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Interview mit Sam Mendes Denn wir wussten ja, was wir tun

Der neue James-Bond-Film kommt in die Kinos. Sam Mendes, der Regisseur von „Skyfall“, mag besonders Bonds dunkle Seiten, liebt ödipale Späße und erinnert sich an einen Satz von Camus.

© REUTERS Vergrößern Der Mann hinter „Skyfall“: Sam Mendes, der Regisseur

Herr Mendes, können Sie sich noch an Ihren ersten Bond-Film erinnern?

Ganz genau. Es war „Leben und sterben lassen“, ich muss damals neun gewesen sein. Roger Moore spielte Bond, und ich habe dank dieser Rolle eine Schwäche für ihn. Es kam mir alles unglaublich cool vor, es war so, wie ein Film sein sollte, eine geheimnisvolle Welt voller Frauen, Sex, Gewalt und auch noch Voodoo.

Einfach überwältigend. Und was für ein Schock, ganz am Ende, wenn der Voodoo-Mann mit dem schwarz-weiß bemalten Gesicht auftaucht und man denkt, er sei tot, aber er lebt noch! Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich prätentiös, aber es gibt diesen großartigen Satz von Albert Camus: „Ein Menschenwerk ist nichts anderes als ein langes Unterwegssein, um auf dem Umweg über die Kunst die zwei oder drei einfachen großen Bilder wieder zu finden, denen sich das Herz ein erstes Mal erschlossen hat.“ So habe ich das damals erlebt. Später dann, als Erwachsener, war Bond natürlich überhaupt nicht mehr cool, er wirkte altmodisch. Und als mein Freund Daniel Craig die Rolle übernahm, habe ich ihm sofort gesagt, das sei ein Fehler, ich dachte, er könne mehr als das. Dann habe ich mir „Casino Royale“ angeschaut und nach dreißig Sekunden gemerkt, dass ich unrecht hatte.

Haben Sie je daran gedacht, mal bei einem Bond-Film Regie zu führen?

Nie.

Und als man auf Sie zukam, haben Sie sich da gefragt: Warum ich?

Nein, ich finde, die Frage hätte von Unsicherheit gezeugt. Im Gegenteil, ich habe mich gefragt: Was habe ich davon? Es war eine gewaltige Herausforderung, die mir fast Angst einjagte, weil der Film mich nach England zurückführte, ich habe ja alle Filme bisher in Amerika gedreht. Und dann zum ersten Mal Action mit einem richtigen großen Budget.

„Jarhead“ war ja nun auch nicht gerade Low Budget und arm an Action!

Schon, auch „Road to Perdition“ war sehr aufwendig, aber an einen Bond reicht das nicht heran. Der Druck brachte mich erst richtig in Fahrt. Es war eben auch eine Herausforderung, einen Film zu machen, der ein großes Publikum unterhält und zugleich etwas Persönliches hat.

Bleibt denn bei einer Weltmarke, bei einem Franchise wie den Bond-Filmen überhaupt viel Raum für das, was Sie „etwas Persönliches“ nennen?

Man hat mir gleich von Anfang an gesagt: Wir wollen nicht einen Bond-Film, wir wollen deinen Bond-Film. Auch nach 22 Bond-Filmen ist ja der Wunsch da, eine individuelle Vision zu bekommen. Als ich spürte, dass ich auch mit gewagteren Ideen durchkommen würde, habe ich zugesagt. Man ist als Regisseur heute auch in einer merkwürdigen Situation. Filme mit mittlerem Budget, wie ich sie bisher gemacht habe, Filme wie „American Beauty“ oder „Jarhead“, werden nicht mehr gemacht. Man muss also Produzenten finden, die entweder drastisch nach unten gehen mit dem Budget oder steil nach oben. Ein Peter Jackson, Paul Greengrass oder Christopher Nolan, sie alle können keine 15-Millionen-Dollar-Filme mehr machen, da bleibt dann nur der Weg, es für 150 Millionen oder mehr zu machen.

Wie intensiv war denn Ihre Mitarbeit am Drehbuch?

Als ich an Bord kam, gab es überhaupt kein Drehbuch. Ich habe zusammen mit den Autoren gearbeitet. Dann kam der Bankrott von MGM dazwischen, der Film wurde um ein Dreivierteljahr verschoben. Offiziell durften wir gar nicht weiter am Drehbuch arbeiten, aber natürlich haben wir es getan. Und so frustrierend diese Verzögerung damals war, dem Drehbuch hat diese zusätzliche Zeit am Ende nur gutgetan.

Visuell ist der Film ungewöhnlich für einen Bond. Bilder und Farben sind sehr genau auf die Gemütslagen des Helden abgestimmt.

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