12.06.2006 · Kim Basinger ist mit 52 Jahren besser und attraktiver denn je - es fehlen ihr nur die richtigen Rollen und Regisseure. In ihrem neuen Film „The Sentinel“ ist sie wieder der Lichtblick, der einzige Grund, sich den Film anzuschauen.
Von Peter KörteÜber den Film „The Sentinel“ muß man nicht allzu viele Worte verlieren. Erstaunlich ist allenfalls die mutige Mannschaftsaufstellung: Michael Douglas, dessen erwachsene Rollen, in denen er so gut war wie in „Falling Down“, auch schon eine Weile zurückliegen, in einer Art Dreierkette mit dem „24“-Helden Kiefer Sutherland und der verzweifelten Hausfrau Eva Longoria.
Die Handlungslöcher sind so groß, daß ein Lastwagen hindurchpaßte; und Douglas als alternder Secret-Service-Mann, der einst eine für Ronald Reagan bestimmte Kugel abfing, erinnert eher zu seinem Nachteil an Clint Eastwoods „In the Line of Fire“. Der Rest ist öde Routine, und wenn da nicht die bedeutungssimulierenden Luftansichten von Washington wären, käme niemand auf den Gedanken, daß es um eine politische Verschwörung gegen den Präsidenten geht.
Unwiderstehlich ab vierzig
Aber da ist ja noch sie. Die First Lady. Der Lichtblick, der einzige Grund, sich den Film anzuschauen. Soll sie doch ruhig eine Affäre mit dem Alt-Agenten haben. Ist zwar Unsinn, macht aber nichts. Kim Basinger hat wenig zu tun, sie ist Dekor in einer politischen Inszenierung innerhalb einer Kinoinszenierung. Sie erledigt das wenige mit damenhafter Eleganz: in den beherrschten Blicken, in der Entschiedenheit, mit der sie den eifrigen Jungagenten einbestellt, weil sie entscheidet, wann sie die Affäre preisgibt. Und sie hat dabei mehr Würde und Klarheit als all die aufgeregten Entscheidungsträger.
Da denkt keiner mehr ans Bondgirl Domino oder an die Gegenlichtspiele in „Neuneinhalb Wochen“. Schon seit dem Oscar für „L. A. Confidential“ nicht mehr, weil sie gerade als Veronica-Lake-Lookalike erst zu der Kim Basinger wurde, die man bewundern kann. Vorher war sie für mich nur eine dieser Retortenschönheiten: big hair, Schmollmund, Schlafzimmerblick. Zu interessieren begann sie mich, als sie 1993 in „Karen McCoy - Die Katze“ schwarze Haare trug und eine einzelgängerische Bankräuberin war. Da war sie immerhin schon vierzig, und sie unterbrach kurz darauf ihre Karriere für ihr erstes Kind.
Wider Hollywoods Altersrassismus
Wo ihr Weg nun noch hinführt? Für Frauen über fünfzig bleibt nicht viel. Wer, außer Meryl Streep, fiele einem ein? Kim Basinger ist noch immer so schön, daß man nur staunen kann, aber es gibt zu wenige Rollen, die mehr von ihr verlangen, als schön zu sein und jünger zu wirken. Vermutlich würde sie sich nie wie Sharon Stone dazu hinreißen lassen, ihre Vergangenheit als Sexsymbol in die unfreiwillige Parodie zu treiben. Die Rolle in „Basic Instinct“ hatte sie schon damals abgelehnt. Sie hat lieber die alkoholabhängige Mutter des Rappers Eminem (in „8 Mile“) gespielt und in „Tür der Versuchung“ eine vor Trauer erstarrte Mutter, die mit einem jüngeren Mann ins Bett geht. Auch eine Antwort auf Hollywoods Altersrassismus.
Es ist wohl ihr Pech, daß das amerikanische Kino solche Filme kaum noch drehen mag, mit erwachsenen Frauen, die sich einfach so verhalten dürfen wie eine Frau von fast 53 Jahren. Mag sein, daß sich deshalb in Kim Basingers Schönheit unübersehbar eine leichte Melancholie eingeschlichen hat. Sie steht ihr besser denn je.
Peter Körte Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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