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Kino Dozentinnen küßt man nicht: "Mona Lisas Lächeln" mit Julia Roberts

23.01.2004 ·  Ein Julia-Roberts-Film muß nicht notwendig allein vom schönen Schein und von sorgsam inszenierten Oberflächenreizen bestimmt sein. Doch so geradezu auffallend uneitel, so angenehm zurückhaltend wie in "Mona Lisas Lächeln" hat sich die amerikanische Schauspielerin kaum je zuvor gegeben.

Von Hans-Dieter Seidel
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Ein Julia-Roberts-Film muß nicht notwendig allein vom schönen Schein und von sorgsam inszenierten Oberflächenreizen bestimmt sein. Doch so geradezu auffallend uneitel, so angenehm zurückhaltend wie in "Mona Lisas Lächeln" hat sich die amerikanische Schauspielerin kaum je zuvor gegeben. Eine gute Strecke weit kann die ihr aufgetragene Figur, die College-Dozentin Katherine Watson, sich gegen erhebliche Widerstände behaupten, doch Julia Roberts reckt sich nicht in die Pose der selbstgefällig Triumphierenden, sondern quittiert Katherines gar nicht hoch genug einzuschätzende Siege mit eher verlegener Heiterkeit und liebenswerter Scheu. Das läßt den Film auf Anhieb wärmer funkeln als jeder Brillantschliff.

Man schreibt die Jahreswende 1953/54. In Amerika ist das die Zeit der Bevormundung, für die der Name McCarthy steht, die Zeit einer Moral in enggezogenen Grenzen, konservativster Anschauungen und eines Beharrens auf Konventionen, die Tradition mit Heuchelei verwechseln. Die einzige Rebellion, die ansatzweise geduldet wird, heißt Rock'n'Roll, Elvis Presley freilich ist noch nicht auf den Plan getreten.

Die Kleiderordnung sieht selbst für Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden die langen, schwingenden Röcke, die Söckchen und die flachen Schuhe vor, die sie als Teenager trugen, und kaum größere Anmut, geschweige denn freier Auslauf ist dem Denken gestattet. Auch am renommierten Wellesley-College für Mädchen, das zu seinen Absolventinnen eine gewisse Hillary Rodham, verehelichte Clinton zählt, sieht das nicht anders aus. Katherine, die sich als Dozentin für Kunstgeschichte von Berkeley nach Massachusetts aufgemacht hat, ist in ihrer Absicht, die Studentinnen zum selbständigen Denken und zum Ausbruch aus den vorgefertigten Schemata zu ermutigen, alsbald ernüchtert: von arroganten jungen Damen, die vor allem ihre künftige Rolle als Ehefrau, Mutter und perfekte Gastgeberin im Blick haben, vor den Kopf gestoßen, von der Kollegenschaft wegen ungewohnter Lehrmethoden argwöhnisch beäugt. Aber Katherine gibt natürlich nicht klein bei, und das ist dann schon der ganze Film. Fast.

Denn die Drehbuchautoren Lawrence Konner und Mark Rosenthal sowie der Regisseur Mike Newell begnügen sich nicht, in lose aneinandergereihten Episoden allein das Schicksal Katherines zu verfolgen, die ein Mädchen nach dem anderen für ihren kritisch geschärften Blick aufs Leben gewinnen kann und insgeheim immer unbedingter in eine Vorbildrolle wächst. Der Film breitet auch, gleichsam in Charakterminiaturen und eher unterschwellig, aber sehr beredt aus, wie es um die einzelnen Mädchen bestellt ist, wenn sie für entscheidende Momente einmal nicht mehr vorgeben, was sie fortdauernd sein und werden zu sollen meinen. Da sind dann Freundschaften kaum mehr belastbar, klingen Eheverheißungen mehr als hohl, ist sexueller Übermut nur ein Schutzmechanismus auf Zeit.

Das abgründige Lächeln Mona Lisas, das der Film im Titel führt, gilt vor allem diesen immer nur angerissenen, aber keineswegs flüchtig skizzierten Miniaturen, in denen die jungen Schauspielerinnen Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal und Ginnifer Goodwin glänzen. Daß die Regie elliptischem Erzählen den Vorzug gibt, also geschickt auf Auslassungen setzt, hält einen Film lebendig, in dem nur die erbitterte Gegnerschaft einer der Studentinnen gegenüber Katherine bis ins letzte, und damit etwas lähmend ausbuchstabiert wird.

Und die Pointe? Auch Katherine muß sich den Blick von ihren weiblichen Zöglingen schärfen lassen. Während sie die Emanzipation predigt und tätige Hilfestellung leistet, ist ihre Rolle so wenig wie die der Engstirnigen dagegen gefeit, die Bahnen festzulegen, in denen die anderen zu denken und zu handeln haben. Auch Offenheit pocht auf ihre Regeln. Soviel Erkenntnis unpenetrant, schlüssig und elegant in einem Unterhaltungsfilm mit dem Star Julia Roberts angeboten zu bekommen, das ist denn doch bemerkenswert.

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