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Animationskünstlerin : „Ich freue mich immer über einen Bösewicht“

  • -Aktualisiert am

Dieser Oma fehlt der Sinn für die leichte Muse: Im Film „Coco“ versucht Abuelita sogar mit Mitteln der Gewalt, ihren Enkel von Mariachi-Musikern fernzuhalten. Bild: PIXAR

Tanja Krampfert von Pixar spricht im Interview über das Modellieren von Trickfiguren, die Suche nach der perfekten Falte und den neuen Film „Coco“.

          Frau Krampfert, können Sie in drei Sätzen erklären, wie bei Pixar ein Animationsfilm entsteht?

          Das Wichtigste ist eine gute Geschichte. Wenn die steht, kann man sich überlegen, wie die Figuren aussehen. Sind die Figuren entworfen, geht es an den digitalen Part: Wir modellieren sie, die Animatoren animieren sie. Dass alle Abteilungen dabei eng zusammenarbeiten, ist für ein gutes Ergebnis sehr wichtig.

          Im Abspann des neuen Films „Coco“ steht neben Ihrem Namen die Berufsbezeichnung „Character Technical Director“. Was bedeutet das?

          Das ist ein weiter Begriff. Character Technical Director ist jeder, der an den Figuren arbeitet und etwas Technisches macht. Meine eigentliche Berufsbezeichnung bei Pixar ist Modeler und Rigger. Das heißt, ich modelliere die Figuren zunächst digital, als würde ich eine Figur aus Ton modellieren, nur eben am Computer. Dann verpasse ich den Figuren ein Skelett, das ist das sogenannte Rigging. Nur so können meine Kollegen in der Animations-Abteilung die Figuren danach bewegen.

          Insgesamt dauert die Arbeit an einem Film drei bis vier Jahre. Zu welchem Zeitpunkt kommen Sie ins Spiel?

          Ich würde sagen, dass die Kollegen schon seit zwei Jahren arbeiten, ehe wir an Bord kommen. Zur Halbzeit also.

          Tanja Krampfert in den Pixar-Studios

          Wie die Figuren aussehen sollen, steht schon fest, wenn Sie mit der Arbeit anfangen?

          Richtig, denn hier bei Pixar bin ich ja nicht im Design Department. Ich lasse sie sozusagen digital entstehen. Wobei es auch immer wieder Möglichkeiten gibt, ein bisschen mit zu entwerfen. Für viele der Menschen und Skelette, die in „Coco“ im Hintergrund zu sehen sind, haben wir zum Beispiel gar keine Designs mehr bekommen. Da hieß es einfach: Macht mal Menschen, die mexikanisch aussehen. Also konnten wir uns ein bisschen austoben. Einen Mann habe ich dem Kerl nachempfunden, der im Taco-Truck bei mir um die Ecke am Grill steht.

          Wie sieht es mit den Protagonisten aus?

          Besonders stolz bin ich auf Urgroßmutter Coco mit ihren vielen Falten. Das war eine tolle Arbeit, die Falten habe ich alle modelliert, die sind nicht bloß gezeichnet. Und für Frida Kahlo war ich auch zuständig. Überhaupt habe ich die meisten Frauen abgedeckt, glaube ich.

          Aber noch ist alle Hoffnung nicht verloren: Auf dem Weg zurück ins Reich der Lebenden hilft dem ambitionierten Jungmusiker Miguel schon mal eine magische Ringelblumenblüte.

          Zufall?

          Nein, wir nennen das Typecasting. Ich bekomme oft die Frauen zugeteilt, weil die mir scheinbar liegen. Und alles, was süß sein soll, Tiere und Kinder zum Beispiel. Aber ich freue mich immer, wenn ich auch mal an etwas anderem arbeiten darf, einem Bösewicht zum Beispiel. Oder der strengen Abuelita in „Coco“. Nach der hatte ich gezielt gefragt, weil ich auch mal eine kantige Person gestalten wollte, die so gar nicht süß ist.

          Welche Vorgaben bekommen Sie für die Figuren? Wie präzise sind sie schon entworfen?

          Unterschiedlich. Im Fall von Urgroßmutter Coco war alles recht vage. Für sie gab es nur ein paar Zeichnungen, die dann Basis meiner Arbeit waren. Bei der Ururgroßmutter Imelda dagegen, die unser kleiner Held im Land der Toten trifft, gab es sogar eine Skulptur als Vorlage. Da habe ich eng mit der Designerin Daniela Strijleva zusammengearbeitet.

          Die Arbeit der Designer ist noch nicht abgeschlossen, wenn Ihre beginnt?

          Nein, wir haben immer wieder gemeinsame Sitzungen. Da probieren wir bei mir am Computer stundenlang aus, wie es aussehen könnte, wenn ein Skelett wie Imelda Lippen hat und Lippenstift trägt. Alle, die an einer Figur arbeiten, nennt man bei Pixar Buddys, Kumpel. Ich habe also einen Design-Buddy und einen Animations-Buddy. Mit Daniela habe ich so eng zusammengearbeitet und mich so gut mir ihr angefreundet, dass sie vor der Geburt meiner Tochter die Babyparty für mich ausgerichtet hat.

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