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Interview Sung-Hyung Cho : Kaffee und Kuchen zu scheußlicher Musik

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Hat heavy Metal lieb gewonnen: Filmemacherin Sung-Hyung Cho Bild: dpa

Ihr Dokumentarfilm „Full Metal Village“ über die ins dörfliche Wacken regelmäßig einfallende Heavy-Metal-Szene gewann den Max-Ophüls-Preis und riss auf der Berlinale das Publikum hin. Die Idee bezog Sung-Hyung Cho aus der F.A.Z. Die Filmemacherin im Interview.

          Ihr Dokumentarfilm „Full Metal Village“ über die ins dörfliche Wacken regelmäßig einfallende Heavy-Metal-Szene gewann den Max-Ophüls-Preis und riss auf der Berlinale das Publikum hin. Die Idee bezog Sung-Hyung Cho aus der F.A.Z. Die Filmemacherin im Interview.

          Ihre Dokumentation über das schleswig-holsteinische Dorf Wacken und das jährlich dort stattfindende Heavy-Metal-Festival hat in den vergangenen Monaten drei Filmpreise, darunter den renommierten Max-Ophüls-Preis, bekommen und auf der Berlinale das Publikum hingerissen. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

          Der Auftritt bei der Berlinale war der Höhepunkt, der krönende Abschluss und der Lohn für die viele Arbeit. Ich freue mich natürlich über den Erfolg, aber ich freue mich vor allem auch für die Wackener, dass ihre Geschichte die Leute so berührt - das Publikum und wohl auch die Jurys. Das kleine 1800-Einwohner-Dorf und die 40 000 Metal-Fans, die dort jedes Jahr eines der größten Festivals weltweit feiern, das scheint die Zuschauer ebenso zu faszinieren, wie es mich fasziniert hat.

          Wie sind Sie auf das Dorf und seine seltsamen Besucher aufmerksam geworden?

          Im August 2002 habe ich einen Bericht in der F.A.Z. gelesen. Und das Foto dazu, ein paar langhaarige, tätowierte und mit Ketten behängte Metal-Fans an der Kasse des Wackener Edeka-Marktes, das hat mich nicht mehr losgelassen. „Das Bild von den beiden Welten, die da zusammenprallen - ich habe sofort gedacht: Das ist mein Thema, dieser „clash of cultures“, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen. Das erlebe ich als Koreanerin hier selbst jeden Tag, auch nach 17 Jahren in Deutschland. Wenn ich zum Beispiel in der Kleinstadt, in der ich wohne, einkaufen gehe, dann sehen mich viele Leute immer noch als Fremde. In Wacken sind die Gegensätze natürlich besonders krass: auf der einen Seite das langsame, idyllische Leben der Dorfbewohner, auf der anderen die martialische Welt der Metal-Szene.

          Haben Sie eine Beziehung zum Heavy Metal?

          Nein, nein. Das ist eigentlich gar nicht meine Musik. Bevor ich nach Wacken kam, kannte ich nur „Judas Priest“ aus meiner Jugend - ihr Klassiker „Breaking the Law“ kommt deshalb auch im Film vor -, aber inzwischen ist mir die Szene schon auch ein bisschen ans Herz gewachsen. Wenn man hinter das einschüchternde Äußere blickt und das furchterregende Gebrüll und die anderen wilden Rituale außer Acht lässt, kommen ganz normale, nette Leute zum Vorschein. Kein Wunder, dass die Wackener inzwischen ganz begeistert von den Metalern sind und es praktisch keine Probleme zwischen den beiden Gruppen gibt. Mir ist die Szene in den vergangenen drei Jahren auch in gewisser Weise ans Herz gewachsen.

          Die Metaler kommen allerdings erst im letzten Viertel des Films vor.

          Ja, denn sie und ihre ganz eigene Welt sind ein faszinierendes Phänomen, doch für einen Filmemacher sind Menschen im Paradies - und die Metal-Fans sind in Wacken in ihrem siebten Himmel - vollkommen langweilig. Für mich waren die Geschichten und das Leben der Einheimischen viel interessanter: Bauer Trede, der seine Wiesen zur Verfügung stellt, die beiden alten Damen, die sich bei Kaffee und Kuchen über die scheußliche Musik aufregen, die junge Kathrin, der das dörfliche Leben langsam zu eng wird, und Norbert Venohr, der das Festival vor 17 Jahren mit begründet hat und inzwischen seinen Ausstieg bedauert. Darum ist es auch keine Musik- oder Festivaldokumentation geworden. Für mich ist es ein echter Heimatfilm, der das Lebensgefühl und den Alltag in der norddeutschen Provinz einfängt.

          Hat Ihnen die Perspektive als Koreanerin beim Blick auf diese Provinz geholfen oder den Kontakt zu den Protagonisten schwieriger gemacht?

          Es war ein großer Vorteil. Durch meine augenscheinliche Fremdheit sind die Leute ganz anders, viel offener mit mir umgegangen und haben mir zum Beispiel auch Dinge erzählt und erklärt, die sie bei Deutschen vorausgesetzt hätten. Von der angeblichen Kühle und Sturheit der Norddeutschen habe ich nichts gespürt, ich habe sie als aufgeschlossen, kontaktfreudig, redselig, lustig und sogar temperamentvoll erlebt. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung.

          Full Metal Village ist Ihr erster großer Film. Was kommt als Nächstes?

          Wieder ein Heimatfilm - diesmal in Korea. Nach so vielen Jahren in Deutschland habe ich dort mittlerweile auch die Perspektive einer Außenstehenden, wie in Wacken. Ich habe schon eine Idee, eine Geschichte und sogar ein paar Protagonisten. Der Rest ist noch unklar. Nur mit Heavy Metal wird der Film ganz sicher nichts zu tun haben.

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