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Interview : Eine Reise durch die Apokalypse

  • Aktualisiert am

Regisseur Roland Suso Richter (r.) und Produzent Nico Hofmann Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wir können nicht brennende Menschen zeigen, die im flüssigen Asphalt stecken: Produzent Nico Hofmann und Regisseur Roland Suso Richter über ihren Film „Dresden“.

          Der Produzent Nico Hofmann und der Regisseur Roland Suso Richter kennen einander seit Studententagen. Anfang der achtziger Jahre gründeten sie eine Firma und produzierten gegenseitig die Filme, die der jeweils andere als Regisseur drehte. Sie sind Partner im Geiste, ihr größter gemeinsamer Film war „Der Tunnel“, vor fünf Jahren bei Sat.1.

          Der ZDF-Film „Dresden“ ist das bislang bedeutendste Werk von Hofmann und Richter. Nico Hofmann, der aus einer Journalistenfamilie stammt und dessen Mutter lange Jahre Wirtschaftskorrespondentin dieser Zeitung war, arbeitet sich an der Geschichte dieses Landes geradezu ab. Sein nächstes Projekt handelt von sechs Biographien in den Jahren 1936 bis 1948. Nach Zerstörung und Untergang soll der Wiederaufbau Thema sein. Doch jetzt geht es um den Antikriegsfilm „Dresden“.

          F.A.Z.: Das letzte Wort hat in „Dresden“ der Bundespräsident Horst Köhler. Warum?

          Richter: Das stimmt nicht ganz. Das letzte Wort hat der Pfarrer der Frauenkirche, der „peace be with you“ sagt. Aber ich finde, daß die Ansprache des Bundespräsidenten am Ende des Films stehen muß, weil die feierliche Wiedereinweihung der Frauenkirche genau so stattgefunden hat. Außerdem entspricht sein Pathos der Aussage des Films.

          Hofmann: Wir haben lange diskutiert. Ich hätte die Ansprache des Bundespräsidenten nicht gebraucht, für mich ist der Schlußpunkt des Films die Szene mit den Dresdnern vor der Kirche: Mich berühren die Gesichter derjenigen am meisten, die die Bombennacht erlebt haben. Diese Gesichter der Achtzigjährigen zählen für mich mehr als alles andere, das ist gelebte Geschichte. Auch der jüdische Friedensgruß „Shalom“, der sich an die ganze Welt richtet, berührt mich.

          Das ist die Aussage Ihres Films, der sich dezidiert als Antikriegsfilm versteht.

          Hofmann: Es ist eine der Aussagen. Besonders wichtig ist für mich der Augenblick, in dem Felicitas Woll und John Light aus dem Luftschutzkeller ans Licht kommen und die totale Zerstörung sehen. Das ist das apokalyptische Bild des kompletten Nullpunkts, auch in moralischer Hinsicht: Jene Momente, über die meine Eltern immer gesprochen haben, das Erleben, daß nichts mehr stimmt und nichts mehr übrig ist. Dieses Gefühl - verbunden mit dem Friedensgruß - ist die Klammer des Films.

          Richter: Es war für mich undenkbar, den Film mit der totalen Zerstörung vom Februar 1945 enden zu lassen. Wir haben es im Schnitt probiert, und dabei ergab sich der Eindruck einer vollständigen Leere. Der Film macht ein Angebot der Versöhnung, und dabei spielt die Frauenkirche eine zentrale Rolle. Wir sehen die Kirche vor der Zerstörung, in der Zerstörung, und der Kreis schließt sich, emotional, auch für mich als Filmemacher, mit der wiedererstandenen Frauenkirche. Ich stand das erste Mal kurz vor der Wiedervereinigung in Dresden - vor den Trümmern der Frauenkirche - und habe dies als Zeugnis der Geschichte verstanden, nicht wissend, daß ich einmal einen Film darüber machen würde. Dabei hat sich die Kirche gegen den Film gesperrt, diejenigen, die sie wieder aufgebaut haben, wollten nicht, daß wir ihre Zerstörung quasi „feiern“, alles war zugebaut, von Baukränen umstellt. Die Kirche widersetzte sich der Kamera in jedem Moment, war verhüllt, verschlossen, nicht fertig. Die Weihe ist für mich der Abschluß der Geschichte.

          Wie war die Filmpremiere in Dresden?

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