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Kino Der Mann mit dem goldenen Föhn

13.08.2008 ·  Ein israelischer Spitzenagent kündigt seinen Job, um in New York Frisör zu werden. In der Komödie „Leg dich nicht mit Zohan an“ mit Adam Sandler geht es um nicht weniger als das Ende des Nahost-Konflikts. Der Film zeigt: Allein das Komödienkino hält Amerikas liberale Tugenden hoch.

Von Bert Rebhandl
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Vorne eine Tolle, hinten eine Matte, seitlich eine scharfe Kante, im Volumen aber seidig-glänzend – der Haarschnitt, den Adam Sandler in der Komödie „Leg dich nicht mit Zohan an“ trägt, würde überall in der westlichen Welt entweder als ironisch oder als missglückte Hommage an frühe Boy Groups durchgehen. Wenn ein Mann mit dieser Matte daherkommt und es damit ernst meint, macht er sich lächerlich. So lächerlich, wie ein Spitzenagent des israelischen Geheimdiensts sich machen würde, wenn er eines Tages seinen Job kündigen und nach New York gehen würde, um dort Frisör zu werden. Genau das ist aber die Story besagter Komödie.

Zohan – „the Zohan“, wie er im Original mit gebührendem Respekt heißt – hat genug davon, immer wieder dieselben palästinensischen Top-Terroristen zur Strecke zu bringen, die schon bald darauf in einem geheimen Gefangenenaustausch wieder nach Beirut gebracht werden. Zohan möchte Haare waschen, schneiden, legen und die Kundinnen auch noch ein wenig rundum betreuen, gern auch die älteren Damen. Nur „the Zohan“ möchte er nicht mehr genannt werden. Er legt sich einen neuen Namen zu. Einen Künstlernamen. „Scrappy Coco“. So stellt er sich in New York vor und stößt damit auf großes Befremden.

Alle Klischees werden breitgewalzt

Der Zohan ist ein echter Tor und eine der umwerfendsten Figuren, die das populäre Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat. In „Leg dich nicht mit Zohan an“ („You Don’t Mess With the Zohan“) von Dennis Dugan geht es um nicht weniger als das Ende des Nahost-Konflikts. Die Diaspora in New York wird hier zum Mikrokosmos, in dem sich nationale Besonderheiten besonders gut beobachten lassen. Alle Klischees über die Männer aus dem Orient werden mit Genuss breitgewalzt – die dubiosen Läden für Elektrogeräte, die niemals funktionieren und auf die es keine Garantie gibt, weil sie aus dunklen Import-Export-Geschäften stammen, werden ebenso aufs Korn genommen wie die Nationalspeise Humus, die zur Terrorgeheimwaffe wird, oder alle Mythen von jüdischer Potenz.

„Leg Dich nicht mit Zohan an“ - so heißt der neueste Streich des Komikers Adam Sandler. Ein israelischer Superagent hat genug vom Töten und will stattdessen in New York als Friseur sein Lebensglück finden. Nun stellte er den Film in Berlin vor.

„Leg dich nicht mit Zohan an“ strapaziert den ethnischen Witz bis an die Belastungsgrenze, tut dies allerdings mit dem Ziel einer großen Ökumene der Lächerlichkeit. Die Unterschiede zwischen Israelis und Palästinensern erweisen sich als geringfügig, sobald sie nur erst einmal ihre Position in der kapitalistischen Konsumgesellschaft bedenken. Ein Investor, der in dem bunten Stadtteil eine Mall errichten möchte, muss gar nicht erst mit Räumungsklagen und Abrissbirnen kommen. Ein palästinensischer Anschlag auf den Frisiersalon, in dem Zohan arbeitet, wird das wie von selber lösen.

Der alte amerikanische Universalismus

Dass es anders kommt, ist die Pointe in „Leg dich nicht mit Zohan an“. Vor dem Schiedsgericht der amerikanischen Filmkomödie sind nämlich alle Menschen gleich – sie bestehen aus Schwächen und Ticks, Eitelkeiten und Idiosynkrasien. Sie haben einen beschränkten Horizont, sie kommen bei der Terror-Hotline der Hizbullah nie durch, sie träumen von abstrusen Dingen und sind in allen diesen Irrungen und Wirrungen als Individuen grundlegend integer. Das ist der große Kniff, der es erlaubt, dass ein Genre aus Hollywood sich nun schon seit geraumer Zeit immer wieder zum Schiedsrichter in den Konflikten „der Kulturen“ machen kann und sich dabei nicht verhebt. Im Gegenteil wird ungefähr seit Mitte der neunziger Jahre, als die Brüder Farrelly mit „Dumm und dümmer“ die Renaissance des Genres einläuteten, der alte amerikanische Universalismus noch einmal lebendig. In einem Land, das sich in den neunziger Jahren durch die Political Correctness und seit 2001 mit dem Krieg gegen den Terror in Misstrauen und Lagermentalität eingebunkert hat, hält das Komödienkino die liberalen Tugenden hoch.

Bei „Leg dich nicht mit Zohan an“ laufen dabei viele Linien zusammen. Adam Sandler, der Hauptdarsteller, stammt wie so viele der neuen Stars in diesem Genre aus dem Umfeld der legendären Fernsehserie „Saturday Night Live“. 2003 spielte er in „Anger Management“ einen Geschäftsmann, der zu einer Verhaltenstherapie verurteilt wird, weil man glaubt, er habe seine Gefühle nicht mehr im Griff. Der Film endete mit einem großen Auftritt im Yankee Stadium und unter den Augen von Rudolph Giuliani. Adam Sandler hat bei „Leg dich nicht mit Zohan an“ auch zum Drehbuch beigetragen, gemeinsam mit Judd Apatow, der immer mehr in die Rolle des Verbindungsmannes in diesem heterogenen Feld hineinwächst.

Idealgesellschaft aus Spinnern

Apatow setzt vielfach bei den Brüdern Farrelly an. In ihren besten Momenten bauten diese eine Idealgesellschaft aus Abweichlern, ein utopisches Amerika aus Behinderten und Spinnern, aus hochbegabten Übergewichtigen („Me, Myself & Irene“) und hässlichen Schönheiten („Shallow Hal“). Jim Carrey war der Präsident dieser seltsamen Nation, nie war er besser besetzt. Die Farrellys sind inzwischen eher konventionell geworden, doch längst stehen an allen Ecken und Enden neue Kräfte bereit: Adam McKay machte sich in „Talladega Nights“ mit Will Ferrell über die vielbeschworenen „Nascar Dads“ und die seltsame Welt der amerikanischen Autorennen lustig; Seth Rogen schrieb mit „Superbad“ eine wunderbar vertrackte Hommage an das Genre der Highschool-Komödie und spielte in Judd Apatows „Knocked up“ die Hauptrolle eines jungen Mannes, der nach einem One-Night-Stand mit unvermuteter Vaterschaft zurechtkommt.

Von „Napoleon Dynamite“ bis „Juno“, von „The Royal Tenenbaums“ bis „Forgetting Sarah Marshall“ reichen die Horizonte der gegenwärtigen amerikanischen Filmkomödie. Gemeinsam ist allen diesen Filmen, dass sie eine Integrationsleistung vollbringen. Sie widersetzen sich der gesellschaftlichen Segmentierung und dem Lagerdenken, indem sie Individualität komisch überbetonen und daraus gemeinschaftliche Strukturen entwickeln. Damit liegt die Komödie auch quer zu den gefräßigen Verwertungsinteressen der Filmindustrie, sie ist ein Genre, das aus sich selber heraus profitabel sein muss und weitgehend ohne Merchandising und Franchises auskommt. Sie lebt von Individuen, die ihr ganzes Herz in einen seidig-glatten Haarschnitt legen können.

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