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Jamie Foxx im Gespräch Der Western ist kein weißes Genre mehr

Noch immer hat die Filmindustrie ein Problem mit afroamerikanischen Themen. Jamie Foxx erklärt, warum gerade Tarantinos „Django Unchained“ dies ändern könnte.

© dapd Jamie Foxx: „Als meine Töchter zu den Dreharbeiten auf die Plantagen kamen, da war das wie eine Geschichtsausstellung für sie.“

Mr. Foxx, Sie sind in den siebziger Jahren in Texas aufgewachsen. Genau die Zeit, in der der Western als Genre so gut wie tot war, oder nicht?

Wo denken Sie hin! Wir haben dauernd Western gesehen. „Gunsmoke“, „The Rifleman“, „Bonanza“, „Little House on the Prairie“. Der Western war vielleicht in Los Angeles oder New York tot, aber nicht bei uns im Süden. Es gab eine Serie namens „Hee Haw“, es gab „The Lone Ranger“. Das haben wir alles ständig gesehen.

Ja, das sind die Fernsehserien, in die sich das Western-Genre zurückgezogen hat. Auf eine Figur wie Django bei Sergio Corbucci hat Sie das aber nicht vorbereitet, oder?

Da haben Sie recht, so etwas war damals in meinem Amerika nicht bekannt. Das ist eben das Besondere an Quentin Tarantino. Er kennt das alles, er entdeckt dauernd diese Juwelen und amerikanisiert sie. Es war dann aber ein ganz besonderes Ereignis, als wir Franco Nero, den Darsteller des Django, persönlich trafen. Sie können sich vorstellen, was für ein Spaß das war, seinen Namen zu buchstabieren: D-J-A-N-G-O. Das allein macht schon eine ganze Figur.

Wie läuft das ab, wenn man von Tarantino ein Drehbuch bekommt? Liegen da gleich Dutzende DVDs dabei?

Ich habe das Drehbuch gar nicht von ihm bekommen, ich musste es finden. Ich wusste natürlich von dem Projekt, aber ich dachte, sie hätten schon mit dem Drehen begonnen, als mir zu Ohren kam, dass Django noch gar nicht besetzt war. Ich verschaffte mir also das Drehbuch und war dann besonders von der Liebesgeschichte beeindruckt. Ich glaube, so etwas hat Quentin davor noch nie gemacht. Was Django auf sich nimmt, um zu seiner Broomhilda zu kommen, das macht einen wesentlichen Unterschied zu einem herkömmlichen Drama über die Sklaverei. Frauen standen Quentins Filmen immer ein wenig zwiespältig gegenüber, jetzt sind sie auch beteiligt: „Wo ist mein Django?“

22819937 © Sony Pictures Vergrößern Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte - für den Western ebenso, wie für einen Tarantino-Film: Jamie Foxx als Django mit Kerry Washington als Broomhilda

Sie haben sich an Tarantino gewandt?

Ja, ich habe vorgesprochen. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, denn ich wollte ihm gefallen. Meine Erfahrung mit Pferden war schließlich sehr hilfreich. Ich reite gern, ich brauchte kein Stunt-Double. Ich ritt mein eigenes Pferd, denn Pferde sind wie Leute, man muss ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Django ist die Titelfigur, steht aber lange im Schatten von Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Calvin Candie (Leonardo DiCaprio). Ist die Balance zwischen den Figuren in Ordnung?

Häufig sieht man Filme mit seinem Lieblingsschauspieler und ist enttäuscht. Hier kriegt man mehrere Stars, alle tragen etwas Wichtiges bei. Und die letzte halbe Stunde gehört schließlich Django. Zudem sollten wir die Figur nicht vergessen, die Samuel L. Jackson spielt.

Dieser Stephen ist zweifellos die anstößigste Figur in „Django Unchained“, ein schwarzer Hausmeister, der seine Unterdrückung bis zur Parodie verinnerlicht hat.

Bevor Samuel das spielte, hasste ich die Figur. Ich freute mich schon darauf, ihn umbringen zu können, als Django. Aber Samuel spielte ihn mit einer solchen Ernsthaftigkeit, dass dahinter die Überlebensmechanismen erkennbar werden, die er anwendet. Er ist vollständig „undercover“, hält aber natürlich Candieland am Laufen. Das macht übrigens einen guten Schauspieler aus. Auch wenn man eine Figur verabscheut, liegt das Geniale gerade darin, dies nicht zu verwässern.

Es gibt nun Stimmen in Amerika, die sich am häufigen Gebrauch des Wortes „nigger“ stoßen.

Wenn Tarantino einen Film macht, denn darf niemand „Yentl 2“ erwarten. Schwarze Leute machen sich gern vernehmlich, sie halten mit ihren Meinungen nicht zurück, manche haben den Film von vornherein nicht gemocht, und sie mögen ihn auch jetzt nicht. Das „N-Wort“ ist nicht verächtlich, es ist ein Label. Es soll uns verstören. Das ist ein Film über die Sklaverei, da geht es nicht ohne Härten. Wenn man zu Weihnachten in Amerika ins Kino ging, konnte man sehen: Ganze Familien sehen sich diesen Film an, sie wollen, dass die Kinder von diesen Brutalitäten wissen.

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