27.05.2005 · Als Drache terrorisiert sie Jennifer Lopez, die Auserwählte ihres Sohnes: Es ist erstaunlich, wie Jane Fonda, die so manches überstanden hat, die Hollywoodkomödie „Das Schwiegermonster“ mit Würde hinter sich bringt.
Von Peter KörteEs war in letzter Zeit auch einiges über sie zu erfahren, was man nie wissen wollte: Daß sie das Atrium ihres Lofts in Atlanta selber gestaltet hat und daß es eine Gebärmutter darstellen soll; daß sie dreißig Jahre lang an Bulimie litt, und daß ihr dritter Ehemann Ted Turner sich in seiner Mittagspause mit anderen Frauen vergnügte.
Sie bedauert auch das Foto, welches sie im Kreise des Vietcong zeigte und das ihr den Namen „Hanoi Jane“ einbrachte, aber nicht ihren Protest gegen den Krieg; und sie ist auf ihre alten Tage fromm geworden.
Jane Fonda hat mit 67 Jahren ihre Autobiographie veröffentlicht, sie ist während einer Lesung von einem Vietnam-Veteranen bespuckt worden, und weil Timing im Showgeschäft alles ist, kommt jetzt auch noch ein Film mit ihr ins Kino, ihr erster seit fünfzehn Jahren, seit „Stanley & Iris“, und wenn sie auch immer nur von einer kleinen Rolle spricht, trägt der Film doch diese Rolle im Titel: „Das Schwiegermonster“, was ausnahmsweise einmal nicht der grenzdebile Einfall einer deutschen Marketingabteilung ist, sondern eine wortgetreue Übersetzung von „Monster-in-Law“.
Ein weiter Weg
Das ist ein weiter Weg von „Barbarella“ (1968) und „Klute“ (1971), von Aktivismus und Aerobic, zum Schwiegermutterwitz, den man hier jenseits von „Bild“ schon seit einigen Jahrzehnten für eine ausgestorbene Art gehalten hat, auch wenn kürzlich die Hollywoodproduktion „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ Kassenerfolge feierte. Dieses „Schwiegermonster“ ist einer jener Filme, die man sich eigentlich nur anschaut, weil Jennifer Lopez und eben Jane Fonda mitspielen, und der leider auch den sogenannten Gene-Siskel-Test, benannt nach einem verstorbenen amerikanischen Filmkritiker, nicht besteht: „Ist der Film interessanter als eine Dokumentation über das gemeinsame Mittagessen der Schauspieler?“
Man weiß ja nicht, was Robert Luketic, auch Regisseur von „Natürlich blond“ (2001), beim Mittagessen alles gesagt hat; man sieht nur, was er nach dem Mittagessen angerichtet hat, und hofft, daß der Speiseplan abwechslungsreicher war als Luketics visuelle Einfälle. Er hat einem allenfalls mittelmäßigen Drehbuch gar nichts hinzugefügt, was bei Komödien spätestens dann klar wird, wenn sich die Nebendarsteller die besten Pointen und die lustigsten Momente schnappen und wenn man schon vergessen hat, wie der männliche Hauptdarsteller aussieht, kaum daß er den Raum verlassen hat.
Reich und tückisch
Es ist dann doch erstaunlich, wie Jane Fonda, die so manches überstanden hat, das mit Würde hinter sich bringt. Sie ist der Drache, der den Sohn keiner Frau gönnt, sie ist reich und tückisch, und sie scheut auch vor absurden Kostümierungen nicht zurück. Sie trägt die gußeiserne Frisur der erfolgreichen Fernsehfrau, sie wohnt fürstlich, keift, intrigiert, und doch perlen all die ranzigen Gags, die auf ihre Kosten gehen sollen, einfach an ihr ab.
Vielleicht hätte sie J.Lo., die seit Soderberghs „Out of Sight“ (1998) jenseits der Klatschspalten keinen erwähnenswerten Auftritt mehr gehabt hat, beim Mittagessen mal erklären sollen, daß man mit 35 ein bißchen zu alt ist für das ewig gutherzige, unbedarfte Latina-Aschenputtel, das auf den Prinzen wartet, der in diesem Fall ein besonders fader Dreitagebartträger ist und in keiner deutschen Krankenhausserie weiter auffallen würde. Wenn man nicht wüßte, daß es nicht stimmt, könnte man auf den Gedanken kommen, Jane Fondas sinnlich geschwungene Oberlippe, die im Alter zum idealen Vehikel für Arroganz und leise Verächtlichkeit geworden ist, sei auch ein Kommentar zum Film.
Biopic ihres Lebens
Daß dieser Schwiegermonsterkalauer nicht alles ist, weiß man zum Glück aus der Autobiographie. Sonst hieße sie wohl kaum: „My Life so far“. Es müßte jetzt nur jemand kommen und ihr eine gute Rolle anbieten. Am besten die Hauptrolle im Biopic ihres eigenen Lebens. Denn da ist alles vorhanden: die Kindheit im Hause der Legende Henry Fonda, die wilden Sixties mit Roger Vadim, die Aktivistenjahre mit Tom Hayden, die Frustjahre mit dem großen Medienmogul und ein bißchen Aerobic.
Wie sie in dem Film „Am goldenen See“ vor mehr als zwanzig Jahren mit ihrem Vater auf der Leinwand den Vater-Tochter-Konflikt austrug, der im Leben nicht stattfand, so könnte man aus einem solchen Biopic vielleicht erfahren, wer sie denn nun ist: Ob sie sich ihren jeweiligen Männern chamäleonartig angepaßt hat, was all ihre Lebensabschnitte verbindet und ob es wirklich die „disease to please“, die Gefallsucht, ist, welche Citizen Jane ein Leben lang begleitet hat.
Peter Körte Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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