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Jackson-Prozeß Spielverderber

07.03.2005 ·  Ein Fernsehsender bietet seinen Zuschauern eine täglich gespielte Nachstellung des Prozesses gegen Michael Jackson. Doch das funktioniert nicht: Wohl kaum je zuvor war das Fernsehen so langsam.

Von Nina Rehfeld, Phoenix
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Rodney Melville ist ein Spielverderber. Weil der Richter das Debakel im Mordprozeß gegen O.J. Simpson, der dank allüberall anwesender Fernsehkameras zum schrankenlosen Medienspektakel wurde, nicht wiederholt sehen will, verhängte er für den Prozeß gegen Michael Jackson, dem er vorsitzt, ein Kameraverbot.

Zähneknirschend gaben sich die Networks daraufhin nobel und gelobten, diesmal vornehme Zurückhaltung in der Prozeßberichterstattung an den Tag zu legen. Etwas anderes bleibt ihnen auch gar nicht übrig.

Nur der kleine Sender „E! Entertainment“ pochte darauf, immer und überall dabeizusein, und versprach seinen Zuschauern einen Platz in der ersten Reihe: Mit einer täglich gespielten Nachstellung des Prozesses gegen den Popstar, orientiert an den Gerichtsprotokollen und den Beobachtungen eines im Saal anwesenden Journalisten, sollte das Publikum das Geschehen bezeugen können. Doch nun erweist sich die erste Reihe bei "E!" als rote Laterne der Berichterstattung: Wohl kaum je zuvor in seiner Geschichte war das Fernsehen so langsam.

Ein schlapper Abklatsch

Wer abends um halb acht „E!“ einschaltet, bekommt die Ereignisse des Vortages im Gerichtssaal von Santa Maria in Kalifornien präsentiert, montags gar wohnt man dem nachgespielten Geschehen vom vorangegangenen Freitag bei. Das Ganze wirkt wie ein schlapper Abklatsch von Gerichtsshows wie „Judge Judy“, der sich mit dem künstlich aufgeregten Geschnatter dreier juristischer Experten den Ruch der Analyse zu geben bemüht.

Herausragend ist diese Fernsehshow aber vor allem deshalb, weil sie viel zu spät ist. Wenn der Schauspieler Edward Moss allabendlich den Vortags-Michael-Jackson gibt, haben auch mäßig interessierte Prozeßverfolger längst die Details des vergangenen Verhandlungstages bei der morgendlichen Zeitungslektüre erfahren, und sie haben bei Bedarf die Auftritte von Anklage und Verteidigung mit Kollegen am Wasserspender ausdiskutiert. Der Nachrichtenwert von „The Michael Jackson Trial“ ist nahe Null.

Es ist schon grandios, wie sich ein Fernsehsender bei dem Versuch, Unmittelbarkeit herzustellen, ausgerechnet von der gern als behäbig belächelten Presse den Schneid abkaufen lassen muß. Nicht vieles ist so alt wie die Nachrichten von gestern. Aber nichts ist altbackener als wenn sie im Fernsehen nachgespielt werden.

Quelle: F.A.Z., 07.03.2005, Nr. 55 / Seite 42
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