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Isabella Rossellini wird sechzig Ein Star, der wie die Venus blinzelt

 ·  Isabella Rossellini ist aus der Rolle der kühlen Prinzessin in die noch viel schönere der verschmitzt-warmherzigen Königin hinübergewachsen. An diesem Montag feiert sie ihren sechzigsten Geburtstag.

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Man gebe ihr ein scharfes Hackemesser und ein Stück Obst, schon haut sie die Klinge mit einer Entschiedenheit ins Fruchtfleisch, dass man sich vor lauter erotischer Verwirrung gar nicht entscheiden mag, ob man lieber Messer, lieber Obst oder nicht doch am liebsten Isabella Rossellini selbst wäre, die diesen furiosen Küchenauftritt 2011 in „Poulet aux Prunes“ von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud hingelegt hat.

Dass die Betörende weiß, wie man Hieb- und Stichwerkzeuge handhabt, muss ihr schon David Lynch an der Nasenspitze angesehen haben: Wer je vergessen kann, wie sie Kyle MacLachlan im Halbdunkel mit einer blitzenden Klinge bedroht, hat entweder ganz große Löcher im Kopf, durch die ein besonders trostloser Wind pfeift, oder die sensationelle Szene in „Blue Velvet“ von 1986 einfach nie gesehen.

Ein leichter Lynch-Schauder

Wo immer sie hinzwinkert, ob als Biene, Libelle, gar Spinne in der selbstgedrehten, dämonisch-niedlichen sexualkundlichen Lehrfilmserie „Green Porno“ von 2008, ob als unwiderstehlich androgyne ex-sowjetische Geheimdienst-Kurzhaarsirene und anti-tantenhafte Tante von Jennifer Garner in der Agententhrillershow „Alias“, ob als dickschädelige geschiedene Frau von Alec Baldwin in „30 Rock“ oder als Gaststimme bei den „Simpsons“ - immer und überall hinterlässt Isabella Rossellini, Tochter der Schauspielerin Ingrid Bergman und des Regisseurs Roberto Rossellini und damit die skandinavischste Italo-Amerikanerin des Universums, zwangsläufig Spuren, die von Dauer sind.

Case in Point: 2006, Wilmington, North Carolina, vor genau zwanzig Jahren Drehort von „Blue Velvet“. Man kauft im Urlaub ein paar Äpfel, in einem Laden unweit des Apartmenthauses, in dem die von Rossellini gespielte Filmfigur Dorothy Vallens in David Lynchs laufbahnbestimmendem Werk wohnt, und lässt als europäischer Filmtrottel eine kleine Angeberbemerkung in der Art fallen, dass man ja manchmal, wenn man spätabends an jenem Gebäude vorübergeht, schon so einen leichten Lynch-Schauder empfindet - sofort bekommen die beiden netten Schwulen, die den Laden führen, glänzende Augen, rosige Wangen und strahlen um die Wette: „Oh, ich will jedes Mal hochgehen und anklopfen!“ „Ja, dann macht sie vielleicht die Tür auf, in diesem roten Kleid!“ „Oder in dem blauen, samtenen Bademantel!“ „Oder im Handtuch!“ „Vielleicht kann sie gar nicht zur Tür kommen, weil sie, wie an dieser einen endlosen Stelle, in Unterwäsche in der Wohnung herumkriecht!“ „Vielleicht ist Dennis Hopper bei ihr, oh Gott, Grusel!“ - und so weiter, eine satte halbe Stunde, bei der man sich nie langweilt, weil man natürlich eifrig mitspinnt.

Als Model unter anderem für Kosmetika hat sie angefangen. Wie oft bei Leuten von vornehmer Herkunft schien für ein standesgemäßes Leben der Beruf zu genügen, sich hin und wieder dem Volk zu zeigen; ihre Eltern sind schließlich kulturindustrieller Hochadel. Aber Isabella Rossellini gehört zu den sehr wenigen Schauspielerinnen, die aus der Rolle der kühlen Prinzessin in die noch viel schönere der verschmitzt-warmherzigen Königin hinübergewachsen sind. An diesem Montag wird Ihre Majestät sechzig Jahre alt.

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