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Interview Mir fehlt ein Gen für Milde

Er knackt sogar Großkoalitionäre mit zurechtgelegter Harmoniestrategie: Frank Plasberg, mittwochs im WDR mit der vielfach preisgekrönten Talkshow „Hart aber fair“ zu sehen. Im Interview spricht er über Fairness auf dem Fernsehplatz.

© WDR/Thomas Brill Vergrößern Fairness nicht ohne Härte: Frank Plasberg

Seit 2001 moderiert Frank Plasberg, geboren 1957, mittwochs die Sendung „Hart aber fair“ im WDR. Für seine souveräne Art, Diskussionen zu führen, und für die glänzende Recherche der Politsendung wurde der Journalist mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Bayerischen Fernsehpreis.

Was bedeutet Fairness für Sie?

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Einen Menschen so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte. Fairness bedeutet für mich allerdings auch, jemandem zu sagen, daß er vielleicht etwas anderes lernen sollte als den Beruf, mit dem er sich bei mir in der Redaktion vorgestellt hat. Auch Widerspruch ist ein Akt von Fairness. Ich kann schiefliegen damit. Aber zur Fairness gehört auch, jemandem etwas Unangenehmes zu sagen, selbst wenn man sich damit anmaßt zu wissen, was gut für einen anderen ist.

Fair zu sein heißt also nicht, alle gleich zu behandeln, sondern in erster Linie, Stellung zu beziehen?

Fairness heißt jedenfalls nicht, es anderen immer gut gehen zu lassen. Sondern tatsächlich auch Kante zu zeigen. Stellung zu beziehen, Haltung zu entwickeln finde ich etwas sehr Schönes. Es ist doch viel leichter, sich wegzuducken.

Trotz der Ecken und Kanten, die dazugehören, ist Fairness ein positiver Begriff.

Genau. „Fair“ ist ausschließlich positiv besetzt. Als wir die Sendung erfanden und noch keinen Titel hatten, hat eine Kollegin mich gefragt: Wie willst du denn sein als Moderator? So wie du als Redaktionsleiter sein willst und an guten Tagen auch bist - hart, aber fair? Laß uns doch die Sendung so nennen. So kam es zum Titel. Insofern kann ich den Begriff Fairness ohne eine gewisse Härte kaum mehr denken.

Hat diese Charakterisierung, die ja auch eine hohe Anforderung bedeutet, Ihren Stil geprägt?

Ja, und zwar nicht nur in professioneller Hinsicht. Das ist schon etwas, was man ins ganze Leben mit hineinnimmt, und nicht nur eine berufliche Haltung. Es ist natürlich auch eine Erziehungsfrage: Ich habe zwei Kinder im Alter von siebzehn und dreizehn Jahren, so daß ich mich auch da für Konsequenz zuständig fühle - und für die Kante, an der sie sich abarbeiten können.

Wie hat Sie die Sendung verändert?

Eine richtige Berufskrankheit ist, daß ich Menschen viel zu schnell scanne. Das ist unfair. Aber wenn Sie jede Woche Stunden damit verbringen, zu überlegen, wer sich für welche Position wie eignet - es geht in der Sendung ja nicht darum, daß da fünf Namen sitzen, sondern die Beteiligten müssen auch ihr Rollenfach beherrschen, sonst gibt es keine Diskussion -, führt dies automatisch dazu, daß Sie Menschen rasch beurteilen. Dieses In-Schubladen-Stecken ist etwas, was ich mir kaum abgewöhnen kann.

Wie viel Distanz braucht man, um fair zu bleiben?

Ich bin nicht der Typ - deshalb sitze ich hier in Düsseldorf ganz gut -, der vor Erregung vibriert, wenn er an irgendwelchen Berliner Hintergrundzirkeln teilnimmt. Da weiß ich mich auch nicht richtig zu benehmen. Ohnehin möchte ich nicht, daß zuviel Nähe entsteht. Wenn man zu viele private Details von Menschen erfährt, entwickelt man eine Art Generalverständnis und das führt schnell zu Beißhemmungen.

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