06.12.2005 · Mehr als siebzig Jahre, nachdem er erstmals auf der Leinwand auftauchte, soll King Kong das Kinojahr 2005 retten. Peter Jacksons Blockbuster um den Monstergorilla ist nur eine von etlichen Neuverfilmungen des Stoffes.
Groß, dunkelhaarig, steht auf Blondinen. Schauspielerin Fay Wray tippte auf Cary Grant, nachdem ihr als Partner ihres neuen Filmes der größte dunkelhaarige Liebhaber der Filmgeschichte versprochen wurde. Einer, der sie buchstäblich auf Händen trug.
Und zumindest das Publikum des Jahres 1933 war begeistert von ihrem Verehrer King Kong, einem ritterlichen Riesengorilla. Mit seinem am 14. Dezember anlaufenden Remake des Epoche machenden Fantasy-Klassikers schickt sich nun Peter Jackson an, den ungeheuren Erfolg des Originals zu wiederholen. Dem Neuseeländer, der mit seiner „Herr der Ringe“-Trilogie gleich drei Kassenhits gedreht hat, trauen die Hollywood-Geldgeber am ehesten zu, den verliebten alten Affen aus der Mottenkiste zu holen. Denn der hat schon etliche Wiederbelebungsversuche hinter sich; das letzte Remake aus dem Jahre 1976 von Dino de Laurentiis erwies sich als teurer Flop.
Peter Jacksons Kindertraum
Angeblich hat auch der neue Film über 200 Millionen Dollar verschlungen, wobei der Regisseur, der eine Länge von über drei Stunden durchsetzte, einen Teil des Budgets sogar selbst beisteuerte. Jackson ist eben ein Besessener, der sich einen Kindheitstraum erfüllt. Und seit der Uraufführung 1933 haben Generationen von Intellektuellen, je nach ideologischer Stoßrichtung, ein Auskommen gefunden beim Versuch, King Kongs Faszination ergründen.
Mal stand der Gute für die Angst rassistischer Weißer vorm „Neger“, mal für das aufbegehrende Proletariat, und mal war er ein durch die Liebe entmannter Macho-Brüllaffe. Und in den Neunzigern gab's mit dem Disneyfilm „Mighty Joe Young“ ein puritanisches Öko-Remake, in dem das Untier von Blondine Charlize Theron nur Freundschaft wollte.
Die Mutter aller Spezieleffekt-Filme
Kingukongku gegen Godzilla
Die bizarrsten unter den rund zwei Dutzend Wucherungen aus King Kongs Stammbaum sind neben der britischen Komödie „Queen of Kong“ (1976), in der eine Riesenäffin auf Männerjagd geht, die unbefangenen japanischen Streifen der Sechziger. „Kingukongu“ zeigt absolut kein Interesse an Blondinen und tritt stattdessen gegen das japanische Nationalmonster Godzilla, gegen Frankenstein und anderes Fantasy-Gezücht an. Daß die Japaner für das amerikanische Publikum Versionen drehten, in denen der tumbe Affe stets gewann, scheint aber ein Gerücht zu sein: King Kong ist nun mal eine riesige Projektionsfläche beliebiger Deutungen.
Am Ursprung von Jacksons Affenliebe stand derselbe Spieltrieb wie bei den tüfteligen Machern des Originalfilms, der als die Mutter aller Special-Effects-Abenteuer gilt. Kaum hatte Klein-Peter nämlich King Kong im Fernsehen gesehen, versuchte er, den Affen mit der Pelzstola seiner Oma nachzubauen. Ähnlich verfuhr der legendäre Willis O'Brien, der Erfinder des Originals. Wo dieser aus Lamm- und Kaninchenfellen Affenmodelle bastelte, da trotteten bei den Japanern schwitzende Menschen in zotteligen Kostümen übers Set.
Doch die Kreativität und die charmante Holprigkeit der ursprünglichen Modellpuppenwelt und die mit fantastischen Gustave-Doré-Motiven bemalten Glas-Hintergründe werden im neuen Film von steriler Computeranimation ersetzt. Naomi Watts tritt zwar die Nachfolge von Fay Wray an, doch ihr Affe ist ein rein virtuelles Geschöpf, wenn auch den Bewegungen von Andy Serkis nachgebildet, der als Gollum in „Herr der Ringe“ immer „Mein Schatzzzzz“ zischelte. Bleibt nur zu hoffen, daß sich Peter Jackson nicht an seinem Schatz King Kong verhebt.