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Veröffentlicht: 26.05.2016, 17:12 Uhr

Gespräch mit Jodie Foster Wir sind in einer Zeit des Übergangs

Jodie Fosters neuer Film erzählt von einer Geiselnahme in einer Börsenshow. Ein Gespräch über den spezifischen Blick von Regisseurinnen, die Risikoscheu Hollywoods und die Wut aufs System.

von
© AP Jodie Foster Mitte des Monats in Cannes

Auf einem Gruppenbild, das vergangene Woche bei der Premiere von „Money Monster“ in Cannes gemacht wurde, sieht sie aus wie die halbwüchsige Tochter, die sich etwas widerwillig von der Mutter in den Arm nehmen lässt. Und der Vater steht lächelnd daneben, den Arm um die Mutter gelegt. Was an dieser Familienanordnung nicht stimmt: George Clooney hat die Vaterrolle, Julia Roberts die Mutterrolle, aber Jodie Foster, die älter ist als Roberts und nur ein Jahr jünger als Clooney, ist die Regisseurin, die beiden am Set gesagt hat, wo es langgeht.

Peter Körte Folgen:

Fünf Jahre nach „The Beaver“ mit Mel Gibson hat sie wieder Regie geführt. „Money Monster“ beginnt als Kammerspiel in einem Fernsehstudio, der selbstgefällige Moderator (Clooney) einer ziemlich seifigen Börsenshow wird von einem jungen Mann als Geisel genommen, der sein gesamtes Erbe verloren hat, weil er dem Supertipp des Moderators gefolgt ist. Das Studio wird zum Panikraum, allein die Regisseurin (Julia Roberts) behält die Nerven, sie dirigiert den Moderator durch das Mikro in seinem Ohr, sie agiert smarter als die Polizei, und schließlich bewegen sich Moderator und Geiselnehmer wie eine kleine Prozession durch Downtown Manhattan, um den Hedgefonds-Manager zu stellen, der das Geld versenkt und dessen Fonds der Moderator empfohlen hat.

40260159 © AP Vergrößern Jodie Foster, Julia Roberts und George Clooney nach der Premiere von „Money Monster“ in Cannes

Natürlich fragt man Jodie Foster, wenn sie einem in Berlin gegenübersitzt, blass, schmal, etwas müde, im eleganten Hosenanzug mit grauem Seidentop darunter und silbernen Sandaletten, nicht nach dem unfreiwilligen Familienfoto. Es gibt ja noch ein paar andere Themen.

Sie haben kürzlich in Cannes gesagt, Hollywood sei so risikoscheu wie nie zuvor. Nur scheinbar sichere Sachen, Franchises, Blockbuster. Wie haben Sie es da geschafft, Ihren Film zu finanzieren?

Keine Ahnung, vielleicht klappt es beim nächsten Mal schon nicht mehr. Ich hatte Glück, George Clooney war als Produzent sehr engagiert, wir haben den Stoff auch unabhängig entwickelt und das Projekt allein auf den Weg gebracht. Wir haben uns erst an ein Studio mit dem Gesamtpaket gewandt und gesagt: Nehmt es so, oder lasst es. Es war kein normales Wettbieten, sondern wir haben hart verhandelt. Aber das Filmgeschäft durchläuft eine wirklich merkwürdige Phase derzeit, es ist eine Zeit des Übergangs.

Sie hatten auch kritisiert, dass nur sehr wenige Frauen Regie führen. Herrscht denn nicht ein grundsätzlicher Mangel an Vielfalt? Auch Steven Spielberg hat das vor nicht langer Zeit ja beklagt.

Das stimmt ja auch, und wenn Spielberg davon spricht, meint er vor allem den Mainstream. Das Filmgeschäft ist sehr breit angelegt, es gibt neben dem Mainstream kleine, unabhängige Filme, es gibt Kabelfernsehen, das ist schon lange so, aber man muss sagen, dass die interessanten Geschichten heute praktisch nur noch dort, fern vom Mainstream, erzählt werden. Es sieht in dieser Übergangsphase ganz so aus, als würden die Leute sich die großen Blockbuster noch im Kino ansehen, aber alles andere zu Hause auf den verschiedenen Bildschirmen. Darauf läuft es wohl auch in Zukunft hinaus, die Menschen haben ihre Gewohnheiten geändert, Kinobesuche sind nicht mehr selbstverständlich. Und die alten Gewohnheiten werden auch nicht mehr wiederkommen.

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