05.03.2010 · Wer Jeff Bridges schon immer mochte, der wird diese Woche eine Menge zu feiern haben. Ein Kinobesuch von „Crazy Heart“, seinem neuen Film, in dem er einen abgehalfterten Countrysänger spielt, ist dafür nicht der schlechteste Anlass. Der bessere wäre sein erster Oscar-Gewinn.
Von Michael AlthenWenn alles gutgeht – und die Spontaneität, mit der seine Kollegen ihm zum Golden Globe auch noch einen stehenden Applaus spendierten, deutet ganz darauf hin –, dann wird Jeff Bridges am Sonntag für diese Rolle endlich auch einen Oscar gewinnen. Man wird diskutieren können, ob es nun wirklich für diese Rolle als abgehalfterter Country-Sänger sein muss, aber andererseits lieben ihn die Leute ja auch gerade deswegen, weil er um seine Auftritte nie auch nur halb so viel Aufhebens machte wie andere Stars und seine Zurückgelehntheit spätestens seit „The Big Lebowski“ geradezu legendär ist. Auch wenn der Dude dafür genauso auf Drogenkonsum angewiesen ist wie der durchgeknallte New-Age-Ausbilder, den er in „Männer, die auf Ziegen starren“ spielt, der auch diese Woche anläuft.
Wer Jeff Bridges also schon immer mochte, der wird diese Woche eine Menge zu feiern haben. Und ein Kinobesuch von „Crazy Heart“ ist dafür nicht der schlechteste Anlass, auch wenn Scott Coopers Film nicht allzu viel zu bieten hat, was ihn von den Gepflogenheiten des „Abgehalfterter Country-Musiker findet doch noch zu sich“-Films unterscheidet. Außer eben Jeff Bridges (wobei man den Anteil seiner Co-Stars Maggie Gyllenhaal, Robert Duvall und Colin Farrell nicht geringschätzen darf). Und eine Unaufgeregtheit der Erzählung, die ihres Hauptdarstellers würdig ist. Scott Cooper und sein Kameramann Barry Markowitz verzichten auf alle Mätzchen und beschränken sich darauf, die Gegend in New Mexico und Arizona und die Menschen, die sich darin bewegen, so zu zeichnen, als sei die Zeit stehengeblieben, als Jeff Bridges und seine Helden selbst noch jung waren.
Was Bridges' Spiel auszeichnet
Wenn er anfangs mit seinem heruntergekommenen Chevrolet Suburban vor einer Kegelbahn vorfährt und der Wirt ihm seine Whiskey-Ration verweigert, wenn man den Respekt sieht, mit dem die junge Begleitband ihn begrüßt, und den glasigen Blick, wenn er seine Einsätze verpasst, dann weiß man schon, wen man da vor sich hat. Er macht seinem Namen Bad Blake alle Ehre, und unwirsch reagiert er nur, wenn ihn jemand wie die junge Reporterin (Gyllenhaal) nach seinem richtigen Namen fragt. Denn es gibt in seiner Vergangenheit nicht nur vier Ehen, sondern auch einen Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Aber so benebelt ist er nicht, dass er nicht erkennen würde, dass die junge Frau, die durchaus gelernt hat, vor Typen wie ihm auf der Hut zu sein, einen Glanz in seine Bude bringt, den er schon länger nicht mehr erlebt hat. Schon gar nicht mit den Groupies, die er sonst so nach seinen Auftritten abschleppt.
Was Bridges’ Spiel auszeichnet, ist nicht die Art, wie er sich in die Verheerungen dieses Lebens fallen lässt, sondern der Umstand, dass dahinter sichtbar wird, warum er sich darin auch wohl fühlt; dass es eine Zeit gab, in der man auch als Verlierer seine Würde wahren konnte. Und daran wird er sich am Sonntag auch als Sieger erinnern.