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Ingmar Bergman gestorben : Er blickte in die Seele des Drachens

Meister der dunklen Innenwelten: Ingmar Bergman (1918 bis 2007) Bild: AP

Mit Ingmar Bergman entschwindet eine ganze Epoche des europäischen Kinos ins Dämmerlicht der Legende. Nur Bergmans Filme werden uns weiter von dem erzählen, was wirklich geschah. Ein Nachruf von Andreas Kilb.

          Nur wenige können sich heute noch vorstellen, welche Bedeutung die Filme Ingmar Bergmans einmal für das kulturelle Leben der westlichen Welt gehabt haben. Es ist, als hätte die Gegenwart, aus der sich der schwedische Regisseur schon lange in die Einsamkeit seines Hauses auf der kleinen Insel Fårö zurückgezogen hatte, Bergmans Werk aus ihrem Wahrnehmungshorizont verbannt. Und doch gab es Zeiten, in denen sich evangelische und katholische Filmbeauftragte über die christliche Symbolik in „Licht im Winter“ und der „Jungfrauenquelle“ in die Haare gerieten und wildfremde Leute vor Kinoeingängen darüber stritten, ob „Die Stunde des Wolfs“ genial oder banal, ob „Persona“ ein politischer oder unpolitischer Film sei. Es gab Bergman-Retrospektiven in Paris und Bergman-Filmclubs in New York, und es gab eine „Bergmanie“ (Marcel Reich-Ranicki) in Deutschland, die auch die klügsten Köpfe, die sensibelsten Intellektuellen ergriff. In ihren Kritiken hört man den Sound und das Pathos einer sehr fernen Zeit.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Mann, der solche Sätze und Gefühle auslöste, wurde vor 89 Jahren in Uppsala als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Die Kindheit im Pfarrhaus, hat Ingmar Bergman später erklärt, sei immer die unterste Schublade seiner Werkstatt, der Kern seiner künstlerischen Inspiration geblieben. In seinem Dreistundenfilm „Fanny und Alexander“ (1983) hat er ihr eine epische Form gegeben. Die zwei Hauptfiguren, Sprößlinge eines Theaterdirektors, erleben das letzte gemeinsame Weihnachtsfest der Familie, dann den Tod des Vaters, die Wiederverheiratung der Mutter, die Ungerechtigkeiten des Stiefvaters, eines Bischofs, und seiner Verwandtschaft. Es ist klar, dass Bergmans Elternhaus weniger glanzvoll war, aber die Emotionskurve des Films, der Weg vom Kinderglück zum Trauma, und viele seiner Figuren und Details sind autobiographisch. Präziser, mitfühlender, schmerzlich wahrer hat nach Tschechow und Strindberg niemand mehr die Freuden und Qualen der bürgerlichen Seele geschildert, hier wie in den meisten der sechzig Kino- und Fernsehfilme, die Bergman seit seinem Regiedebüt im Jahr 1946 gedreht hat.

          Überwältigendes Comeback

          „Fanny und Alexander“ war nur eines der vielen letzten und allerletzten Werke, mit denen der Regisseur in den vergangenen Jahrzehnten seinen Abschied zugleich zelebriert und hinausgeschoben hat. Sein tatsächlich letzter Film „Sarabande“, eine Fernseh-Fortsetzung des Welterfolgs „Szenen einer Ehe“, liegt erst drei Jahre zurück, und es spricht für Bergmans illusionslosen Blick auf sich selbst, dass er sich eine Kinoauswertung verbat, weil ihm der Film nicht gelungen genug erschien. Das Original von 1973 dagegen, die Chronik eines Ehepaars, das trotz Unglück und Scheidung nicht voneinander lassen kann, lief weltweit auf den Leinwänden, es war das überwältigende Comeback eines Filmemachers, dessen psychologisch-existenzialistisches Kino man in der politisch aufgeheizten Luft der frühen siebziger Jahre vollständig abgeschrieben hatte.

          Meister der dunklen Innenwelten: Ingmar Bergman (1918 bis 2007) Bilderstrecke

          So wie mit den „Szenen einer Ehe“ hat sich Bergman, der immer gleichzeitig Theater- und Filmregisseur war, noch mehrmals am eigenen Schopf aus dem kreativen und finanziellen Sumpf gezogen. Als er 1976 in Stockholm verhaftet und wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde, ging er nach München, wo er am Residenztheater Shakespeare und Strindberg inszienierte und in den Bavaria-Studios „Das Schlangenei“ drehte, die Parabel vom Aufstieg des Nationalsozialismus im Berlin der Inflationszeit. Journalisten, die ihn am Set besuchten, berichteten von seiner rigiden Disziplin, seinem handwerklichen Perfektionismus, dem er alles unterordnete.

          Auf ihn konnten sich alle einigen

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