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James Bond wird ausgestellt : Der Mann aus der Asservatenkammer

Frauen pflastern seinen Weg: Eine von vielen toten James-Bond-Geliebten, hier aus „Goldfinger“. Sie wurde gerächt Bild: AFP

Kurz bevor der neue James-Bond-Film in die Kinos kommt, feiert eine Ausstellung dessen Vorläufer als Stilikonen nicht nur des Britischen Empire.

          Zum ersten Mal begegneten wir Ian Flemings Agenten 007 auf der Leinwand am Spieltisch. Wir sahen nur seine Hände. Sie zogen eine filterlose Zigarette aus dem silbernen Etui. Im Off klickte das Feuerzeug. Erst dann fuhr die Kamera auf das Gesicht von Sean Connery, der, die Zigarette zwischen den Lippen, mit dem Rauch die lässige Einführung ausstieß: „Bond, James Bond.“ Ein Schleier aus Zigarettendunst hing über dem Raum. Aus fast jeder Hand stiegen silbrige Rauchfäden auf.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das war 1962 in „James Bond jagt Dr. No“. Der Film erfasst die Atmosphäre, die Fleming 1953 im ersten Satz seines ersten Bond-Romanes, „Casino Royale“, beschreibt: „Um drei Uhr morgens ist der Geruch nach Parfüm, Rauch und Schweiß betäubend. Der Nervenverschleiß, den das Spielen um hohe Einsätze mit sich bringt und der sich aus der Summierung von Gier, Angst und nervöser Spannung ergibt, wird um diese Zeit unerträglich, und die Sinne erwachen und revoltieren dagegen.“ In dem 2006 gedrehten Film wird diese Stimmung wieder beschworen, nur ist der Spieltisch in Montenegro, an dem Bond gegen den Bösewicht Le Chiffre pokert, eine rauchfreie Zone geworden. Daniel Craig hat sich die Smokingjacke ausgezogen und sitzt seinem Widersacher in Hemdsärmeln gegenüber. Das hätte sich Sean Connery nie erlaubt. Er verkörperte das altmodische Männlichkeitsideal der ehemaligen Kolonialmacht, das Judy Denchs, die als Geheimdienstchefin M dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung trägt, in „Goldeneye“ (1995) verurteilt. Sie beschimpft Pierce Brosnans Agenten als „sexistischen, mysogenen Dinosaurier“, als „Relikt des Kalten Krieges“, dessen jungenhafter Charme an ihr verschwendet sei.

          Vom Entwurf bis zum Endprodukt

          Die Herausforderung für die Macher der Bond-Filme liegt darin, die Figur des unglaubwürdigen Spions im Dienste Ihrer Majestät, diesen Inbegriff schneidigen britischen Heldentums, der Zeit anzupassen, ohne seine erkennbaren Züge einzubüßen. Wie sehr diese Figur Bestandteil des britischen Selbstbildes geworden ist, hat Danny Boyle bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele aller Welt mit dem köstlich ironischen Bond-Sketch und der Persiflage von Roger Moores Fallschirmsturz aus „Der Spion, der mich liebte“ vorgeführt.

          „Gold“ bildet das Leitmotiv des ersten Raumes, hier die goldene Pistole aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“ Bilderstrecke

          Im Londoner Barbican Centre geht eine Ausstellung zum goldenen Jubiläum der am längsten bestehenden Filmserie der Frage nach, wie James Bond zu einer Stilikone wurde. „Designing 007: Fifty Years of Bond Style“ gewährt einen Blick hinter die Kulissen in das Zustandekommen der Filme vom Entwurf bis zum Endprodukt. Die Kuratoren haben in der Kleider- und Requisitenkiste der Produktionsgesellschaft Eon gekramt, die die Rechte an den Bond-Filmen besitzt und, was sicherlich nicht unwesentlich ist für die als internationale Wanderausstellung konzipierte Schau, im Herbst das neueste Abenteuer lanciert: „Skyfall“ inszeniert von Sam Mendes mit Daniel Craig bei seinem dritten Einsatz als James Bond.

          „Goldfinger“ entfachte Mode für allerlei goldenen Luxus

          Kostüme, Storyboards, Schwarzweißzeichnungen des aus Berlin stammenden Szenenbildners Ken Adam, dessen geniale architektonische Phantasien prägend für den Bond-Stil waren, und einige der ausgefallenen Spezialanfertigungen, mit denen der als Q bekannte Quartiermeister den Agenten für seine Missionen ausstattete, werden mit passenden Filmausschnitten in einer Folge von thematisch gegliederten, den Filmkulissen nachempfundenen Räumen in Szene gesetzt.

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