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Legendärer Comedian : Jerry Lewis ist tot

  • Aktualisiert am

Jerry Lewis (1926 – 2017) Bild: Reuters

Der Komiker Jerry Lewis ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Ganze Generationen von Amerikanern brachte er zum Lachen. Vor allem an der Seite eines kongenialen Partners.

          Der legendäre amerikanische Komiker und Entertainer Jerry Lewis ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in Las Vegas, wie eine Sprecherin am Sonntag auf CNN sagte. Auch seine Familie habe den Tod bestätigt, meldete das „Las Vegas Review-Journal“. Demnach starb er eines natürlichen Todes - friedlich im Kreise seiner Familie. Seit den fünfziger Jahren hatte der Darsteller in vielen Filmkomödien mitgespielt und war so zu einem der bekanntesten Komiker Amerikas geworden.

          Mit Klamauk und Grimassen brachte Jerry Lewis die Welt zum Lachen. Als der Komiker 2014 einen zweiten Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood erhielt, blödelte er herum und biss Regisseur Quentin Tarantino in die Hand. Der feierte ihn danach trotzdem als „Schatz“ und „einen der größten Schauspieler und Regisseure in der Geschichte des Kinos“.

          Jerry Lewis und Dean Martin im Jahr 1976 bei der jährlichen Fernsehsendung zum Sammeln von Spenden für die „Muscular Dystrophy Association“ Bilderstrecke
          Jerry Lewis und Dean Martin im Jahr 1976 bei der jährlichen Fernsehsendung zum Sammeln von Spenden für die „Muscular Dystrophy Association“ :

          Seine Karriere umfasste sieben Jahrzehnte. Erst als eine Hälfte des Komiker-Duos „Martin & Lewis“ mit dem Entertainer Dean Martin in den 1940er und 50er Jahren, dann bis zu den 70ern als Slapstick-Filmstar und Regisseur und schließlich in größeren Rollen in Hollywood und auf dem Broadway. Lewis arbeitete auch noch mit über 90. „Ich frage mich auch manchmal, wo ich die ganze verdammte Energie hernehme“, sagte er 2014 dem Magazin „GQ“.

          Die Liebe zur Bühne bekam Lewis, der 1926 in Newark im amerikanischen Bundesstaat New Jersey als Joseph Levitch geboren wurde, von seinen Eltern. Vater Danny Levitch, ein Nachtclub-Sänger, brachte mit seinem komischen Talent auf der Bühne den Saal zum Kochen. Sein Sohn, der nach eigener Aussage mit „Schminke im Blut“ aufwuchs, wurde süchtig nach Applaus und tingelte schon mit 18 als Alleinunterhalter durch die Clubs.

          Amerika : Komiker-Legende Jerry Lewis ist tot

          Den Durchbruch schaffte er, als er 1945 den neun Jahre älteren italo-amerikanischen Schnulzensänger Paul Dino Crocetti kennenlernte, der sich Dean Martin nannte. Martin sei für ihn „der große Bruder, den ich nie hatte“ gewesen, erzählte Lewis dem „GQ“. Sie waren das perfekte Paar: Der gut aussehende Martin in der Rolle des seriösen Charmeurs, Lewis als blödelnder Kindskopf und tollpatschiger Clown.

          „Sie waren wie Rockstars, bevor es Rockstars gab“, schrieb die „New York Times“. Damit landeten sie auf Olymp des Unterhaltungsgeschäfts: Von Charlie Chaplin holte sich Lewis Tipps für das Schneiden seiner Filme, und der alternde Stan Laurel erzählte ihm viele Abende lang von seinen Frauengeschichten.

          Doch nach rund zehn gemeinsamen Bühnen-Jahren zerstritten sich Lewis und Martin und sprachen 20 Jahre kein Wort mehr miteinander. Nach der Versöhnung schrieb Lewis das Buch „Dean and Me - A Love Story“. Aber auch solo begeisterte er die Massen. Er drehte Kassenknüller wie „Der Regimentstrottel“, „Geisha Boy“, „Hallo, Page“ und „Geld spielt keine Rolle“.

          Als Höhepunkt seiner Blödelkunst gilt „Der verrückte Professor“ von 1963, der 33 Jahre später mit Eddie Murphy neu verfilmt wurde. „Mein Baby“ nannte Lewis den Film. Aber auch in dramatischen Rollen wie 1981 an der Seite von Robert de Niro in „King of Comedy“ feierte er Erfolge. Lewis spielte in mehr als 80 Kino- und Fernsehfilmen und führte Regie in über einem Dutzend anderer. Doch nicht auf all seine Arbeit war er stolz.

          „Wenn man Jerry Lewis nicht versteht, versteht man Comedy nicht“

          Sein Film über einen deutschen Zirkusclown, der nach einem abfälligen Kommentar über Adolf Hitler ins Konzentrationslager kommt, wo er jüdische Kinder erst zum Lachen bringt und sie dann in die Gaskammern führen soll, kam nie an die Öffentlichkeit. Der 1972 gedrehte „The Day The Clown Cried“ galt lange als Kino-Mythos und Film-Phantom. In einem Dokumentarfilm des deutsch-australischen Grimme-Preisträgers Eric Friedler, der 2016 zu Lewis' 90. Geburtstag ausgestrahlt wurde, äußerte er sich erstmals ausführlich dazu.

          Er sei mit dem Filmprojekt gescheitert. „Ich habe schlechte Arbeit abgeliefert, als Autor, als Regisseur, als Schauspieler, als Produzent. Bei meinem Versuch, dieses große Menschheitsverbrechen von der Realität in die Fiktion hinüberzubringen, besetzten die Gräuel mein ganzes Denken und Fühlen.“ Der Misserfolg beschäftigte Lewis so sehr, dass er mehr als zehn Jahre lang keinen Film mehr drehte. Am Ende hat er seinem Ruf aber kaum geschadet.

          Bis heute sei Lewis seiner Zeit voraus, lobte ihn einmal Regie-Star Martin Scorsese, und Komiker-Kollege Jerry Seinfeld feierte ihn als die „Essenz aller Comedy“. „Wenn man Jerry Lewis nicht versteht, versteht man Comedy nicht.“

          Für seinen Einsatz im Kampf gegen Armut und Krankheiten bekam der siebenfache Vater 2009 einen Ehrenoscar. Seit 1966 stand er 45 Jahre lang als Gastgeber einer TV-Mammutshow für Muskelkranke auf der Bühne. Erst mit 85 Jahren trat er kürzer und gab diesen Einsatz auf.

          Bis zum vergangenen Jahr war Lewis in der Filmbranche aktiv. Im Film „Max Rose“ spielte der Komiker 2013 einen alternden Pianisten. Der letzte Film, in dem Lewis 2016 mitwirkte, ist der englische Thriller „The Trust“.

          Quelle: lahe./ dpa

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