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Karrieren Ich bin des Kaisers Handwerkszeug

11.09.2003 ·  Die berühmten Gurus des Fußballs schreiben nicht alle und nicht immer selbst. Der Mann, der bei „Bild“ Franz Beckenbauer ist, heißt Walter M. Straten: ein Interview mit dem Ghostwriter des Kaisers.

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Udo Lattek, Günter Netzer, Paul Breitner, Franz Beckenbauer waren Spieler, Trainer und sind - Experten im Fernsehen und Kolumnisten in der Presse. Selber schreiben aber müssen sie nicht alle und nicht immer. Franz Beckenbauer zum Beispiel hat, wie er jetzt verriet, einen Ghostwriter: Es ist Walter M. Straten, 44, seit vierundzwanzig Jahren bei „Bild“, dort Chef des Sportteils in Berlin und Reporter für die Nationalmannschaft. Wir haben ihn gefragt, wie er in diesen schweren Zeiten des deutschen Fußballs zu schreiben weiß, was Beckenbauer denkt. (F.A.Z.)

Wie fühlt man sich als Alter ego von Franz Beckenbauer?

Ich bin nicht sein Alter ego, sondern nur sein Handwerkszeug, derjenige, der seine Gedanken zu Papier und in die Zeitung bringt. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie funktioniert das, wenn Sie als Beckenbauer schreiben? Im Fernsehen hat er gesagt, daß es da gar keine "Rückkopplung" braucht. Wissen Sie, was er denkt, bevor Sie schreiben?

Ich weiß natürlich nicht, was er denkt, bevor ich mit ihm gesprochen habe. Es ist so: Ich begleite die Nationalmannschaft bei jedem Spiel, er manchmal. Entweder telefonieren wir direkt nach dem Spiel, oder wir setzen uns im Hotel eine Stunde zusammen. Ich frage ihn, er äußert seine Meinung zum Spiel, zu einzelnen Spielern, zur Taktik und zu den Aussichten der Mannschaft. Am nächsten Tag bringe ich das in Kolumnenform. Dieses Vorgehen ist bei prominenten Kommentatoren ja nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist die gute Zusammenarbeit. Und mit Franz Beckenbauer kann man übrigens wunderbar arbeiten.

Liest er die Kolumne gegen?

In achtundneunzig Prozent aller Fälle nicht. Er weiß, daß er sich darauf verlassen kann, daß ich seine Gedanken so formuliere, daß er sich in dem Text wiederfindet. Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, wo er gesagt hätte: "Jo mei, da hast du aber einen Schmarrn geschrieben." Zumindest nicht in der Kolumne, sonst schon. Es gab Fälle, da war es mir wichtig, daß er noch mal gegenliest - bei der Daum-Affäre oder der Geschichte Bayern und die Kirch-Verträge. Da kommt es auf jedes einzelne Wort an.

Wer beantwortet die Leserpost?

Das macht unsere Leserbriefredaktion. Einzelne, besonders interessante Zuschriften dürfte Franz Beckenbauer aber schon selbst bekommen.

Wie kamen Sie zu diesem Job?

Ich betreue die Nationalmannschaft als Reporter seit 1998. Da kam bei uns die Frage auf, wer Franz Beckenbauer bei der EM 2000 journalistisch begleitet. Irgendwie fiel die Wahl auf mich, beworben habe ich mich nicht. Seither machen wir das.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2003, Nr. 211 / Seite 39
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