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Iranischer Film Mein Chomeini ist der wahre

Der Regisseur Behruz Afkhami hat den ersten Spielfilm über das Leben des Revolutionsführers Chomeini gedreht. „Kind der Morgernröte“ ist das Werk eines glühenden Verehrers. In geradezu verträumten Bildern erzählt es die Kindheit des Revolutionsführers.

© REUTERS Vergrößern Objekt der Verehrung: Ayatollah Ruholla Chomeini

Der Dreh zum Fernseh-Thriller „Operation 125“ kommt nur schleppend voran. In den hallenden Gängen der Teheraner Amir-Kabir-Universität will sich die zum Arbeiten erforderliche Stille partout nicht einstellen. Der Regisseur Behruz Afkhami nutzt die Unterbrechung, um sich die zuletzt abgedrehten Szenen zeigen zu lassen. Der drahtige Mann in den frühen Fünfzigern sieht nicht wie ein Regisseur aus, der zuletzt einen Propagandafilm über den Revolutionsführer Ajatollah Chomeini gemacht hat. Er ist ein smarter Typ, dessen Gesamterscheinung - das Gesicht von einem silbrigen Vollbart umrahmt, mit Wanderschuhen und in offenem Holzfällerhemd und in Jeans - eher an den Paul Breitner von heute als an einen Regimetreuen von gestern denken lässt.

„Farzand-e Sobh“ (Kind der Morgenröte) heißt sein Chomeini-Film, den Afkhami bereits Ende 2007 abgedreht hat. Noch hat ihn aber niemand gesehen, denn - so meldet zumindest die iranische Nachrichtenagentur Mehr - der Regisseur warte noch auf die Musik von Morricone. Ist das wahr? „Gewiss, gewiss“, sagt Afkhami, „durch Ennio waren wir in Kontakt mit Andrea Morricone getreten, da uns der vielbeschäftigte Ennio vorschlug, sein Sohn Andrea könne doch den Soundtrack mit seiner Unterstützung schreiben. Aber dann stand täglich der Reporter von ,Voice of America' in Rom bei Morricone vor der Tür und wollte wissen, ob er wirklich die Musik zu meinem Chomeini-Film machen werde.“ Und was antwortete er? „Morricone“, erläutert Afkhami belustigt, „hat alles bestritten. Daraus kann man nur schließen, dass ,Voice of America' massiven Druck auf ihn ausgeübt hat.“

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Das ist die iranische Rhetorik der Mystifikation. Kein Morricone wird jemals wieder die Wahrheit über das Projekt sagen können - selbst wenn bereits seit Ende Februar auf der Homepage des Maestro erklärt wird, dass „weder Ennio noch Andrea die Musik zu dem iranischen Film über Chomeini schreiben werden“.

Khomeini 01 © REUTERS Vergrößern Die Farben der Verklärung: Chomeinis Porträt während einer Feier zum Gedenken der Islamischen Revolution

Aus dem Blickwinkel des Reformisten

Behruz Afkhami zählt nicht zu den international renommierten Regisseuren aus Iran wie Abbas Kiarostami oder Mohsen Makhmalbaf. Er ist aber einer der kommerziell erfolgreichsten einheimischen Regisseure, bei Kritik und Publikum gleichermaßen beliebt. Neben historischen und literarischen Stoffen hat er vor allem Geschichten verfilmt, die Frauenschicksale in den Fokus rücken. „Die Braut“ machte 1990 die neunzehnjährige Niki Karimi zur ersten Leinwandgöttin der Islamischen Republik. Mit „Hemlock“ folgte eine in die iranische Mittelschicht transponierte Adaption von Adrian Lynes Film „Eine verhängnisvolle Affäre“.

Wie kam er nach solchen Arbeiten zu seinem Chomeini-Film? „Als mir die Chomeini-Stiftung, die auch die Schriften des Imam ediert, den Film vorschlug, fiel mir erst gar nichts ein, und ich lehnte ab“, erinnert sich Afkhami an die Anfänge des Projekts vor rund zehn Jahren. Erst Martin Scorseses Film „Kundun“ über den Dalai Lama habe ihn zu einem Drehbuch inspiriert. Da er nicht die typische Karriere im Konzert medialer Gleichschaltung absolviert hat, verzögerten sich die Dreharbeiten lange - auch deshalb, weil der gebürtige Teheraner im Jahr 2000 als Abgeordneter der Reformorientierten ins Parlament gewählt worden war. „Das war anfangs ungeheuer spannend, doch insgesamt war das sechste Parlament nicht sehr erfolgreich“, beschreibt er nüchtern das Zerplatzen seiner Hoffnungen.

Hagiographische Tendenzen?

Sein Drehbuch stellt Chomeinis Kindheit in den Mittelpunkt: „Ich wollte zeigen, wie ein kleiner Junge, der im Alter von wenigen Monaten seinen Vater verliert, durch die großen politischen Umbrüche in seiner Kindheit geprägt wird.“ Erst am Ende werde deutlich, dass der gesamte Film aus Erinnerungen des auf dem Sterbebett liegenden Imam bestehe. Geradezu „verträumt“, so betont der Regisseur, sei der Film.

Die Biographen Chomeinis sind sich über dessen Kindheit höchst uneins. Gesichert ist, dass Ruhoallah (“Seele Gottes“) um 1902 als Sohn eines geistlichen Landbesitzers in einem Wüstendorf nordwestlich von Esfahan namens Chomein geboren wurde. Gesichert ist des Weiteren, dass der Vater bald ermordet wurde. Ob der kleine Ruhoallah nach oder schon vor dem Tod der Mutter bei einer Tante aufwuchs, lässt sich nicht mehr verifizieren. Alle weiteren malerischen Ausschmückungen und Erzählungen vom schön gewachsenen Hirten, der dichtend unter Dattelpalmen sitzt, entspringen wohl zumeist dem Bedürfnis, die Vita Chomeinis hagiographisch an die eines anderen Waisen anzulehnen - jene des Propheten Mohammed.

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