müßte man sich wieder mal fragen, wie es ein kleines Land wie Dänemark schafft, auch jenseits von Dogma unentwegt Filme zu produzieren, die nicht nur dem hiesigen Kino vormachen, wie lebendig, spritzig oder auch nur unverkrampft man auch heute noch erzählen kann. Ein wenig erinnert diese jähe dänische Filmwelle an die Flut von schwedischen Kriminalautoren, die plötzlich allgegenwärtig sind.
Nun also "Stealing Rembrandt" von Jannik Johansen, ein weniger gelungenes Beispiel für die Fähigkeit der Dänen, auf dem schmalen Grat zwischen Alltag und Aberwitz zu balancieren. Der Titel sagt eigentlich schon alles: Vier dänische Gauner werden angeheuert, um aus der Virumgaard-Gemäldegalerie in Kopenhagen ein nicht sonderlich wertvolles Porträt zu klauen, erwischen aber aus Dusseligkeit das daneben hängende Rembrandt-Gemälde einer Dame mit Nelke. Die Typen sind also dümmer, als die Polizei erlaubt, und ihre Versuche, den unerwarteten Schatz zu verkloppen, folgen auf so vorhersehbare Weise den Mustern der Gaunerkomödie, daß der Film kaum der Rede wert wäre, wenn nicht zwei der vier Diebe Vater und Sohn wären, die eine reichlich schwierige Beziehung aufzuarbeiten haben. Der Vater (Lars Brygmann) ist ein schmales Männchen mit Bart und Pferdeschwanz, der sein Geld mit harmlosen Schrottdiebstählen verdient und so ehrlich ist, wie es ein Gauner nur sein kann. Der Sohn (Jakob Cedergren) ist ein halskettchenbehängter Kraftprotz, der sein Geld mit Drogen verdient und eine Beziehung mit einer älteren Frau hat, die von deren Ehemann geduldet wird. Zum ersten Mal begegnen sie sich im Film, als der Vater gerade ins Gefängnis kommt, während der Sohn entlassen wird. Der Vater verlangt bei dieser Gelegenheit geliehenes Geld zurück - mehr haben sie sich nicht zu sagen. Kein Wunder, der Junge mußte einst zusehen, wie seine Mutter im Vollrausch vom Balkon in den Tod sprang, während ihr Mann im Knast war.
Die fast lächerliche Leichtigkeit, mit der der Coup vonstatten geht, steht in so krassem Kontrast zu der ziemlich drastischen Vater-Sohn-Geschichte, daß man sich bald fragt, wo sich die beiden Erzählstränge eigentlich schneiden sollen - als hätte der Film selbst jenen Silberblick, der das gestohlene Bild auszeichnet. Fürs Drama ist der Rahmen zu dünn, für eine Komödie der Inhalt zu schwer. So schleppt sich die Handlung schwerblütig dahin - und Rembrandts Dame mit Nelke schielt dazu.