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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Julia Roberts in „Eat Pray Love“ Der Schaum der Jahre

 ·  Julia Roberts reist in „Eat Pray Love“ auf der Suche nach dem Glück durch die Welt. Der Film geht auf das gleichnamige Selbstfindungsbuch der Journalistin Elizabeth Gilbert zurück. Das Dumme ist nur, dass Gilbert nichts zu erzählen hat und alle Überraschungen vorhersehbar sind.

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Seit sich Julia Roberts vor sechs Jahren in eine lange Babypause verabschiedet hat - kurz nach ihrem historischen Auftritt als menschliches Fabergé-Ei in „Ocean's 13“ - ist jeder ihrer Filme ein Comeback. Sie spielt, als müsste sie sich mit jeder Rolle wieder neu dem Vergessen entreißen, als entsagungsvolle Familienmutter in „Zurück im Sommer“, als reiches Luder in „Der Krieg des Charlie Wilson“, als weiblicher Army-Captain in „Valentinstag“, als allergeheimste Geheimagentin in „Duplicity“; und zugleich auch so, als wäre ihr das alles auch ein bisschen egal, wie einem, der nach vielen Jahren im Dschungel oder auf den Hochebenen der Mongolei wieder unter Menschen kommt und noch nicht ganz da ist, während rings um ihn das Leben weiterbraust, die Kameraleute ihre Kameras bedienen, die Regisseure auf ihre Monitore starren und die Kleindarsteller ihre Drehbuchsätze aufsagen, als wäre er, oder besser sie, die unvergleichliche Julia, nie fort gewesen. Dabei ist es doch schon zwei Jahrzehnte her, dass sie „Pretty Woman“ war, eine Ewigkeit unter den Scheinwerfern - nur die anderen haben es noch nicht gemerkt, sie schauen sie an, als säße sie immer noch im „Beverly Wilshire“-Hotel und wartete auf Richard Gere. Oder jedenfalls sieht Javier Bardem sie mit diesem Blick an, ihr Partner in Ryan Murphys Film „Eat Pray Love“, in dem Julia Roberts eine Amerikanerin spielt, die auf der Suche nach dem Glück durch die Welt reist und - Überraschung! - auf Bali landet.

Auch Mitgefühl hat eine Grenze

Der Film ist überhaupt voll vorhersehbarer Überraschungen, die damit beginnen, dass Julia - hier heißt sie Liz - einen balinesischen Wundermann trifft, der ihre Handinnenfläche liest und verkündet, sie werde in einem Jahr wiederkommen. Was auch tatsächlich geschieht, nur dass sich der Wundermann beim Wiedersehen nicht mehr an Julia/Liz erinnern kann, was ihn endgültig als Außerirdischen qualifiziert. In der Zwischenzeit aber hat unsere Heldin eine ganze Menge Wundermänner um sich gehabt: zuerst ihren Gatten Stephen (Billy Crudup), der sich nach vielen Jahren Ehe immer noch nicht so richtig zum Kinderkriegen und Wohnungaufräumen entschließen kann, dann ihren Geliebten David (James Franco), der irgendwie dasselbe Problem hat, aber noch ein Eckchen besser und softmachomäßiger aussieht, danach ganz viele dunkelgelockte, bronzehäutige und schmachtlippige Italiener, die im Zweifelsfall alle noch bei ihrer Mutter wohnen und mit denen man wunderbar Pizza fantasia und Trippa alla fiorentina essen kann, und schließlich den traurigsten Mann der Welt. Der heißt Richard (Richard Jenkins) und büßt seit zwanzig Jahren in einem Ashram in Neu Delhi dafür, dass er einst im Suff beinahe sein eigenes Kind überfahren hätte. Am Ende, nach Ewigkeiten qualvollen Meditierens, Fliesenschrubbens und Hindi-Betens, die der Film nur zart andeutet, trifft er Julia alias Liz und erzählt ihr seine Geschichte. Am nächsten Tag packt sie ihre Koffer und reist ab: Auch Mitgefühl hat eine Grenze.

„Eat, Pray, Love“, das Selbstfindungsbuch der Journalistin Elizabeth Gilbert, dem der Film seine Existenz verdankt, stand 180 Wochen auf der Bestsellerliste der „New York Times“. Es ist sozusagen die Julia Roberts unter den Bestsellern, ein Buch wie ein Cinemascope-Lächeln. Das Dumme ist nur, dass Gilbert nichts zu erzählen hat. Ihre Heldin reist vom einen Mann zum anderen, und zwischendurch gehen ihr viele Dinge durch den Kopf, denen Julia Roberts ihr immer noch mädchenhaft strahlendes Gesicht leiht, aber am Ende kommt nicht mehr dabei heraus als eine Sammlung von Kitschpostkarten. Auf der letzten stehen Javier Bardem und Julia/Liz auf einem balinesischen Fischerboot und fahren in den Sonnenuntergang. Damals, in „Pretty Woman“, nahm Julia Roberts nach der ersten Nacht mit Richard Gere ein Schaumbad. „Eat Pray Love“ ist der wieder aufgewärmte Schaum, der damals in der Wanne blieb.

Ab Donnerstag im Kino

Quelle: F.A.S.
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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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