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Interview Hagen Boßdorf : „Ich habe niemandem geschadet, außer mir selbst“

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Boßdorf will vor Gericht ziehen Bild: dpa/dpaweb

Wann immer er in seiner Karriere einen Sprung machte, spielte das Thema Stasi eine Rolle; nun hat der NDR entschieden, daß Hagen Boßdorf nicht Sportchef des Senders werden soll. Im F.A.Z.-Gespräch erklärt er, warum er jetzt vor Gericht zieht.

          Am Dienstag hat der Verwaltungsrat des NDR entschieden, daß Hagen Boßdorf nicht zum 1. März 2006 Sportchef des Senders werden soll. Man habe den Intendanten gebeten, mit Boßdorf eine einvernehmliche Auflösung des geschlossenen Arbeitsvertrages anzustreben.

          Scheitere dies, habe man bereits der „Beendigung des Vertrages“ zugestimmt. Diese Entscheidung habe man vor dem Hintergrund „neuer Vorwürfe“ getroffen. Man habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht, so die Verwaltungsratsvorsitzende Rosemarie Wilcken, „denn die Aktenlage war zunächst nicht eindeutig. Und auch jetzt ist eine abschließende Beurteilung schwierig. Da aber nicht alle Zweifel ausgeräumt werden konnten, ist die erforderliche Vertrauensbasis für eine künftige Zusammenarbeit leider nicht gegeben.“

          „Wir wollen die Sache fair und vernünftig handhaben“

          Boßdorf will die Gültigkeit seines Vertrags einklagen. Sein Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel sagte, sein Mandant werde den Prozeß nutzen, „um den Nachweis zu führen, daß er zu keinem Zeitpunkt IM der Staatssicherheit der DDR war und mit den Strukturen der Staatssicherheit in keiner auch irgendwie vorwerfbaren Art und Weise zusammengearbeitet hat“. Doch wenn es Zweifel gibt, die dazu führen, daß man den Sportjournalisten in Hamburg nicht als Nachfolger von Gerhard Delling haben will, was bedeutet das für seine Position als ARD-Sportkoordinator? Schon gibt es Stimmen, die meinen, der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber hätte Boßdorf zu einem freiwilligen Verzicht überreden müssen.

          Doch das sieht Grubers anders. „Wir wollen eine objektive Expertise in dieser Sache haben“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „insbesondere was die jüngsten Ergebnisse angeht, die den NDR zu seiner neuen Entscheidung gebracht haben.“ Deshalb hat Gruber eine „unabhängige Instanz“ eingeschaltet, die für die ARD alle zu IM „Florian Werfer“ vorliegenden Akten bewertet. Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, sagte, er werde sich dafür einsetzen, daß Boßdorf Sportkoordinator bleibt, zumal er „keine Gelegenheit hatte, persönlich vor dem NDR-Verwaltungsrat Restzweifel auszuräumen“. „Wir wollen die Sache fair und vernünftig handhaben“, sagte ARD-Chef Gruber. „Wir wollen nichts beschönigen, aber wenn wir jemanden fallenlassen, möchte ich schon ganz genau wissen, warum.“ Im Augenblick gebe es keinen Anlaß, über Hagen Boßdorf ein schnelles Urteil zu fällen. Und was denkt der Betroffene? Wir haben ihn befragt.

          Der Verwaltungsrat des NDR hat beschlossen, daß Sie nicht Sportchef des Senders werden sollen. Man suche eine einvernehmliche Lösung, heißt es. Wollen Sie versuchen, doch beim NDR zu landen? Oder geben Sie den Job dran?

          Wieso? Ich gehe davon aus, daß es noch keine endgültige Entscheidung gibt. Wir suchen nach einer einvernehmlichen Lösung mit dem NDR. Schließlich möchte ich weiterhin als Journalist tätig sein. Als Basis dafür sehe ich den Arbeitsvertrag an, den der Intendant des NDR und der Justitiar am 31. Oktober 2005 mit mir geschlossen haben. Es gibt für mich bisher keinen ausreichenden Grund, auf diesen tollen Vertrag zu verzichten.

          Sie sind bis zum Frühjahr 2007 Sportkoordinator der ARD. Gibt es Zeichen aus der ARD, daß man Sie auch auf diesem Posten nicht halten will?

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