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Interview mit Fatih Akin : Keine Angst vor Islamismus in der Türkei

  • Aktualisiert am

„Gefährlich ist es, an Atatürk festzuhalten”, meint Fatih Akin Bild: AP

Mit „Gegen die Wand“ gewann Fatih Akin fast jeden Preis, den ein Film bekommen kann. Im September kommt sein neues Werk „Auf der anderen Seite“ in die Kinos. Im Interview spricht er über seinen Film, ein Leben in Bewegung und die Gefahren des Kemalismus.

          Vor drei Jahren hat Fatih Akin, 34, für „Gegen die Wand“ fast jeden Preis gewonnen, den ein Film bekommen kann - den Goldenen Bären der Berlinale, den Deutschen und den Europäischen Filmpreis und ein Dutzend weitere Auszeichnungen. Mit dem Ruhm im Rücken drehte er 2005 „Crossing the Bridge“, eine Dokumentation über die Musikszene Istanbuls.

          Am 27. September kommt nun sein neuer, lang erwarteter Spielfilm in die deutschen Kinos. „Auf der anderen Seite“ handelt von sechs Personen, deren Lebensläufe sich zwischen Deutschland und der Türkei kreuzen, berühren und verfehlen: Yeter (Nursel Köse), die in Bremen als Prostituierte arbeitet, lässt sich von dem Witwer Ali (Tuncel Kurtiz) als Lebensgefährtin engagieren. Ihre Tochter Ayten (Nurgül Yesilçay) wird unterdessen in Istanbul als politische Aktivistin von der Polizei gejagt. Als Ayten nach Deutschland flieht, lernt sie die Studentin Lotte Staub (Patrycia Ziolkowska) kennen, die ihr nach ihrer Abschiebung nach Istanbul folgt.

          Auch Nejat (Baki Davrak), der Sohn des Witwers, kommt nach Yeters Tod in die türkische Hauptstadt, um Ayten zu suchen, und trifft dort auf Lottes Mutter Susanne (Hanna Schygulla), die den Tod ihrer Tochter aufklären will. In Cannes gewann „Auf der anderen Seite“ im Mai den Drehbuchpreis. Es ist eine Geschichte über den Stand der Dinge in Deutschland wie in der Türkei, ein Film, der mit leichter Hand von schweren Dingen erzählt, von Müttern und Töchtern, Vätern und Söhnen, vom Kampf der Kulturen und von der Sehnsucht, irgendwo zu Hause zu sein.

          Der Regisseur mit seiner Darstellerin Hanna Schygulla in Cannes

          Im Gespräch mit Andreas Kilb und Peter Körte spricht Regisseur Akin über seinen neuen Film, ein Leben in ständiger Bewegung, türkische Schulbücher, linke Aktivisten, die sich durch ihn provoziert fühlen, und die Frage, was es ist, das den Menschen morden lässt.

          „Auf der anderen Seite“ entwirft im Vergleich zu „Gegen die Wand“ ein größeres Panorama, der Film ist episodisch erzählt, es ist ein Ensemblestück. Gibt es dennoch so etwas wie einen Kern, eine Figur, mit der alles begann?

          Es waren viele Dinge auf einmal. Einen Kern, ein Zentrum gibt es nicht. „Gegen die Wand“ fiel mir regelrecht in den Schoß, als Plot. Hier kam alles eigentlich aus einer Verzweiflung heraus: Was ist der richtige Film nach „Gegen die Wand“, nach all den Preisen? Bisher wusste ich immer, was ich als Nächstes machen würde, während ich noch den einen Film drehte. Das war diesmal nicht so. Ich hatte Hanna Schygulla kurz nach der Berlinale kennengelernt. Es gab den Wunsch, mit ihr zu arbeiten. Aber das war nur ein Baustein. Mit Tuncel Kurtiz, der in vielen Filmen von Yilmaz Güney gespielt hat, war es ähnlich. Aber wie die beiden zusammenbringen?

          Dann war da die Idee, so etwas zu machen wie Costa-Gavras in „Missing“, die Idee kam mir während „Crossing the Bridge“, bei den Recherchen bin ich auf eine junge Frau wie Ayten gestoßen, eine politische Aktivistin, das fand ich spannend. Und Hanna Schygulla könnte ihre Tochter verlieren wie Jack Lemmon in „Missing“ seinen Sohn, wo es übrigens auch das Bild eines Sarges gibt, der auf einem Flughafen ankommt. Ich dachte an einen Thriller mit einer politischen Dimension. Damit ging es los, daraus ist dieser philosophische Episodenfilm entstanden.

          Ist Ihnen von den sechs Charakteren einer besonders nah?

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