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Interview mit Sean Penn : Kino ändert nichts

  • -Aktualisiert am

Können Sie es unter dem Motto „Besser schlechte Publicity als keine Publicity“ abhaken?

Nein. Diese Ansicht teile ich nicht. Meiner Meinung nach hat die Kunst einen hohen Preis dafür zahlen müssen, dass Publicity überbewertet wird. Viele kreative Köpfe sind schon davon geschluckt worden – als könne kreative Identität ohne Franchises gar nicht mehr existieren. In Cannes laufen sehr viele Leute herum, die nur noch die Meinung derjenigen repräsentieren, die sie eingekleidet haben. Wo bleibt die eigene Meinungsäußerung? Ich weiß gar nicht mehr, wo ich jemanden finden kann, der originelle Gedanken hat. Im Journalismus läuft es ähnlich: Wer plappert am erfolgreichsten das nach, was jemand anderes geschrieben hat? Das finde ich nicht inspirierend. Ich halte Film nicht für das Medium, das einen Wandel in der Welt herbeiführen kann. Dafür bedarf es stärkerer Werkzeuge.

Zum Beispiel?

Ich halte klare, dynamische Polit-Strategien für sinnvoller als Kunst. Ich halte es für ein reines Märchen, dass wir unsere Welt mittels Schönheit verändern können. Kunst und Kultur haben nur dann einen hohen Stellenwert in einer Gesellschaft, wenn alle genug zu essen haben, wenn es Gesetze, Unterkunft, Sicherheit und ein demokratisches System gibt. Die Welt entwickelt sich gerade allerdings in der Hinsicht in eine Abwärtsspirale.

Hat sich der Regisseur Sean Penn durch den humanitären Helfer verändert?

Früher war das für mich ein und dasselbe. Wenn ich mir in den Siebzigern „Badlands“, „Days of Heaven“ oder „The Conversation“ im Kino angeschaut habe, im Goldenen Zeitalter des amerikanischen Kinos, waren diese Regisseure meine Lehrmeister, indirekt und direkt. Heute finde ich so etwas nicht mehr. „The Revenant“ und davor „Beasts of the Southern Wild“ waren einige der wenigen Filme, die mich in letzter Zeit beeindrucken konnten.

Haben Sie je erwogen, sich beim Einsatz für Sudan mit George Clooney zusammenzutun?

George Clooney weiß, dass er in allem mit meiner Unterstützung rechnen kann. Er hat meine Telefonnummer und ich seine. Ich habe größten Respekt für ihn. Er konzentriert sich besonders auf Sudan, während ich mich nur für diesen Film mit dem Land beschäftigt hatte. Mein Engagement konzentriert sich eher auf andere Krisenregionen, doch wenn er meine Unterstützung suchen sollte, würde ich ihm jederzeit zur Verfügung stehen.

Gibt es für Sie noch Helden?

Es gibt viele humanitäre Helden. Einer von ihnen spielt sogar in diesem Film mit: Ibrahim Mudawi, der oft inhaftiert und gefoltert wurde, ist einer der Helden der Darfur-Bewegung. Er spielt am Anfang des Films den älteren Arzt in der Höhlensiedlung in den Bergen. Der Begriff „Held“ ist vielleicht etwas hochgegriffen, aber es gibt einige Menschen, gerade in Haiti, die mich durch ihre Taten beeindruckt haben. Sie setzen sich leidenschaftlich dafür ein, dass die Menschen um sie herum ein besseres Leben haben.

Sie sind in vielen Krisenregionen unterwegs gewesen, zum Teil als Berichterstatter für den „San Francisco Chronicle“, Sie waren in Iran, in Mexiko und Venezuela. Haben Sie nie Angst, dass Ihnen etwas zustoßen könnte?

AIch gehöre zu den Glücklichen, die sich ein Flugticket leisten können. Ich kann mir außerdem den Zeitaufwand für diese Reisen leisten. Ich bin generell ein neugieriger Mensch. Was die Angst angeht, da halte ich es mit Anwar el Sadat, der in einem Interview auf die Frage nach seiner Angst vor möglichen Attentaten antwortete: „Ich werde sterben, aber nicht eine Sekunde früher, als Gott für mich vorgesehen hat.“

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